Anonymes Surfen

Die Anti-Datensammler

Suchmaschinenbetreiber wissen viel über ihre Nutzer – allen voran Marktführer Google. Wie der kalifornische Konzern speichern die meisten Websiteanbieter Suchanfragen und IP-Adressen ihrer Nutzer und können so werbewirksame Profile erstellen. Suchmaschinen wie DuckDuckGo.com verzichten hingegen auf das Sammeln von Informationen.

Wer nicht einfach drauflossuchen will, sollte im Netz zuerst nach Alternativen zu Google stöbern. Dessen Mitbewerber locken mit neutralen CO2-Bilanzen, selbst auferlegten Anonymisierungspflichten oder Mehrwerten zur freien Selbststrukturierung der Suchergebnisse. Foto: mg/zm

Im Mai 2012 liefen 87 Prozent aller Suchanfragen über Google. Trotz der Kritik an den seit März erweiterten Daten- und Nutzungsbestimmungen bleibt Google also die klare Nummer eins unter den Suchmaschinen.

Doch: Die Ankündigung des Unternehmens, die Nutzerdaten aus seinen verschiedenen Diensten – unter anderem Google, Googlemail und YouTube – ab sofort zusammenzuführen und noch umfassender auszuwerten, hat der Konkurrenz Auftrieb gegeben. Bei DuckDuckGo (DDG) etwa stiegen die Nutzerzahlen sprunghaft an: Lagen die Suchanfragen nach eigenen Angaben im Januar noch bei knapp 800 000 pro Tag, waren es im Mai mehr als 1,6 Millionen.

Privatsphäre wird gewahrt

Der 2008 online gegangene Dienst DDG stellt bewusst die Privatsphäre seiner User in den Vordergrund. Er speichert weder Nutzerdaten wie Suchverläufe noch die IP-Adressen. Über diese Nummer können Computer, die mit dem Internet verbunden sind, eindeutig identifiziert werden. Viele Suchmaschinenanbieter werten Anfragen zusammen mit der IP aus und erfahren auf diese Weise jede Menge über die Interessen des dazugehörigen Users.

DDG verzichtet in der Standardeinstellung auf das Setzen von sogenannten Cookies, mit deren Hilfe das Surfverhalten einer Person aufgezeichnet und ausgewertet werden kann. Diese kleinen Textdateien werden zwar genutzt, um die persönlichen Einstellungen eines Nutzers zu speichern, es handelt sich aber um anonymisierte Cookies. Der Dienst setzt noch weitere Mittel ein, um die Daten seiner Nutzer zu schützen: Klicken User beispielsweise auf einen Link im Suchergebnis, verbirgt DDG deren Identität auf der angesteuerten Website. Deren Betreiber erfährt so nicht, von welcher Suchmaschine die Anfrage kommt und über welchen Suchbegriff der User auf ihn gestoßen ist – auch das verhindert die Anfertigung eines Profils. Kleiner Nachteil: Da keinerlei persönliche Informationen vorgehalten werden, müssen Nutzer bei der Suche über DDG ein wenig mehr Arbeit investieren. Zur Erklärung: Während Google schnell abspeichert, dass ein User sich in Deutschland befindet und aufgrund dessen bevorzugt deutschsprachige Ergebnisse liefert, durchsucht DDG standardmäßig US-amerikanische Seiten. Um das zu ändern, kann man über einen Klick auf das DDG-Logo und dann unter „More“ / „Settings“ die richtige „Region“ auswählen.

Praktisch: DDG arbeitet mit sogenannten Bang-Befehlen. Die kurzen Zeichenkombinationen helfen Usern dabei, bestimmte Seiten ganz gezielt zu durchsuchen. Wer zum Beispiel eine Karte von Tokyo sehen möchte, gibt „!gm Tokio“ in die Suchliste ein und landet auf dem entsprechenden Dokument bei Google Maps. „!wde Parodontitis“ führt ohne Umweg zum Eintrag bei Wikipedia.de. Neben „!amde“ für das deutsche Amazon oder „!yt“ für YouTube gibt es mehr als 1 000 weitere Bang-Befehle, die auf www.duckduckgo.com/bang.html zusammengefasst sind.

