Diamanten als Anlage

Steinchen fürs Depot

Diamanten als Krisenwährung – darauf setzen immer mehr Anleger. Die Steine vereinen hohe Werte auf kleinstem Raum. Das Angebot ist knapp, die Nachfrage steigt. Trotz der guten Voraussetzungen bergen sie etliche Risiken, über die sich Interessenten vor dem Kauf informieren sollten.

Da Diamanten auf dem Weltmarkt in Dollar gehandelt werden, ist bei der Frage, ob sie sich als Anlage rentieren oder nicht, auch das Euro-Dollar-Verhältnis zu beachten. Foto: picture alliance

Erst durch die aufwendige Bearbeitung bekommt ein Diamant den letzten Schliff. Foto: picture alliance

Diamanten gehören für Zahnärzte zum alltäglichen Handwerkszeug. Ihre Bohrer sind mit dem härtesten Stein der Welt bestückt. Drei Viertel der Diamantenfunde finden ihre Verwendung in der Industrie. Nahezu der ganze Rest ziert in Form von Ringen, Colliers oder Ohrschmuck Finger, Hals oder Ohren von – zumeist – Frauen. Nur ein ganz kleiner Teil lagert als Geldanlage in Safes von Banken oder bei Anlegern privat zu Hause. Doch die Nachfrage nach Anlagesteinen steigt. Denn dank der Dauerkrise misstrauen Anleger inzwischen den Investitionen in Bankprodukte oder Aktien. Lukrativere Alternativen zu finden erweist sich als immer schwieriger: Die Preise für Immobilien in attraktiven Lagen gelten inzwischen als überteuert. Und die altbewährte Krisenwährung Gold ist längst zum Spekulationsobjekt geworden. Da bieten sich die Glitzersteine mit der Härte zehn als Alternative an.

Begehrt waren die kleinen Kostbarkeiten schon immer. Seit rund 3 000 Jahren lassen sich die Menschen von Diamanten faszinieren. Nicht nur Frauen, auch Männer schmücken sich gern mit Adamas, dem
Unbezwingbaren. Im 13. Jahrhundert war er dem „starken“ Geschlecht vorbehalten. Der Stein diente den Kriegern als Glücksbringer. Herrscher sahen in ihm ein Symbol der Macht und Stärke. Erst die Mätresse von Karl VII., Agnes Sorel, fand den Mut, sich mit Diamanten zu schmücken.

A diamond is forever

Bis heute hat dieses Objekt der Begierde nichts von seiner Faszination verloren. „A diamond is forever“ – dieser geniale Werbespruch aus dem Jahr 1947 stammt von De Beers, der britisch-südafrikanischen Firma, die rund 60 Jahre lang den Diamantenmarkt beherrscht und die Preise vorgegeben hat. Grund dafür war der Verfall der Diamantenpreise im Zuge der Weltwirtschaftskrise 1929. Bis Ende der Neunzigerjahre hielt De Beers die Preise dank Verknappung und Ausweitung des Angebots stabil. Jahrzehntelang blieb die jährliche Preissteigerung bei rund fünf Prozent. Damit konnten alle Beteiligten gut leben.

Eine freiere Preisbildung gibt es erst seit rund zehn Jahren. Denn inzwischen konnten sich Unternehmen wie Rio Tinto oder BHP Billiton am Markt ausbreiten. Förderländer wie Botswana sicherten sich Anteile an den Minen. Russland, der größte Förderer, vermarktet seine Diamanten selbst. Der Marktanteil von De Beers liegt heute nur noch bei 40 Prozent. Aber auch ohne die strenge Kontrolle hat sich der Preis für Diamanten relativ stabil entwickelt. Zwar zeigt die Kurve des Diamanten-Preisindex Idex in
den letzten Wochen nach unten, doch die Experten gehen von längerfristig ansteigenden Preisen aus.

Steigende Nachfrage aus China und Indien

Zu ihnen gehört Dr. Ulrich von Freiesleben. Der Diamantenspezialist betreibt nicht nur eine Schleiferei, er ist auch an der Antwerpener Diamantenbörse als Händler akkreditiert und sitzt so mit an der Quelle. Im vergangenen Jahr hat er die Krise als Chance erkannt und das Geschäft mit Anlagediamanten ausgebaut. Er argumentiert: „DieNachfrage aus China und Indien steigt, weil sich dort immer mehr Menschen luxuriöse Dinge leisten können.“

Eine Studie der Unternehmensberatung Bain Company, die sie im Auftrag des Antwerpener Welt-Diamanten-Zentrums (AWDC) durchgeführt hat, untermauert diese Aussage. Danach soll sich die Nachfrage in den kommenden zehn Jahren mehr als verdoppeln und jährlich um etwa sechs Prozent wachsen. 2020 werden die beiden Länder einen ebenso hohen Bedarf an Diamanten haben wie jetzt die USA. Diese nehmen derzeit 40 Prozent der Weltproduktion ab. 25 Prozent gehen nach China. Die Deutschen spielen mit einem Prozent kaum eine Rolle.

