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Rosazea – die Gesichtsrose

Den Ursachen der Rosazea – im Volksmund auch Gesichtsrose genannt – sind die Wissenschaftler in jüngster Zeit ein kleines Stück näher gekommen. Angeborene Immunstörungen scheinen maßgeblich die entzündlichen Veränderungen der Haut zu triggern, wobei fast ausschließlich das Gesicht betroffen ist. Trotzdem bleibt die Rosazea nach wie vor ein Krankheitsbild mit vielen Fragezeichen.

km/Meinardus

Meist beginnt die Rosazea mit einem flüchtigen, anfallsartig auftretenden Erythem. Foto: DocStock-BSIP
Die Hautveränderungen sind nicht gesundheitlich gefährdend, werden von den Patienten aber meist als optisch stark belastend erlebt. Foto: DocStock-BSIP
Bei einigen Patienten kann der Konsum von Alkohol ein „Aufblühen“ der Rosazea triggern. Foto: MEV
Männer entwickeln häufiger als Frauen ein Rhinophym als Spätstadium der Rosazea. Foto: M.Sand et al. Wikipedia
Helfen konservative Maßnahmen nicht, so kann eine Laserbehandlung indiziert sein. Foto: DocStock-BSIP
Eine sorgfältige Hautpflege ist das A und O bei der Behandlung der Rosazea. Foto: Werner Heiber/Fotolia.com

Rund fünf bis zehn Prozent der Menschen in Europa weisen eine Rosazea auf, eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, die hauptsächlich das Gesicht betrifft. In Deutschland wird die Zahl der Menschen mit Rosazea auf etwa vier Millionen geschätzt. Die Dermatose tritt meist erst zwischen dem 30. und dem 50. Lebensjahr auf, sie manifestiert sich nur selten schon im Kindesalter. Frauen erkranken generell häufiger als Männer, allerdings zeigen Männer im Erkrankungsfall oft schwerere Verlaufsformen.

Überproportional häufig entwickelt sich die Rosazea zudem bei hellhäutigen Menschen, während eher südländische, dunkelhäutigere Personen seltener erkranken. Das erklärt das Nord-Süd-Gefälle der Prävalenz in Europa, wobei die Erkrankungsrate in Südeuropa etwa fünf Prozent beträgt und in Nordeuropa auf bis zu zehn Prozent der Bevölkerung ansteigt.

 


Aus Sicht der Zahnmedizin

Bei der Rosazea fällt dem Zahnarzt eine diagnostische und gegebenenfalls auch eine beratende Funktion zu. Als häufige und chronische Hauterkrankung hat sie auch im zahnärztlichen Umfeld Relevanz. Die konkrete und differenzierte Diagnostik gehört jedoch in dermatologische Hände. Die Pathogenese ist bislang ungeklärt und der Verlauf individuell sehr variabel. Eine genetische Disposition besteht, und ganz unterschiedliche physikalische, chemische und endogene Auslöser können zur Exazerbation führen. Die chronische Entzündungsreaktion führt zu Veränderungen der Blut- und der Lymphgefäße sowie des Bindegewebes. Aber auch im Rahmen der Chemotherapie mit Inhibition des epidermalen Wachstumsfaktors (EGFR, epidermal growth factor receptor) zum Beispiel durch Cetuximab, Erlotinib, Geftinib kann eine Rosacea induziert werden. Keineswegs sollten die Hautveränderungen, die überwiegend im zentrofazialen Bereich (Stirn, Nase, paranasal und Kinn) auftreten, als rein kosmetisches Problem abgetan und heruntergespielt werden. Die Patienten sind durch die Erkrankung erheblich psychosozial belastet, insbesondere bei schweren Verläufen und dem Stadium III, der glandulären-hyperplastischen Rosazea.

Den Stadien entsprechend wird die Erkrankung topisch (wie Erythromycin), systemisch, hier vor allem durch eine langfristige Metronidazolgabe, und gegebenenfalls operativ behandelt. Insbesondere Patienten mit einem Rhinophym suchen chirurgische Lösungen und wünschen eine operative Abtragung der störenden Gewebshyperplasie. Neben der systemischen Gabe von Isotretinion haben sich als Alternative auch Laser-gestützte Verfahren zur Gewebereduktion etabliert.

