Tages- und Festgeld

Finanzen sichern statt verlieren

Ausländische Banken locken derzeit mit höheren Zinsen als die heimische Geldindustrie. Doch gleichzeitig verunsichern die Hiobsbotschaften über spanische, italienische und andere Wackelkandidaten unter den Banken die Anleger. Sie fürchten um ihre Einlagen. Nicht immer ist diese Angst berechtigt. Wer sich die richtigen Informationen beschafft, kann sich vor bösen Überraschungen schützen.

Wie in einem Tresor: Hierzulande ist Tages- und Festgeld bis zu 10 000 Euro pro Einleger gesichert. Foto: Fotolia.com - frank peters

Im Unterschied zu Aktienspekulationen braucht sich der Anleger von Festgeld weniger um die aktuellen Geschehnisse am Kaptalmarkt zu kümmern. Foto: Fotolia.com - fovito

Fast täglich leuchtet dem Zuschauer das rote Logo von Spaniens größtem Geldinstitut der Banco Santander auf dem Bildschirm entgegen. Immer wenn von der Zuspitzung der Bankenkrise in Spanien die Rede ist, taucht auch die größte Bank der Eurozone auf. Vielen deutschen Anlegern ist der spanische Name geläufig, schließlich führen sie ein Konto bei der deutschen Tochter, der Santander Consumer Bank. Sie haben sich von den attraktiven Zinsen für Tages- und Festgeld locken lassen und fürchten nun um ihr Geld. Zu Unrecht, denn dieses Institut ist eine selbstständige deutsche Tochter der spanischen Mutter Banco Santander.

Gleiches gilt für die in Deutschland ansässige ING-DiBa. Auch deren Kunden werden nervös, weil die Ratingagentur Moody’s die holländische Mutter heruntergestuft hat. Allerdings: Der deutsche Zweig handelt selbstständig. Egal, was mit den Mutterhäusern passiert, gerät die deutsche Tochter in eine Schieflage, springt das deutsche  Sicherungssystem ein. Es setzt sich aus zwei Stufen zusammen.

Sicherungssystem deutscher Banken

Gesetzliche Einlagensicherung: In Deutschland sind seit dem 1. Juli 2009 alle Spareinlagen bis zu einer Gesamtsumme von 100 000 Euro pro Einleger auf Girokonten, Fest- und Tagesgeldkonten sowie Sparbriefe über die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) zu 100 Prozent gesetzlich geschützt. Wer mehr als die Höchst-summe bei einer Bank anlegt, bekommt im Schadensfall maximal 100 000 Euro ersetzt. Diese Regelung gilt EU-weit. Im Pleitefall meldet der Kunde seine Forderung an. Die Einlagensicherung muss dann innerhalb von 30 Tagen zahlen.

Zusätzliche Sicherungseinrichtungen: Geht eine Bank in die Insolvenz, zahlt als erste die EdB. Für alle darüber hinaus gehenden Beträge steht bei den deutschen Privatbanken der Einlagensicherungsfonds in der Pflicht. Er schützt im Pleitefall Einlagen je Kunde bis zu 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals. Das macht mindestens 1,5 Millionen Euro. Diese Regelung gilt noch bis 2015. Danach wird die Garantiesumme bis 2025 nach und nach gesenkt. Bei kleinen Banken beträgt der zusätzliche Schutz dann immer noch 440 000 Euro.

Sparkassen und Volksbanken haben ihre eigenen Sicherungssysteme. Wie bei einem Solidaritätsfonds sichern sich die Institute gegenseitig. Meistens werden kleinere oder schwächere Mitglieder von den stärkeren übernommen.

Eine Frage des Vertrauens

Wer bei seiner Festgeldanlage oder beim Tagesgeld ganz auf Nummer sicher gehen will, bleibt am besten bei seiner deutschen Hausbank. Vergleichbar gut geschützt sind aber auch Einlagen bei Instituten, die wie die Santander Consumer Bank und die dazu gehörigen Santander Bank und Santander Direktbank oder die ING-DiBa als selbst-ständige deutsche Töchter der gesetzlichen Einlagensicherung und darüber hinaus dem Einlagensicherungsfonds der privaten Banken angehören. Mit in diese Gruppe gehören neben anderen die Akbank, GE Capital Direkt, die Isbank und die Ziraat Bank. Max Herbst, Inhaber der Internet-Finanzberatung FMH beruhigt verängstigte Anleger: „Solange die Einlagen weniger als 100 000 Euro betragen, ist es egal, bei welcher Bank ich anlege. Wichtig ist, dass sie der gesetzlichen Einlagensicherung angehört.“

Bei ausländischen Banken, die über ihre heimatliche Mutter gesichert sind, entscheidet vor allem die Stärke des Vertrauens, das der Anleger diesem Institut entgegenbringt. Dazu Herbst: „Traue ich nur deutschen Banken, bleibe ich mit meinem Geld hier. Halte ich die niederländischen Institute für solide, kann ich auch bei einer holländischen Bank anlegen.“ Seiner Meinung nach kommt es immer auf die Qualität der jeweiligen Einlagensicherung an. Anleger sollten sich die wirtschaftliche und politische Situation in dem Land ansehen, dessen Sicherungseinrichtung verantwortlich ist. Herbst persönlich hält etwa die estnische Big Bank für eine Alternative. Abgesichert sind die ersten 100 000 Euro über die estnische Sicherungseinrichtung Tagatisfonds. Ginge die Bank Pleite, müssten sich die Anleger an Estland wenden. Für Herbst kein Problem: „Die Schuldenquote Estlands liegt bei nur acht Prozent.“ Damit liegen sie in der Eurozone auf dem ersten Platz noch vor Luxemburg. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Sicherungseinrichtung funktioniert, scheint hoch.