Der anziehenden Nachfrage steht die stetige Verknappung des Angebots gegenüber. Bain geht von höchstens 2,8 Prozent jährlicher Steigerung aus. Der Grund sind die versiegenden Quellen. So mussten bereits einige bekannte Minen wie zum Beispiel die australische Argyle-Mine wegen Unergiebigkeit schließen. Auch Rio Tinto und BHP Billiton haben ihre Diamantenförderung zum Verkauf gestellt. Inzwischen hat aber der amerikanische Finanzinvestor KKR sein Interesse angemeldet. Er verspricht sich für die Zukunft eine bessere Rendite.

Aus Anlegersicht sind eine steigende Nachfrage und ein knappes Angebot starke Argumente für den Kauf. Hinzu kommt, dass Diamanten sich besonders gut als Fluchtwährung eignen. Friesleben rechnet vor: „Diamanten stellen den größten Wert auf kleinstem Raum dar. So entsprechen zehn Kilogramm Gold mit einem Wert von 450 000 Euro dem Wert eines Top-Brillanten in bester Qualität von vier Karat. Das ist etwa ein Gramm.“ Die lassen sich leicht im heimischen Safe lagern.

Anlage mit Risiken

Bevor sich Anleger jedoch von den Vorzügen meines Investments in Glitzersteine blenden lassen, sollten sie sich mit den Nachteilen befassen.

• Handelsspanne

Der Gewinn liegt bei Diamanten schon im Einkauf. Juweliere beispielsweise verlangen sehr hohe Verkaufspreise, zahlen beim Rückkauf aber nur den Einstandspreis. Es ist eine Illusion zu glauben, mit Diamanten einen schnellen Gewinn zu erzielen. Deshalb sollte der Einkauf so nahe wie möglich an der Quelle erfolgen. „Denn“, so Freiesleben, „kommt der Diamant in den Schmuckkreislauf, wird er teuer.“

•Mehrwertsteuer

Zu der großen Handelsspanne addiert sich in Deutschland noch die 19-prozentige Mehrwertsteuer. Der Preis für einen Anlagediamanten muss also erst einmal um die Marge des Verkäufers plus Abgaben an den Staat steigen, bevor ein Gewinn in Sicht ist. Anlegern, die die Steine nicht bei sich
zu Hause lagern und gleichzeitig die 19 Prozent Mehrwertsteuer sparen wollen,  bietet Händler Freiesleben ab Herbst dieses Jahres einen neuen Service. Sie können die Diamanten zollfrei in der Schweiz lagern. Die Lieferung erfolgt direkt von Antwerpen nach Genf. Dort kann der Käufer die Steine unter Aufsicht eines „Custodian“ inspizieren und in sein Schließfach legen, für das er den Schlüssel erhält.

• Zyklische Preisentwicklung

Für Daniel Briesemann, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank, stellen Diamanten keine Alternative zu Gold dar: „Die Preise für Diamanten entwickeln sich zyklisch. Das heißt in der Krise sinken sie, wenn an Luxusdingen gespart wird. Sie bieten dann keine Sicherheit.“ Erst wenn die Wirtschaft wieder anzieht, steigen auch die Diamantenpreise wieder.

•Intransparenz

Anders als zum Beispiel Goldmünzen oder -barren, die immer gleich aussehen, ist jeder Diamant ein Unikat. Sie lassen sich nicht direkt miteinander vergleichen. Jeder Stein benötigt eine individuelle Bewertung. Anders als bei Gold steigt der Preis nicht entsprechend der Menge. Große Steine sind aufgrund ihrer Seltenheit teurer als kleine. Weil die Preisfindung schwierig ist, werden Diamanten nicht an der Börse gehandelt. Experte Freiesleben erklärt, dass die Preise nur im physischen Austausch der Steine zustande kommen.

• „Blut“-Diamanten

Mehr noch als Öl und Gold stehen Diamanten häufig im Zusammenhang mit Ausbeutung und Tod. Illegal geschürfte Steine dienten zum Beispiel in Angola und Sierra Leone zum Kauf von Waffen, die in blutigen Kriegen zum Einsatz kamen. Simbabwe erlaubt die Ausbeutung und Folterung der Arbeiter und den Einsatz von Kindern in den Marange-Minen. Das sogenannte Kimberley-Verfahren, dem sich 75 Staaten angeschlossen haben, soll den Handel mit den sogenannten „Blut“-Diamanten verhindern. Empfohlen wird, nur Steine mit einem staatlichen Herkunftszertifikat zu kaufen.

Nur ein Teil des Anlagendepots

Auch wenn also einige Argumente gegen eine Investition in Diamanten sprechen, als Beimischung zum Depot sind sie dennoch geeignet – allerdings nur in begrenztem Umfang wie auch Händler Freiesleben
empfiehlt: „Gold und Diamanten sollten nicht mehr als 20 Prozent des Depots ausmachen.“ Für diesen Zweck eignen sich allerdings nur Steine in höchster Qualitätsstufe. Davon gibt es nicht allzu viele. Nur
etwa zwei Prozent aller geförderten Diamanten erfüllen die Voraussetzungen für
einen Investmentstein.

