Zahnmedizin

Verschieden und doch vereint

Vom 21. bis zum 26. Mai fanden die Special Olympics München 2012, die nationalen Spiele für Menschen mit geistiger Behinderung, statt. 5000 Athleten haben in 19 verschiedenen Sportarten – mehr als je zuvor bei nationalen Spielen in Deutschland – ihr Können unter Beweis gestellt und das Motto der Spiele „Gemeinsam stark“ mit Leben erfüllt.

Regionale Koordinatoren vom „Special Smiles“-Programm mit dem nationalen Leiter: Dr. Christian Bolstorff, Dr. Jasmin Schnorrenberg, Dr. Christoph Hils, Dr. Ina M. Schüler, ZA Bernhard Ising. Foto: U.Nover/BLZK

Promis engagieren sich: Die Schauspieler Michaela May und Bobby Brederlow sind Paten für das Gesundheitsprogramm der Special Olympics. Foto: U.Nover/BLZK

Special Olympics München

 

Anlässlich eines Festakts am Eröffnungstag im Münchner Rathaus erklärte Bundespräsident Joachim Gauck, Schirmherr der Veranstaltung, vor 150 geladenen Gästen: „Ich wünsche mir und uns schließlich, dass kräftige Impulse von München 2012 ausgehen: Es immer noch ein bisschen besser zu machen im Zusammenleben von Menschen mit Behinderungen und Nicht-Behinderten, immer noch ein bisschen weiterzukommen mit gegenseitiger Anerkennung und Respekt, immer noch ein bisschen enger zusammenzurücken unter dem großen gemeinsamen Zelt – bei aller bleibenden Verschiedenheit.“

Mit einer lebendigen und emotionalen Veranstaltung, die Athleten wie Gäste gleichermaßen begeisterte, begannen die Special Olympics in der Münchner Olympiahalle. „Dabei sein ist alles – und dabei sind wir gemeinsam stark!“ Mit diesen Worten begrüßten die bayerischen Athletensprecher Patrick Brehmer, Kevin Neuner, Markus Protte und Albin Hofmayer sowie die „Gesichter der Spiele“ Tanja Helminger und Christoph Weinzierl die Zuschauer. Auch die weitere Eröffnungsfeier wurde von Athleten maßgeblich mit gestaltet. So war einer der Höhepunkte der Auftritt der beiden Athleten Markus Hinterbrandner und James Richardson, die neben ihrem Sport Musik machen und Gedichte schreiben. Zu zweit auf der riesigen Bühne begeisterten sie die Zuschauer mit ihrem Song, den sie auf ihren Gitarren begleiteten. Den 5 000 Athleten, ihren Coaches und Betreuern, den Familienangehörigen und Volunteers sowie den zahlreichen geladenen Gästen wurde eine abwechslungsreiche Show geboten. Dafür sorgten bayerische Gruppen wie die „Riedinger Musikanten“ und Alphornbläser sowie der „Isargauer Trachtenverein“ und Showacts und der Diabolo-Künstler Chuan Ho Chu.

Beim Gesundheitsprogramm von Special Olympics Deutschland (SOD) nahm erstmals ein Gast des Bundesgesundheitsministeriums teil.

Ulrike Flach eröffnete Gesundheitsprogramm

Die parlamentarische Staatssekretärin Ulrike Flach eröffnete gemeinsam mit dem Vizepräsidenten von SOD, Detlef Parr, und der Athletensprecherin Vanessa Giesenberg das „Healthy Athletes“-Programm. In München wurde deutlich, dass „Special Olympics mehr als Sport ist“, wie SOD Präsident Gernot Mittler formulierte, und sich als Alltagsbewegung mit einem ganzheitlichen Angebot versteht. Special Olympics hat auch in diesem Jahr allen Athleten kostenfreie, umfassende Beratungen und Kontrolluntersuchungen unter Leitung speziell fortgebildeter Clinical Directors in fünf verschiedenen Bereichen angeboten. Diese ehrenamtlichen Leiter haben in Vorbereitung der Special Olympics München 2012 in ihren jeweiligen medizinischen Bereichen mehr als 300 Volunteers fortgebildet. Durch die Einbindung dieser vielen freiwilligen Fachleute (Mediziner, Zahnmediziner, Physiotherapeuten, Optometristen, Studenten und medizinisches Fachpersonal) am „Healthy Athletes“-Programm werden diese für die besonderen Belange der Sportler mit geistiger Behinderung sensibilisiert. Insgesamt wurden in München mehr als 3 000 kostenfreie Beratungen und Untersuchungen der Augen, Zähne, Ohren sowie der allgemeinen Fitness der Athleten durchgeführt.

