Repetitorium

Rosazea – die Gesichtsrose

Meist beginnt die Rosazea mit einem flüchtigen, anfallsartig auftretenden Erythem. Foto: DocStock-BSIP
Die Hautveränderungen sind nicht gesundheitlich gefährdend, werden von den Patienten aber meist als optisch stark belastend erlebt. Foto: DocStock-BSIP
Bei einigen Patienten kann der Konsum von Alkohol ein „Aufblühen“ der Rosazea triggern. Foto: MEV
Männer entwickeln häufiger als Frauen ein Rhinophym als Spätstadium der Rosazea. Foto: M.Sand et al. Wikipedia
Helfen konservative Maßnahmen nicht, so kann eine Laserbehandlung indiziert sein. Foto: DocStock-BSIP
Eine sorgfältige Hautpflege ist das A und O bei der Behandlung der Rosazea. Foto: Werner Heiber/Fotolia.com

Die Vier Krankheitsstadien

Bei der Rosazea unterscheidet man vier Krankheitsstadien: So gibt es zunächst eine Art Vorstadium, bei dem flüchtige, anfallsartig auftretende Erytheme, die sogenannten Flushs, auffallen, die durch verschiedene endogene wie auch exogene Reize ausgelöst werden können. Aus dieser Vorstufe kann die Störung in das Stadium 1, die Rosacea erythematosa-teleangiectatica, übergehen, die durch ein persistierendes Erythem sowie durch die Bildung mehr oder minder stark ausgeprägter Teleangiektasien gekennzeichnet ist.


Aus Sicht der Zahnmedizin

Bei der Rosazea fällt dem Zahnarzt eine diagnostische und gegebenenfalls auch eine beratende Funktion zu. Als häufige und chronische Hauterkrankung hat sie auch im zahnärztlichen Umfeld Relevanz. Die konkrete und differenzierte Diagnostik gehört jedoch in dermatologische Hände. Die Pathogenese ist bislang ungeklärt und der Verlauf individuell sehr variabel. Eine genetische Disposition besteht, und ganz unterschiedliche physikalische, chemische und endogene Auslöser können zur Exazerbation führen.

Die chronische Entzündungsreaktion führt zu Veränderungen der Blut- und der Lymphgefäße sowie des Bindegewebes. Aber auch im Rahmen der Chemotherapie mit Inhibition des epidermalen Wachstumsfaktors (EGFR, epidermal growth factor receptor) zum Beispiel durch Cetuximab, Erlotinib, Geftinib kann eine Rosacea induziert werden. Keineswegs sollten die Hautveränderungen, die überwiegend im zentrofazialen Bereich (Stirn, Nase, paranasal und Kinn) auftreten, als rein kosmetisches Problem abgetan und heruntergespielt werden.

Die Patienten sind durch die Erkrankung erheblich psychosozial belastet, insbesondere bei schweren Verläufen und dem Stadium III, der glandulären-hyperplastischen Rosazea.
Den Stadien entsprechend wird die Erkrankung topisch (wie Erythromycin), systemisch, hier vor allem durch eine langfristige Metronidazolgabe, und gegebenenfalls operativ behandelt. Insbesondere Patienten mit einem Rhinophym suchen chirurgische Lösungen und wünschen eine operative Abtragung der störenden Gewebshyperplasie. Neben der systemischen Gabe von Isotretinion haben sich als Alternative auch Laser-gestützte Verfahren zur Gewebereduktion etabliert.

Univ.-Prof. Dr. Dr. Monika Daubländer
Leitende Oberärztin der Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie
Augustusplatz 2
55131 Mainz

Dr. Dr. Peer W. Kämmerer
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Augustusplatz 2
55131 Mainz


Daraufhin kann sich die Dermatose zum Stadium 2, der Rosacea papulopustulosa mit geröteten Pusteln und Papeln, weiter entwickeln sowie zum Stadium 3, der glandulär-hyperplastischen Rosazea, bei der es zu einer Bindegewebs- und Talgdrüsenhyperplasie kommt. Diese sind dann als knotige Veränderungen, die sogenannten „Knollen“ (Phymata), im Gesicht lokalisiert. Betroffen sind in aller Regel Männer, wobei sich diese Phyme vorzugsweise an der Nase (Rhinophym) bilden. Etwas seltener treten sie als Gnathophym im Kinn- und Kieferbereich oder als Metophym an der Stirn, als Otophym am Ohr und als Blepharophym am Augenlid auf.

Sonderformen

Unabhängig von den verschiedenen Krankheitsstadien sind auch Sonderformen der Rosazea bekannt.

Ophthalmo-Rosazea:

Hierzu gehört insbesondere die innerhalb der Rosazea-Patienten relativ weit verbreitete Ophthalmo-Rosazea, also die direkte Beteiligung der Augen. Typische Symptome sind ein Fremdkörpergefühl am Auge sowie trockene, brennende, gerötete oder tränende Augen. Es kann zu Störungen des Sehvermögens kommen, zu einer erhöhten Lichtempfindlichkeit und zur Bildung von Teleangiektasien der Konjunktiven oder des Lidrandes sowie zur periorbitalen Ödembildung. Blepharitis und Konjunktivitis sind laut Leitlinien die häufigsten Manifestationen der okulären Rosazea. Haut- und Augensymptome müssen dabei nicht gemeinsam auftreten, was die richtige Diagnose oftmals erschwert.

Rosacea conglobata:

Eine weitere Sonderformen ist die Rosacea conglobata, bei der es zur Bildung großer Knoten sowie Plaques mit Infiltration und Induration kommt.

Granulomatöse Rosazea:

Die granulomatöse Rosazea präsentiert sich mit disseminiert auftretenden bräunlich-roten Papeln und Knötchen vor allem an den Augenlidern, am Jochbein und perioral.

Morbus Morbihan:

Der Morbus Morbihan zeigt sich sogar mit verstärkter Beteiligung der Lymphgefäße und entsprechender Ödembildung im Gesicht. Diese Erkrankung trägt ihren Namen nach der Region Morbihan in der Bretagne, in der diese Krankheitsform gehäuft vorkommen soll.

Rosacea fulminans:

Man kennt ferner die Rosacea fulminans, die sich akut oder perakut innerhalb weniger Tage oder Wochen mit großen, teilweise konfluierenden Knoten und zahlreichen Pusteln entwickelt. Betroffen von dieser Sonderform sind vor allem Frauen, die Störung tritt überproportional häufig in der Schwangerschaft auf.

Steroid-Rosazea:

Bekannt ist außerdem die sogenannte Steroid-Rosazea, die sich nach einer längerfristigen topischen oder systemischen Behandlung mit Kortikosteroiden entwickeln kann.

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