Repetitorium

Staphylokokken-Infektionen der Haut

Staphylokokken können zahlreiche Haut- und Schleimhautinfektionen verursachen. Die Krankheitsbilder reichen von oberflächlichen Erkrankungen wie der Impetigo contagiosa sowie Furunkeln bis hin zu schweren tiefen Infektionen wie den Phlegmonen.

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Rund 20 Prozent der Infektionen mit Staphylococcus aureus in Kliniken sind durch Methicillin-resistente S. aureus (MRSA) bedingt. Foto: Stephan Morrosch/Fotolia.com
Vor allem Hautinfektionen gehen oft auf Staphylokokken zurück. Foto: OKAPIA
Schwere, sich ins Gewebe ausbreitende Staphylokokken-Infektionen machen nicht selten eine intensivmedizinische Behandlung notwendig. Foto: beerkoff/Fotolia.com
Staphylokokken-Infektionen sind oft schmerzhaft: Furunkel am Knie. Foto: yourphototoday
Ein häufig durch Staphylokokken bedingtes Problem: die Nagelfalzentzündung. Foto: yourphototoday
Die Infektion reicht zum Teil tief ins Gewebe hinein: Phlegmone an der Stirn. Foto: OKAPIA
Sorgfältige Hygiene mindert die Infektionsgefahr. Foto: Gerhard Seybert/Fotolia.com

Neben den Streptokokken sind vor allem Staphylokokken die häufigste Ursache von Haut- und Schleimhautinfektionen bei Kindern und Erwachsenen. Es handelt sich um grampositive Bakterien, die auch bei immunkompetenten Menschen Infektionen hervorrufen können. Der beim Menschen wichtigste Vertreter ist dabei Staphylococcus aureus (S. aureus). Bei tiefen Weichteilinfektionen liegt außerdem nicht selten eine Mischinfektion mit S. aureus und S. pyogenes vor.

Diese Erreger sind ubiquitär und finden sich vor allem auf der Nasenschleimhaut. Lediglich bei rund 20 Prozent der Bevölkerung ist S. aureus nicht auf der nasalen Schleimhaut nachweisbar. Der Keim kann aber auch auf andere Hautbereiche übergehen, 50 bis 70 Prozent der Bevölkerung weisen eine passagere, 15 bis 20 Prozent sogar eine permanente Hautbesiedlung auf. Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt – sei es als Schmierinfektion über infizierte Mitmenschen oder Haustiere oder über kontaminierte Oberflächen. Auch eine sexuelle Übertragung ist beschrieben.

Ausgeprägte Resistenzbildung

In die Schlagzeilen kommt S. aureus immer wieder aufgrund der ausgeprägten Neigung zur Resistenzbildung. Der Keim ist sehr anpassungsfähig und bildet vor allem rasch Resistenzen gegen Betalaktam-Antibiotika wie das Methicillin und wurde daher auch als MRSA, also als Methicillin-resistente S. aureus, bekannt. Auch gegen andere gebräuchliche Antibiotika wie Ciprofloxacin, Vancomycin und Linezolid wurden die Erreger laut Angaben des Robert Koch-Instituts zum Teil schon rasch nach deren Markteinführung resistent.


Aus Sicht der Zahnmedizin

Der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) ist ein auf die gängigen  β-Laktam-Antibiotika (Penicilline) und verschiedene andere Antibiotika-Klassen nicht ansprechender Keim. Er ist eine relevante Ursache schwerer nosokomialer Infektionen – besonders bei immunkompromittierten Patienten – und hoch ansteckend. Die Übertragung findet durch direkten Kontakt mit infizierten Personen, aber auch durch besiedelte Objekte statt.

In der zahnärztlichen Praxis kann es durch den nahen Patientenkontakt bei zusätzlicher häufiger Aerosol-Entstehung leicht zur Transmission entsprechender Bakterien kommen. Für die theoretisch mögliche Übertragung durch kontaminierte Oberflächen in der Praxis existieren allerdings bislang keine Zahlen. Bei zufälligen Routineabstrichen im Nasen- und Rachenraum wurde eine MRSA-Besiedlung von circa zwölf Prozent zahnärztlich behandelter Patienten, aber auch von bis zu 32 Prozent der Zahnmedizinstudenten gezeigt.

MRSA wurde im Plaque älterer Patienten, in der Luft, auf Behandlungsstühlen und sogar auf den Fußböden von Zahnkliniken nachgewiesen. Eine reichliche Kontamination von aus dem zahntechnischen Labor stammenden prothetischen Apparaturen mit potenziell pathogenen Mikroorganismen wurde ebenfalls beschrieben.

