Drunkorexia

Prost Mahlzeit

Bulimie und Magersucht sind bekannt als Krankheiten vor allem junger Frauen, die so versuchen, einem zweifelhaften Schlankheitsideal zu folgen. Ein relativ neues Phänomen aus der Kategorie der Essstörungen ist die sogenannte Drunkorexia: Die Betroffenen dosieren ihre Kalorien, indem sie kaum noch essen und sich stattdessen für den Alkohol entscheiden, um nicht zuzunehmen. Negative Folgen für die (Zahn-)Gesundheit bleiben dabei nicht aus.

Nach dem Hungern kommen Party und Alkohol – vor allem bei jungen Frauen. Foto: pressmaster – Fotolia.com

Der Begriff Drunkorexia setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern „drunk“ (betrunken) und „anorexia“ (Magersucht), ein deutsches Wort gibt es nicht. Die Betroffenen, hauptsächlich junge Frauen und hierbei vor allem Studentinnen, sind krankhaft um ihr Gewicht besorgt und haben Angst, zuzunehmen. Wenn sie beim Ausgehen und Feiern (oft exzessiv) Alkohol trinken wollen, verzichten sie vorher und währenddessen auf Essen. Die dabei zugrunde liegende Rechnung ist denkbar einfach: Ohne Essen werden Kalorien gespart, zudem wirkt der Alkohol schneller und bereits in kleineren Mengen. Und wenn später doch etwas gegessen wird, kann es durch den Alkohol „bei Bedarf“ leichter wieder erbrochen werden.

Drunkorexia ist (noch) kein offizieller medizinischer Terminus, wird aber in einigen anglo-amerikanischen psychologischen Veröffentlichungen erwähnt. Unter Studeninnen (insbesondere in den USA) herrscht häufig der Druck, schlank sein und gut aussehen zu müssen. Dadurch sind sie anfällig für Essstörungen wie Bulimie oder Magersucht – nach Angaben der National Eating Disorder Foundation leidet circa ein Fünftel der US-College-Studenten mindestens einmal im Leben unter einer Essstörung. Wenn dieses Problem dann mit starkem oder häufigem Alkoholkonsum kombiniert wird, kann das schnell zu negativen Folgen für die Gesundheit führen. Einer Untersuchung der Columbia University zufolge zeigen 30 bis 50 Prozent der Menschen mit Bulimie und zwölf bis 18 Prozent der Magersüchtigen einen Missbrauch beziehungsweise eine Abhängigkeit von Alkohol.

Das neuseeländische „Eating Difficulties Education Network“ beschreibt die auffälligsten Verhaltensweisen einer Person mit Drunkorexia wie folgt:

• Nervosität und Schuldgefühle beim Essen vor, während oder nach dem Alkoholkonsum

• Hungerperioden vor, während oder nach dem Alkoholkonsum

• ständiges Einhalten eins Diätplans

• Angst vor einer Gewichtszunahme

Ähnliches zeigt eine Studie aus dem Jahr 2010 unter 692 Erstsemestern in den USA, die im „Journal of Alcohol Drug Education“ erschienen ist. Insgesamt 14 Prozent der Befragten verzichten vor dem Alkoholkonsum auf Essen. Sechs Prozent gaben die Angst vor einer Gewichtszunahme als Motivation für ihr Verhalten an, zehn Prozent wollten die Effekte des Alkohols verstärken.

Erosionsschäden als Folge

Drunkorexia kann zu verschiedenen medizinischen und zahnmedizinischen Problemen führen. Bezogen auf die Mundgesundheit treten hier – wie bei Bulimie und Magersucht – vor allem Erosionsschäden auf. Diese werden durch das Erbrechen verursacht, aber auch der Alkohol beziehungsweise die mit ihm vermischten zucker- und säurehaltigen Getränke (Limonaden, Fruchtsäfte) haben eine erosive Wirkung.

Neben Erosionsschäden ist es durch die Verwandtschaft zu anderen Essstörungen wahrscheinlich, dass es bei Drunkorexia zu weiteren ähnlichen oralen Problemen kommt. Dazu zählen eine Vergrößerung der Parotis, Rötungen der Rachen- und Gaumenschleimhaut und Entzündungen der Lippen. Darüber hinaus kann sich eine Hypersensitivität der Zähne entwickeln.

Verstärkend kommt hinzu, dass Frauen die Folgen exzessiven Alkoholkonsums schlechter verarbeiten können als Männer. Sie haben durchschnittlich ein niedrigeres Körpergewicht, haben weniger alkoholverarbeitende Enzyme und insgesamt weniger Flüssigkeit im Körper, um den Alkohol zu „verdünnen“. Außerdem ist bei Frauen die Gefahr einer Zirrhose oder eines Hirnschadens größer. Durch den manchmal tagelangen Verzicht auf Nahrungsaufnahme laufen sie zudem Gefahr, dauerhaft untergewichtig zu sein. eb