Nutzer suchen unerkannt

Die Möglichkeit zur anonymisierten Suche bieten aber auch noch viele weitere Dienste an. Ixquick.com ist ein Beispiel aus dem Bereich der Meta-Suchmaschinen. Diese leiten Anfragen an mehrere andere Suchdienste gleichzeitig weiter und sammeln und bewerten die Ergebnisse, bevor die User sie bekommen. Die in den Niederlanden entstandene Website Ixquick.com bekennt sich zum Datenschutz, indem sie die IP ihrer Nutzer bei Suchen auf externen Websites nicht preisgibt. Der Dienst stellt sich zwischen seine User und Dritte, so dass allenfalls die IP von Ixquick gesammelt werden kann. Vorteil: Auf diese Weise können Google und andere etablierte Anbieter weiterhin nach guten Treffern durchforstet werden.

Weitere Schutzmaßnahme: Klicken Nutzer einen Link in der Ergebnisliste an, können sie dies über einen anonymen Proxy-Server tun. Er dient als Puffer zwischen dem Nutzer und der aufgerufenen Website, der dadurch sämtliche persönlichen Daten des Besuchers durch die Lappen gehen. Einziger Nachteil ist, dass durch das Zwischenschalten eines Proxy-Servers der Ladeprozess verlangsamt werden kann. Weiterer Pluspunkt von Ixquick: Alle Suchanfragen werden grundsätzlich über eine verschlüsselte SSL-Verbindung gesendet – eine Praxis, die auch bei DDG Standard ist. Und: Ixquick ist auch in einer deutschsprachigen Version verfügbar.

Alternative aus Hannover

Im deutschsprachigen Bereich unterstützt der Dienst Metager.de die anonymisierte Suche. IP-Adressen werden schon während der noch laufenden Suche anonymisiert und „in keinem Falle an andere, von Metager abgefragte Suchdienste weitergegeben“, heißt es in den FAQ der Website.

Die Startseite des Meta-Suchdienstes, der vom Regionalen Rechenzentrum für Niedersachsen an der Leibniz Universität Hannover betrieben wird, wirkt überfrachtet. Dafür bietet sie Nutzern aber viele Möglichkeiten die Sucheinstellungen nach Belieben zu individualisieren. User wählen selbst, an welche Dienste ihre Stichwörter gesendet werden sollen. Die Optionen reichen von deutschsprachigen über internationale bis hin zu ausschließlich wissenschaftlichen Suchmaschinen. Im Angebot hat Metager außerdem eine Spezialsuche in Foren oder auf Twitter sowie gezielte Produktsuchen bei Ebay. Interessant für Forscher: In den Voreinstellungen ist vorgesehen, dass wissenschaftliche Ergebnisse stärker gewichtet werden.

Ein Highlight auf Metager ist der „Web-Assoziator“, ein Service für User, die mit ihren Suchwörtern keine guten Ergebnisse erzielen. Um alternative Suchbegriffe zu finden, geben Nutzer ein oder mehrere Wörter in den Assoziator ein, der dann neue, potenziell bessere Ausgangsbegriffe vorschlägt.

Susanne Theisen

Freie Journalistin in Köln

info@susanne-theisen.de


INFO

Grüne Alternative

Die deutsche Suchmaschine Ecosia.de spendet 80 Prozent ihrer Einnahmen für den Regenwaldschutz und betreibt ihre Server mit Ökostrom. Das gilt jedoch nicht für die Geschäftspartner Yahoo und Bing, von denen Ecosia die Suchergebnisse bezieht. Thema Datenschutz: Ecosia löscht alle Benutzerdaten innerhalb von 48 Stunden ohne vorherige Analyse. Allerdings leitet der Dienst IP-Adresse und Browsertyp des Users an Bing und Yahoo weiter.

www.ecosia.org