Die Vermeidung einer MRSA-Übertragung, sei es gegenüber einer Erstinfektion oder der Weitergabe des Keims, ist daher multifaktoriell. Neben der Einhaltung strikter Reinigungsregeln des Arbeitsplatzes, aller verwendeten Geräte und auch der zahntechnischen Werkstücke kann eine verbesserte Handhygiene zu verringerten Infektions- und Transmissionsraten führen. Neben der Desinfektion der Hände ist das Tragen von Handschuhen und deren Wechsel bei Beendigung der Behandlung von hoher Wichtigkeit. Die Verwendung eines Mundschutzes und einer Schutzbrille sollte zum therapeutischen Standard gehören.

 

Neben den mit infizierten Patienten in Kontakt gekommenen Oberflächen stellen die am Patienten tätigen zahnärztlichen Mitarbeiter ein potenzielles Reservoir für den MRSA-Keim dar; sollte eine Infektion bereits aufgetreten sein, können der Zahnarzt und sein Personal den Keim auf professionelle und private Kontakte weiter übertragen. Daher ist auch unter diesem Wissen eine effiziente Hygiene (Flächendesinfektion, Händereinigung, Schutzkleidung) unabdingbar.

Als ein unkompliziertes, aber sehr wirksames begleitendes Vorgehen ist das einminütige Spülen des Oropharyngealraums mit einer Chlorhexidin-Mundspül-Lösung (zum Beispiel mit dem Goldstandard Chlorhexamed Forte 0,2 Prozent) anerkannt. Diese Mundspülungen können durch das Einbringen einer Chlorhexidin-Salbe in den Nasenvorhofbereich ergänzt werden.

 

  • Bedingt durch die hohe Substantivität von Chlorhexidindigluconat (CHX) an natürlichem Gewebe in Verbindung mit einer gezielten, gut wirksamen, unspezifischen antiseptischen Wirkung auf Keime wie die hier besprochene Staphylococcus-aureus-Familie, ergibt sich ein über zwölf Stunden anhaltender antiseptischer Effekt im Bereich der desinfizierten Haut- beziehungsweise Schleimhautareale.
  • Klinische Untersuchungen belegen, dass beim Einsatz von CHX-Lösungen und -Salben im Mund- und Rachenraum sowie dem Nasenvorhof signifikante Reduktionen (über 50 Prozent) der Staphylococcus-aureus-Keimbesiedelungen bewirkt werden. Eine Tatsache, die nahelegt, diese einfache und kostengünstige Desinfektion generell vor bedeutenden therapeutischen Maßnahmen im Mund des Patienten auszuführen.
  • Beim generellen Einsatz einer alkohol-freien CHX-Mundspül-Lösung in der Praxis sollte ebenfalls auf Wirksamkeitsnachweise geachtet werden, da der Verzicht auf Alkohol nicht durch den Verzicht auf Wirksamkeit erkauft werden darf. Mit der neuen Chlorhexamed alkoholfrei mit 0,2 Prozent CHX ist nun auch eine alkoholfreie Mundspül-Lösung in bewährter Chlorhexamed-Qualität und klinisch äquivalenter Wirksamkeit verfügbar.

Univ.-Prof. Dr. Dr. Monika Daubländer
Leitende Oberärztin der Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie
Augustusplatz 2
55131 Mainz

Dr. Dr. Peer W. Kämmerer
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Augustusplatz 2
55131 Mainz

 

 


Gefährdet durch MRSA-Infektionen sind, so heißt es in den Leitlinien zu Staphylokokkenbedingten Haut- und Schleimhautinfektionen, vor allem Patienten in Arztpraxen, in Altenpflegeheimen sowie in Kliniken. Geschätzt wird, dass mittlerweile rund 20 Prozent der S.-aureus-Infektionen in Kliniken durch MRSA bedingt sind. Aber auch außerhalb dieser Bereiche können MRSA zum Problem werden und für zum Teil schwer verlaufende und lang andauernde Hautinfektionen verantwortlich zeichnen. In solchen Fällen wird von einer Community-associated-MRSA (CA-MRSA) gesprochen. Betroffen sind durchaus auch Menschen ohne bekannte Immundefizienz und ohne schwere Vor- oder Begleiterkrankungen. Beschrieben sind CA-MRSA vor allem bei Kindern in Kindergärten und Schulen, aber auch in Sportvereinen, bei Soldaten und bei Gefängnisinsassen.

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