Fünfter Hessischer Heilberufetag

Weniger Fachchinesisch – mehr Humor

Vertrauen bleibt die wichtigste Grundlage zwischen Heilberufler und Patient – so lautete das Fazit des Fünften Hessischen Heilberufetages am 13. Juni in Wiesbaden. Thematisch ging es um die Rolle des Patienten im Internet. Ein Highlight der Veranstaltung, zu der die sieben beteiligten Heilberufeorganisationen geladen hatten, war der Vortrag des Autors und Kabarettisten Dr. med. Eckart von Hirschhausen.

Podiumsdiskussion zum Thema Gesundheit im Internet (v.l.n.r.): Dr. Ingo Stammberger, Gregor Bornes, Dr. Alfred Krieger, Dr. Eckart von Hirschhausen, Martin Leimbeck, Patrick Körber, Andreas Hieke. Fotos: LZKH

Moderator Andreas Hieke vom Hessischen Rundfunk stellte einleitend die zentralen Fragen zum Thema Gesundheit im Internet: Wer garantiert die Qualität der Information und Beratung? Kann der Verbraucher vertrauenswürdige und seriöse Seiten überhaupt erkennen? Ist es grundsätzlich möglich, medizinisch zu beraten, wenn die Anonymität und Distanz der Kommunikation im Internet an die Stelle des persönlichen und vertraulichen Gesprächs zwischen Behandler und Patient tritt? Auch die Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen, Erika Fink, stellte die Frage nach der Ersetzbarkeit des persönlichen Kontakts zwischen Heilberufler und Patient in den Mittelpunkt ihres einleitenden Grußwortes.

Die Wichtigkeit kleiner Eindrücke

Dr. Eckart von Hirschhausen, der auch seine Stiftung „Humor hilft Heilen“ vorstellte, erheiterte das Publikum durch einen pointenreichen Vortrag und hielt darin – legitimiert durch die Zugehörigkeit zum medizinischen Berufsstand – der Ärzteschaft den Spiegel vor. Er akzentuierte die Wichtigkeit selbst kleinster Eindrücke – die meist nichts mit der fachlichen Qualifikation eines Arztes zu tun haben – für die Wahrnehmung und Bewertung eines Arztes. Eindrücke, die auch in Online-Bewertungsforen ihren Niederschlag finden. Um ein Beispiel zu nennen, verwies Hirschhausen auf die – leider in vielen Praxen vorhandene – „vertrocknete Yucca-Palme“. Wenn ein Mediziner schon „vor dieser Form des Lebens“ so wenig Respekt habe, wie respektvoll würde er dann im Umgang mit der Gesundheit seiner Patienten zu Werke gehen? Viele Anekdoten standen im Zusammenhang mit einem Umdenken in der Medizin, zu dem auch das Internet seinen Beitrag leisten könne. Mehr Dialog, weniger Fachchinesisch und mehr Humor.

Im Anschluss an Hirschhausens Impulsreferat thematisierte ein kurzer Film die Hilflosigkeit und die Überforderung vieler Patienten beim Versuch, sich Rat und Informationen aus dem Internet zu holen.

An der folgenden Diskussion beteiligten sich Hirschhausen, Moderator Hieke, Patrick Körber, Wiesbadener Kurier, Dr. Alfred Krieger, Präsident der Psychotherapeutenkammer, Dr. Ingo Stammberger, Vizepräsident der Landestierärztekammer Hessen, Gregor Bornes, Bundesarbeitsgemeinschaft der PatientInnenstellen, und Martin Leimbeck, Vizepräsident der Landesärztekammer Hessen.

Qualitätsgesicherte Informationen im Netz

Fazit: Es bedarf einer Sicherung der Qualität von medizinischen Informationen im Netz. Die Idealvorstellung: evidenzbasierte, fachlich einwandfreie Informationen in einer auch für Laien verständlichen Sprache. Einigkeit bestand in der Auffassung, dass die anonyme Kommunikation im Internet das vertrauliche Arztgespräch nicht ersetzen kann. Den Angeboten der diversen Netzdoktoren wurde eine klare Absage erteilt.

In seinem Schlusswort bekräftigte Dr. Michael Frank, Präsident der Landeszahnärztekammer Hessen, das Ergebnis der Debatte und hob den Wert eines ständeübergreifenden Austauschs der Heilberufler, für den der Hessische Heilberufetag ein passendes Forum biete, lobend hervor.

Annette C. Borngräber

Leiterin Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Landeszahnärztekammer Hessen

Rhonestr. 4

60528 Frankfurt