Universitätsklinikum Würzburg

100 Jahre Zahn-Mund-Kieferklinik

Würzburg ist die Universität in Deutschland, an der erstmals Zahnheilkunde gelehrt wurde. In diesem Juli feiert die Zahn-Mund-Kieferklinik dort ihren 100sten Geburtstag mit gleichzeitiger Vorstellung ihrer zweiten Erweiterung.

Abbildung 1: Ansichtskarte der Würzburger Zahnklinik zur Eröffnung im April 1912. Foto: Archiv der ZMK-Klinik Würzburg

Abbildung 2: König Ludwig III. und Hofrat Prof. Dr. Andreas Michel beim Verlassen der Zahnklinik nach der feierlichen Einweihung im Juni 1912. Foto: Archiv der ZMK-Klinik Würzburg
Abbildung 3: Frontalansicht auf den 1962 errichteten Atriumbau (Aufnahme 1994). Foto: Archiv der ZMK-Klinik Würzburg
Abbildung 4: Frontalansicht der Würzburger Zahnklinik im Jahr 2001. Rechts ist der Bau aus dem Jahr 1912, in der Mitte der Rest aus der ersten Erweiterung von 1962 und links der im Jahr 2000 bezogene Bauteil 1 der zweiten Erweiterung zu erkennen. Foto: Archiv der ZMK-Klinik Würzburg
Abbildung 5: Teilansicht der zentralen Halle in Bauteil 3 (Aufnahme 2006). Foto: Archiv der ZMK-Klinik Würzburg

Bereits im Jahr 1846 wurde in Würzburg an der Medizinischen Fakultät von Prof. Dr. Carl Joseph Ringelmann wissenschaftliche Zahnheilkunde vorgetragen. Nach dem Tod seines Nachfolgers Prof. Dr. von Welz wurden die Vorlesungen wieder eingestellt, „weil die rasche Entwicklung der Zahnheilkunde es nicht mehr möglich machte, dieselbe als inferiores Nebenfach für die Studierenden der Medizin zu lehren, sondern, dass es ein Fach geworden war, das die ganze Kraft eines Lehrers erforderte“ [aus Michel, A.: Das Zahnärztliche Institut. In: Hundert Jahre Bayerisch. Würzburg, 1914)]. Erst 1895 ist die Zahnheilkunde nach der Habilitation von Dr. Berten wieder unter den Disziplinen der Medizinischen Fakultät aufgeführt.

Privatinstitut im Wohnzimmer

Nach dessen Berufung an die Universität München erhielt der Würzburger Zahnarzt Dr. Andreas Michel 1898 einen Lehrruf für Zahnheilkunde. Mit ihm begann dann auch in Würzburg die geregelte praktische zahnmedizinische Ausbildung. Das in seiner Privatwohnung in der Plattnerstraße eingerichtete zahnärztliche Privatinstitut erfuhr mit dem 1902 verliehenen Titel eines „Königlichen Universitätsinstitutes“ die verdiente öffentliche Anerkennung. Die steigenden Studentenzahlen machten 1905 einen Umzug in größere Räumlichkeiten an den Paradeplatz erforderlich. Bald war auch dieses Institut den Studentenzahlen nicht mehr gewachsen. Der 1910 vorgestellte Plan für die Errichtung eines „echten“ Universitätsinstituts am Pleicherwall stieß auf die wohlwollende Zustimmung des königlichen Staatministeriums in München.

König Ludwig III. kam zur Einweihung

Nur 17 Monate nach der Planung wurde im April 1912 die neue Zahnklinik bezogen (Abbildung 1) und am 29. Juni vom damaligen Prinzregenten und späteren Bayerischen König Ludwig III. feierlich eingeweiht (Abbildung 2). Nun hatte auch Würzburg nach den größeren Universitäten wie Leipzig (seit 1885), Berlin, München oder Heidelberg eine Universitätszahnklinik und einen ordentlichen Lehrstuhl für Zahnheilkunde, besetzt mit dem Hofrat Prof. Dr. Andreas Michel. Das 1912 bezogene Gebäude diente in nahezu unveränderter Gestalt ein halbes Jahrhundert lang der Ausbildung der Studierenden, der Forschung sowie der Versorgung der Patienten.

Bau wird dem Lehrbetrieb angepasst

1962 – also 50 Jahre nach der Einweihung – wurde die Zahnklinik mit einem Atriumbau erheblich erweitert und den Anforderungen der späten 50er-Jahre angepasst (Abbildung 3). Bald stellte sich aber heraus, dass die für 18 Studenten pro klinisches Semester konzipierte Klinik der auf 38 angestiegenen Studentenzahl nicht mehr gewachsen war. Zur Vermeidung von Wartesemestern wurde das Lehrpersonal zwar aufgestockt, die spürbare räumliche Enge blieb jedoch bestehen.

Es begann eine mit über 30 Jahren unendlich lange Planungsphase mit vielen herben Rückschlägen für die längst überfällige Erweiterung der Zahnklinik. 1997 konnte schließlich mit der Grundsteinlegung mit der zweiten, in sechs Teilabschnitten geplanten Erweiterung begonnen werden. Nach nunmehr 14-jähriger Bauzeit wird im Juni dieses Jahres das mit rund 75 Millionen Euro umfangreiche Bauvorhaben voraussichtlich abgeschlossen sein (Abbildungen 4 und 5).

Kongress zu Ehren des Jubiläums

Vom 12. bis zum 14. Juli 2012 wird das hundertjährige Bestehen der Würzburger Zahnklinik zusammen mit dem 4. Fränkischen Zahnärztetag mit einem interessanten wissenschaftlichen Programm gefeiert. Am Samstagnachmittag wird den Kongressteilnehmern die neue Klinik vorgestellt werden. Ehemalige Würzburger Studierende werden sicherlich überrascht sein, was aus ihrer alten Ausbildungsstätte geworden ist. Ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm, eine Ausstellung mit vielen Bild- und Tondokumenten von und über die Würzburger Studierenden der Zahnmedizin und deren akademische Lehrer sowie das Zusammentreffen mit ehemaligen Kolleginnen und Kollegen ermöglichen ein Wiedersehen und viele Gespräche.

Das wissenschaftliche Programm und die Rahmenveranstaltungen können im Internet abgerufen werden unter www.100-Jahre-Zahnklinik-Würzburg.de .

Prof. Dr. Bernd Klaiber
Pleicherwall 2
97070 Würzburg
klaiber@mail.uni-wuerzburg.de

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