Hirschfeld-Tiburtius-Symposium

Ernährung und Mundgesundheit

Du bist, was du isst – dieser altbekannte Spruch trifft nicht nur auf den Körper im Allgemeinen, sondern auch auf die Mundgesundheit im Speziellen zu. Das zeigte das vom Dentista Club veranstaltete vierte Hirschfeld-Tiburtius-Symposium in Berlin. Die Teilnehmer widmeten sich dem Einfluss der Ernährung auf das stomatognathe System.

Säurehaltige Lebensmittel wie Zitronen haben auf die Zähne eine erosive Wirkung. Foto: Fotolia.com - Nick Freund

Zucker macht Löcher in die Zähne, wissen schon die Kleinen im Kindergarten. Doch auch andere Nahrungsmittel und Ernährungsgewohnheiten haben Auswirkungen auf die orale Gesundheit. Sie können (Mit-)Auslöser für Karies, Zahnschmelzdefekte oder Parodontitis sein. Die Referenten des Symposiums zeigten, welch große Bedeutung die Essgewohnheiten für die Mundgesundheit haben.

Die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Henrike Staudte erläuterte, welche Einflüsse die (Fehl-)Ernährung auf das Immunsystem hat. Allgemein hätten Fremdstoffe, Bewegungsmangel, Stress und Lärm negative Auswirkungen. „Aber auch der Ernährungszustand beeinflusst das Immunsystem“, erklärte Staudte. Durch eine Fehlernährung gebe es Veränderungen in den lymphatischen Organen, zum Beispiel in der Thymusdrüse, was zu einer Verminderung der körpereigenen Abwehr führt.

Die Versorgung mit Nährstoffen spielt insbesondere für orale Erkrankungen eine Rolle. „Vitamin C schützt das orale Bindegewebe vor bakteriellen Einflüssen“, berichtete Staudte. „Eine geringe Vitamin-C- Versorgung erhöht das Parodontitisrisiko.“ Zudem wies die Ernährungswissenschaftlerin auf den Zusammenhang zwischen Parodontitis und Übergewicht hin. Ihren Angaben zufolge zeigen Studien, dass unter Menschen mit Adipositas der Anteil von Parodontitis-Patienten überdurchschnittlich hoch ist. Allerdings kann eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen die Erkrankungsgefahr senken und sogar prophylaktisch wirken. Menschen, die viele Milchprodukte verzehren, hätten aufgrund des darin enthaltenen Calciums ein geringeres Parodontitisrisiko, sagte Staudte.

Die Ernährungswissenschaftlern gab den anwesenden Zahnärzten auch konkrete Tipps im Umgang mit Patienten mit auf den Weg: die Ernährungsgewohnheiten im Anamnesegespräch erfragen, sich nach Problemen beim Kauen erkundigen, Hinweise zur Optimierung der Nährstoffaufnahme geben (zum Beispiel per Handzettel).

Auf die zersetzenden Effekte von Säuren ging Dr. Susanne Fath, Präsidentin des Dentista Clubs, in ihrem Vortrag ein. Sie betonte, dass erosive Zahnhartsubstanzdefekte vor allem durch ex- und intrinsische Säuren verursacht werden. Für die erosive Wirkung bei der Ernährung spielen nach Faths Angaben vor allem die Faktoren Säuregehalt der Nahrung, Säureart, Dauer der Exposition, Frequenz der Aufnahme und Temperatur eine Rolle. Entgegenwirken kann der Zahnmediziner Säureschäden hauptsächlich durch remineralisierende und hartsubstanzstärkende Maßnahmen.

Problem Mundtrockenheit

Dass eine Fehl- oder Mangelernährung auch mit Mundtrockenheit (Xerostomie) zusammenhängen kann, zeigte Prof. Andreas Schmidt-Westhausen von der Berliner Charité. Mundtrockenheit sei vor allem ein Problem älterer Menschen, die schlechter essen und schlucken könnten. Sie habe verschiedene Ursachen wie Infektionen, Obstruktionen, Tumore, systemische Erkrankungen, Medikamenteneinnahme oder die Folge einer Radiotherapie, sagte Schmidt-Westhausen. Geholfen werden könne den Patienten beispielsweise mittels symptomatischer und palliativer Maßnahmen wie Kaugummis oder Sprays.

Insgesamt waren sich alle Referenten einig, dass der Ernährungszustand entscheidenden Einfluss auf das Immunsystem hat. Die ersten Anzeichen einer Unterversorgung mit Mikronährstoffen wie Vitamin C oder Vitamin B zeigen sich im Mundraum, beispielsweise Stomatitis, Glossitis oder Cheilitis. Zudem ist die Ernährung ein beeinflussbarer Risikofaktor für ein Mundhöhlenkarzinom. Eine Diät, die aus viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten, aber wenig Zucker und wenig Fett besteht, kann diesen Krankheiten vorbeugen. eb