Besser als der Schein zeigt sich auch die VTB-Bank. Die auch in Deutschland präsente Direktbank gehört zur österreichischen VTB-Bank, die wiederum zum zweitgrößten russischen Bankkonzern gehört. Wer sein Fest- und Tagesgeldkonto bei der VTB-Direktbank führt, legt sein Geld beim österreichischen Zweig und nicht in Moskau an. Gerät die Bank in Schwierigkeiten, wenden sich die Kunden an die österreichische
Sicherungseinrichtung, die ebenfalls die ersten 100 000 Euro je Anleger garantiert. Mit in die Österreich-Gruppe gehören die Vakif- und die Denizbank. Die britische Sicherungseinrichtung steht für 85 000 Pfund Einlage je Kunde der Bank of Scot-land gerade. Beträge die darüber hinausgehen, erstattet der Einlagensicherungsfonds deutscher Banken, dem der deutsche Ableger angehört. Es gibt viele verschiedene Varianten der Sicherung bei den ausländischen Instituten, die ihre Dienste auf dem deutschen Markt anbieten. Umso wichtiger ist für deutsche Anleger, sich vor der Kontoeröffnung intensiv mit der Regelung zu beschäftigen, um ein böses Erwachen im Pleitefall zu verhindern. Es reicht nicht, sich die höchsten Zinsen zu sichern. Am Ende zählt nur, was wirklich auf dem Konto gutgeschrieben und ausgezahlt wird.

Island als Opfer der Finanzkrise

Zu dieser Einsicht mussten damals die Anleger bei den isländischen Banken kommen. Vor allem die Kaupthing-Bank lockte mit hohen Zinsen Millionen Euro aus Deutschland und anderen Ländern auf die Nordmeer-Konten. Irgendwann überstiegen die Bilanzsummen der vier isländischen Banken das Bruttoinlandprodukt Islands um ein Vielfaches. Das Land fiel als erstes der Finanzkrise zum Opfer und beanspruchte die Hilfe des IWF. Ansprüchen ausländischer Bankkunden widerstand der kleine Staat. Die dortigen Banken ließ man einfach fallen, den für das Wirtschaftsdesaster verantwortlichen Regierungschef stellten die Isländer vor Gericht. Heute kann sich Island Geld auf den Finanzmärkten zu Konditionen
beschaffen, von denen die Griechen nur träumen – und das trotz schlechten Ratings. Auf den Euro verzichten die Isländer bis heute. Stattdessen überlegt man, die hei-mische Währung abzuschaffen und stattdessen den kanadischen Dollar einzuführen. Er gehört längst zu den Fluchtwährungen. Die Anleger aber hatten die Zeichen nicht erkannt und verloren. „Gier macht blind“, erinnert Herbst und mahnt die Anleger zur Vorsicht.

Zurzeit befindet sich der europäische Leitzins, zu dem sich die Banken verschulden, auf dem absoluten Tiefpunkt. Klaus Stopp von der Baader Bank macht sich Gedanken darüber, wieso manche Institute einen
Einlagenzins von 2,5 Prozent für drei Jahre anbieten können: „Die hohen Zinsen können bedeuten, dass die Not bei den Banken größer als bisher vermutet ist und die Banken händeringend neue Einlagen
generieren müssen, um den gesetzlichen Anforderungen entsprechen zu können.“ Andererseits könnte es auch sein, dass sie in den nächsten Jahren mit höheren Zinsen rechnen und sich so Einlagen zu vergleichsweise moderaten Konditionen sichern wollen. Stopp bleibt skeptisch. „Vieles spricht gegen diese Annahme, aber das ist alles andere als ermutigend.“

Die Macht Brüssels

Die Anleger entscheiden selbst, wem sie ihr Geld anvertrauen. Ein gesundes Misstrauen ist in jedem Fall die richtige Einstellung. Noch haben die Kunden die Wahl, welchem Sicherungssystem sie ihr Kapital anvertrauen. Das könnte sich bald ändern. Denn in Brüssel kursieren Pläne, wonach es zu einer europaweiten Einlagensicherung für Spareinlagen kommen soll. In der Praxis würde das die Vernetzung aller Sicherungssysteme bedeuten. Die deutsche Einlagensicherung haftet dann für die Spareinlagen der Italiener, Spanier und allen anderen EU-Mitgliedsstaaten.

Dr. Andreas Beck, Vorstand des Instituts für Vermögensaufbau in München, glaubt nicht an eine schnelle Umsetzung dieser Pläne: „Eine gemeinsame europäische Einlagensicherung wird es so schnell nicht geben. Voraussetzung dafür wäre zunächst die Einrichtung einer gemeinsamen Bankenaufsicht. Da die EU aber noch nicht einmal eine eigene Ratingagentur auf die Beine stellen kann, wird bis zur EU-weiten Einlagensicherung noch viel Zeit vergehen.“ Für Anleger, denen der Verbleib im Euro zu unsicher erscheint, hält er einen Tipp bereit: „Deutschland kann sich nicht aus dem Euro verabschieden. Der Privatmann schon.“ Er könne sein Geld in Staatsanleihen von Ländern investieren, die ihren Haushalt in Ordnung haben wie zum Beispiel Norwegen, Schweden und Australien. Wer sich dafür entscheidet, muss sich auch keine Gedanken um die Herabstufung Deutschlands durch Ratingagentur Moody’s machen. Sie stellte am 23. Juli die Aussichten für die Entwicklung der heimischen Finanzen von positiv auf negativ.

Marlene Endruweit

Fachjournalistin für Finanzen

m.endruweit@netcologne.de

 



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