Praxis

Rankings nicht überbewerten

Als erste Volluniversität stieg Ende 2008 die Uni Bonn komplett aus dem CHE-Hochschulranking aus. Wie es dazu kam, warum die Hochschule heute wieder mit dem CHE zusammenarbeitet und was sie über Rankings denkt, erklärt Pressesprecher Andreas Archut im Interview mit den zm.

Andreas Archut von der Universität Bonn hält Hochschulrankings für fehleranfällig und für nur begrenzt aussagekräftig. Foto: Volker Lannert-Uni Bonn

zm: Herr Archut, warum wollte die Universität Bonn nicht mehr beim CHE-Ranking mitmachen?

Andreas Archut: Das Rektorat war zu der Überzeugung gelangt, dass es dem CHE-Ranking aufgrund massiver handwerklicher Mängel an Aussagekraft fehlte.

Welche Mängel sahen Sie?

Ein zentraler Kritikpunkt war, dass die Bewertungen teilweise auf ganz kleinen Zahlen von Befragten beruhten. So klein, dass man aus ihnen keine zuverlässigen Schlüsse ziehen konnte. Ein weiteres Problem sahen wir darin, dass kleinere Studienfächer im Ranking nicht auftauchten. Schüler kamen so gar nicht auf die Idee, dass man diese Fächer an unserer Universität studieren kann – bei der Zahnmedizin war das natürlich nicht der Fall.

Wie hat das CHE reagiert?

Es hat eine Weile gedauert, bis unsere Monita aufgegriffen wurden. Dann kam es zu einem intensiven Austausch und am Ende hat das CHE in wesentlichen Punkten nachgebessert. Vor allem zwei Dinge sind geschehen: Wenn die Befragtenzahl zu klein ist, wird keine Bewertung mehr vorgenommen. Außerdem wurde die früher verwendete Ampelsymbolik aufgegeben.

Was war dagegen einzuwenden?

Den Spitzen-, Mittel- und Schlussgruppen wurden früher die Farben grün, gelb und rot zugewiesen. Hier muss man aufpassen, denn die Ergebnisse sind relativ zu sehen. In der Schlussgruppe zu landen, bedeutet nicht zwingend schlechte Qualität. Wenn zum Beispiel alle Unis bei der Bibliotheksausstattung schulnotenmäßig zwischen 1 und 2 bewertet werden, dann kommen die mit der Note 2 in die Schlussgruppe. Das ist eigentlich ein gutes Ergebnis, die rote Farbe signalisierte hingegen: Geht gar nicht! Das CHE hat diesen Punkt aufgegriffen und sich von der Ampel in der alten Form verabschiedet, indem es aus rot blau gemacht hat.

Wie aussagekräftig sind Rankings Ihrer Ansicht nach?

Jedes Ranking kommt zu anderen Ergebnissen, weil die Kriterien leicht unterschiedlich sind und vor allen Dingen weil die Methodik immer variiert. So kann es passieren, dass ein Fachbereich in einem Ranking schlecht wegkommt und in einem anderen gut. Gerade wenn subjektive Dinge eine Rolle spielen, wie etwa bei einer Bewertung durch die Studierenden. Häufig ist es so, dass sie nur ihren und vielleicht zwei, drei andere Standorte kennen. Das macht diese Bewertung sehr relativ.

Wie schätzen Sie das CHE-Ranking im Vergleich zu anderen Rankings ein?

Es gibt Nutzern die Möglichkeit, eine eigene Gewichtung bei den Kriterien vorzunehmen, sich also quasi ihr Ranking selber zusammenzustellen. Das ist bei vielen anderen Rankings nicht der Fall, gerade bei den internationalen Angeboten wie zum Beispiel dem Times-Higher-Education-Ranking. Letzteres wird immer wieder kritisiert, dass es sich, was Kriterien und Methodik angeht, nicht unter die Haube gucken lässt.

Wonach sollten Studierende gehen, wenn sie sich für eine Universität entscheiden?

Rankings sind eine Möglichkeit, sich zu orientieren, aber sie sind immer nur so gut, wie die Methodik, die dahintersteckt, und wie die Kriterien, die angewendet werden. Wir raten Studieninteressenten grundsätzlich, nicht so sehr auf Rankings zu vertrauen, sondern sich selbst vor Ort ein Bild zu machen und die Kennenlernangebote der Hochschulen zu nutzen.

Nutzt die Uni Bonn das CHE-Ranking als Ideengeber, um das eigene Angebot zu verbessern?

Es ist eine Informationsquelle von vielen. Wir evaluieren auch selbst die Studierendenzufriedenheit, indem wir jedes Jahr alle Studierenden befragen. Von daher wissen wir sehr gut Bescheid, wo wir stehen.

Ist es der Uni Bonn wichtig, wie sie bei Rankings abschneidet?

Wir überbewerten einzelne Rankings nicht mehr, weder im Guten noch im Schlechten. Früher hätten wir, wenn wir irgendwo gut abschneiden, gleich eine Pressemitteilung herausgegeben. Das machen wir nur noch beim Ranking der Deutschen Forschungsgesellschaft, das auf der statistischen Auswertung über die von ihr ausgeschütteten Mittel basiert. Das ist eine sehr einfache Methodik, die auf absoluten Zahlen basiert, an denen man ablesen kann, welche Uni wie viel eingeworben hat. Bei anderen Rankings geht es dagegen oft um subjektive Faktoren.

Die Fragen stellte Susanne Theisen.