Mit großer Unterstützung der Bayerischen Landeszahnärztekammer und der Bayerischen Landesarbeitsgemeinschaft Zahngesundheit e. V. berieten und untersuchten unter Leitung von Dr. Christoph Hils auch 25 Münchner Zahnärzte mit ihren Teams, 52 Zahnmedizinstudenten, 731 Athleten. Bereits im Voraus waren diese Teilnehmer während einer zertifizierten Fortbildungsveranstaltung bei der BLZÄK in das Programm eingewiesen worden. Nicht nur die zahlreichen Volunteers, auch die Zahnärzte, Fachkräfte und Studenten sind alle ehrenamtlich beim „Special Smiles“-Programm tätig. In Hildesheim zum Beispiel blieb eine Woche lang die Praxis von Dr. Hils geschlossen, weil er sich als Clinical Director um die Bedürfnisse der Athleten kümmerte: „Es ist immer wieder beeindruckend, wie in entspannter und fröhlicher Atmosphäre den Athleten Tipps zur Verbesserung ihrer Zahn- und Mundgesundheit vermittelt werden und Ängste vor dem Zahnarzt abgebaut werden können.“ Auch Ulrike Nover von der Bayerischen Landesärztekammer stellt während der Spiele den Alltag hinten an. Bereits viermal war sie bei Special Smiles dabei. Nun in München beeindruckte sie besonders das Interesse und die Freude der Zahnmedizinstudenten, die das Zahn- und Mundgesundheitsprogramm erstmals live erleben konnten. Stellvertretend resümiert Sebastian Heger, Zahnmedizinstudent im 10. Semester: „Beeindruckt haben uns vor allem die Athleten selbst, die Menschlichkeit im Miteinander – es hat einfach Spaß gemacht mitzumachen. Eine tolle Sache.“

Nicht zuletzt durch die seit 2010 bestehende Kooperation zwischen der Bundeszahnärztekammer und dem Zahn- und Mundgesundheitsprogramm ist die Bekanntheit von Special Smiles in der deutschen Zahnärzteschaft enorm gestiegen.

BMG fördert Pilotprojekt für die Zielgruppe

Hilfreich war das insbesondere bei der Umsetzung eines Projekts, das seit vergangenem Jahr durch das Bundesgesundheitsministerium gefördert wird. Ziel des Pilotprojekts „Selbst bestimmt gesünder – Gesundheitskompetenzen für Menschen mit geistiger und Mehrfachbehinderung“ ist, diese Menschen mittels wohnortnaher und bedarfsgerechter Präventions- und Gesundheitsaufklärungsangebote zu befähigen, Gesundheit und umfassendes Wohlbefinden selbst bestimmt mit zu gestalten. Dazu werden in fünf Pilotländern (SO-Bayern, Berlin, NRW, RPL, Thüringen) regionale Koordinatoren für die einzelnen Gesundheitsbereiche geworben. Mit Unterstützung der langjährig erfahrenen CDs der „Healthy Athletes“-Disziplinen werden diese neuen Koordinatoren so fortgebildet, dass sie zukünftig selbstständig das Gesundheitsprogramm bei regionalen Veranstaltungen durchführen können. Nach Abschluss der Pilotphase ist ein Anschlussprojekt zur nachhaltigen Etablierung der Angebote vorgesehen. Für Special Smiles – als einziger Bereich von Healthy Athletes® – konnten bereits in allen fünf Pilotländern regionale Koordinatoren gewonnen werden, die alle während der Special Olympics in München dabei waren und in das Programm eingewiesen wurden (Foto linke Seite). In den nächsten Monaten werden sie mithilfe der jeweiligen Landeszahnärztekammern Special Smiles bei regionalen Veranstaltungen organisieren und damit zukünftig noch mehr Athleten erreichen.

Special Smiles wurde darüber hinaus aber auch durch die Firma Wrigley Deutschland unterstützt. Der Hersteller bringt sich beim „Healthy Athletes“-Programm seit einem Jahr nicht nur finanziell, sondern auch personell ein und bietet seinen Mitarbeitern an, als Volunteers bei Special-Olympics-Spielen teilzunehmen. Damit schlägt Wrigley zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen treibt das Unternehmen die gesellschaftsumfassende Zahnpflege voran. Zum anderen nutzt es die Special-Olympics-Spiele auch als teambildende Maßnahme.

Dr. Imke Kaschke

MPH Managerin Healthy Athletes

imke.kaschke@specialolympics.de

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