Als Anlage sollte er zwischen 0,5 und ein Karat schwer sein, der Brillantschliff sollte exzellent, die Farbe weiß und der Stein lupenrein sein (siehe Kasten). Die Eigenschaften des Steins müssen unbedingt von angesehenen Experten in einem Zertifikat belegt sein. Jeder Stein ab 0,3 Karat benötigt ein solches Dokument, ohne das ein Wiederverkauf nahezu unmöglich ist. Ausgestellt werden die Zertifikate, die alle nummeriert sind, von angesehenen Instituten. In Deutschland ist es das Diamant Prüflabor in Idar-Oberstein, in Belgien der HRD Hoge Raad vor Diamant in Antwerpen und die beiden amerikanischen IGI International Gemological Institute sowie das GIA Gemological Institute of America. Letzteres legt die strengsten Maßstäbe bei der Prüfung an. Dementsprechend genießen die Zertifikate von GIA auch weltweit das höchste Ansehen. Freiesleben sagt: "40 Prozent des Weltmarkts besetzen die USA und einen großen Teil belegen die Emerging Markets. Auf diesen Schauplätzen gilt nur das GIA-Papier. Das HRD-Zertifikat hat eigentlich nur noch in Europa Bedeutung.“

Damit gewährleistet ist, dass Diamant und Zertifikat zusammengehören, wird beim GIA die Nummer des Zertifikats auf der Rondiste – das ist quasi die Gürtellinie des Brillanten – eingraviert. So ist gewährleistet, dass Stein und Zertifikat zusammengehören. Dem Käufer reicht schon eine Lupe, um seinen Stein zu identifizieren. Für den „Blauen Wittelsbacher“ erübrigt sich diese Vorsichtsmaßnahme. Seine Daten sind weltbekannt. Der blau-leuchtende, 31,06 Karat schwere Diamant schmückte die bayerische Königskrone. Seine Geschichte lässt sich bis 1667 zurückverfolgen. Vor vier Jahren wurde er bei Christie’s für 18,4 Millionen Euro versteigert.


Marlene Endruweit
Fachjournalistin für Wirtschaft
m.endruweit@netcologne.de




INFO

Tipps für den Kauf

Damit ein Diamant für die Anlage geeignet ist, muss er bestimmte Qualitätsmerkmale erfüllen:

• Gewicht (Carat)

Als Maßeinheit für das Gewicht gilt das
Karat. Es entspricht 0,2 Gramm, so viel wiegt der Samen des Johannisbrotbaums, der früher als Maß galt. Je höher das Gewicht desto seltener der Stein und desto höher der Preis. Anlagesteine sollten zwischen 0,5 und einem Karat schwer sein, damit sie sich problemlos verkaufen lassen.

• Reinheit (Clarity)

Grundsätzlich gilt: Je reiner ein Diamant, desto höher sein Wert. Lupenrein ist er, wenn der Prüfer mithilfe einer zehnfachen Vergrößerung keine Einschlüsse feststellen kann. Die weitaus meisten Steine haben kleine Einschlüsse.

Die wichtigsten Abstufungen sind:

if = internal flawless (lupenrein)

vvsi1, vvsi2 = very, very small inclusions (sehr, sehr kleine Einschlüsse).

Anlagediamanten sollten lupenrein sein.

• Farbe (Colour)

Die Farbe eines Diamanten bestimmt in hohem Maße den Preis. Am begehrtesten ist die absolute Farblosigkeit „River“ (hochfeines Weiß). Hier wird das einfallende Licht am intensivsten reflektiert. Die nächste Stufe „Top Wesselton“ hat einen leichten Gelbschimmer. Ebenso wie „River“ ist er nur vom Fachmann zu erkennen. Unter Kennern besonders beliebt sind die „Fancy Diamonds“. Sie leuchten intensiv gelb, aber auch grün, blau oder sogar rot. Dabei spielt die Reinheit keine Rolle. Anlagediamanten aber sollten möglichst „River“-Qualität aufweisen.

• Schliff (Cut)

Rohdiamanten unterscheiden sich kaum von Kieselsteinen. Von Natur aus umgibt sie ein grau scheinender Mantel. Erst der Schliff lässt sie leuchten. Am besten eignet sich der Brillantschliff: Oben eine Tafel mit 32 Facetten, unten eine kleinere Tafel (Kalette) mit 24 Facetten, in der Mitte wie ein Gürtel die Rondiste. Die Facetten sind in einem bestimmten Winkel zueinander geschliffen, um ein Höchstmaß an Lichtreflexion zu erzielen. Beliebt sind auch Variationen wie Prinzess-, Tropfen-, Baguette-, Marquise- oder Herzschliff. Die Form des Rohdiamanten bestimmt, welche Form der Schleifer wählt. Händler Freiesleben empfiehlt für Anlagediamanten den Brillantschliff, er lässt sich am leichtesten verkaufen.

Neben den vier „C“ Carat, Clarity, Colour und Cut gehören noch zwei weitere „C“ zur Beschreibung eines Investmentsteins: Ein Certificate für ein Zertifikat des GIA und ein staatliches Herkunftszertifikat als Beleg dafür, dass es sich nicht um einen Blutdiamanten handelt.

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