Univ.-Prof. Dr. Dr. Monika Daubländer
Leitende Oberärztin der Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie
Augustusplatz 2
55131 Mainz

Dr. Dr. Peer W. Kämmerer
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Augustusplatz 2
55131 Mainz


 

 

Krankheitsbild mit vielen Namen

Verschiedene Bezeichnungen sind für das Krankheitsbild gebräuchlich. So wird die Rosazea auch als Gesichtsrose, als Kupferrose und als Kupferfinne bezeichnet. Ferner wird von der Couperose und von der Erythrosis facialis gesprochen und gelegentlich auch von der Acne rosacea oder der Acne erythematosa, zwei irreführende Begriffe, da es sich keineswegs um eine Akne handelt. Das klinische Erscheinungsbild ähnelt zwar der Akne, doch handelt es sich nicht um eine primär follikuläre Erkrankung. Auch fehlen Komedonen, wie in den Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) betont wird.

Die Veränderungen betreffen vielmehr die Gefäße und Talgdrüsen des Gesichts sowie der angrenzenden Hautpartien, so dass auch die Haut der Hals-, der Brust- und der Rückenregion sowie die Kopfhaut in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Bei jedem zweiten Patienten sind außerdem die Augen von den Hautveränderungen betroffen. Auch gibt es Sonderformen der Rosazea.


Sonderformen der Rosazea

Hierzu gehört insbesondere die innerhalb der Rosazea-Patienten relativ weit verbreitete Ophthalmo-Rosazea, also die direkte Beteiligung der Augen. Typische Symptome sind ein Fremdkörpergefühl am Auge sowie trockene, brennende, gerötete oder tränende Augen. Es kann zu Störungen des Sehvermögens kommen, zu einer erhöhten Lichtempfindlichkeit und zur Bildung von Teleangiektasien der Konjunktiven oder des Lidrandes sowie zur periorbitalen Ödembildung. Blepharitis und Konjunktivitis sind laut Leitlinien die häufigsten Manifestationen der okulären Rosazea. Haut- und Augensymptome müssen dabei nicht gemeinsam auftreten, was die richtige Diagnose oftmals erschwert.

Eine weitere Sonderformen ist die Rosacea conglobata, bei der es zur Bildung großer Knoten sowie Plaques mit Infiltration und Induration kommt.

Die granulomatöse Rosazea präsentiert sich mit disseminiert auftretenden bräunlich-roten Papeln und Knötchen vor allem an den Augenlidern, am Jochbein und perioral.

Der Morbus Morbihan zeigt sich sogar mit verstärkter Beteiligung der Lymphgefäße und entsprechender Ödembildung im Gesicht. Diese Erkrankung trägt ihren Namen nach der Region Morbihan in der Bretagne, in der diese Krankheitsform gehäuft vorkommen soll.

Man kennt ferner die Rosacea fulminans, die sich akut oder perakut innerhalb weniger Tage oder Wochen mit großen, teilweise konfluierenden Knoten und zahlreichen Pusteln entwickelt. Betroffen von dieser Sonderform sind vor allem Frauen, die Störung tritt überproportional häufig in der Schwangerschaft auf.

Bekannt ist außerdem die sogenannte Steroid-Rosazea, die sich nach einer längerfristigen topischen oder systemischen Behandlung mit Kortikosteroiden entwickeln kann.


Stark belastend

Die Hauterkrankung nimmt üblicherweise einen schubförmigen, chronischen Verlauf. Anfangs treten Flushsymptome sowie Erytheme auf, die zunächst flüchtig sind, später jedoch persistieren. Die Veränderungen bilden sich initial meist zentrofazial, also im Bereich von Stirn, Nase, Kinn und Wangen. Oft entwickeln sich im weiteren Verlauf Teleangiektasien, und es können Papeln und Papulopusteln entstehen. Möglich ist ferner die Ausbildung einer diffusen Hyperplasie des Bindegewebes und der Talgdrüsen. Die charakteristischen Hautveränderungen der Rosazea sind in aller Regel nicht schmerzhaft und auch nicht ansteckend. Sie werden oftmals aber als kosmetisch gesehen beeinträchtigend erlebt und bedeuten zum Teil für die Betroffenen eine nicht unerhebliche psychische Belastung. Besonders dann, wenn sich im Spätstadium der Rosazea ein Rhinophym, also eine Knollennase bildet.

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