Absicherung der Altersvorsorge

Keine Glücksspiele

Die Folgen der Wirtschafts- und Bankenkrise auf die finanzielle Altersabsicherung von Praxisverantwortlichen sind bisweilen fatal. Trotzdem sollte man von risikoreicheren Geschäften mit hohem Einsatz am besten die Finger lassen.

Beim Roulette kann Risikobereitschaft eine Spielstrategie sein, bei der Altersabsicherung sollte man jedoch lieber auf Nummer sicher gehen. Foto: MEV

Vorsicht bei zu hohen Einsätzen – sonst kassieren andere. Foto: CC

Als Roland M. im damaligen Alter von 57 Jahren seinen Plan entwickelte, die von ihm aufgebaute Praxis in einigen Jahren an seinen Sohn zu übergeben, war für ihn weitgehend klar, wie seine spätere finanzielle
Altersabsicherung aussehen würde. Neben seinen Bezügen aus einer Versorgungskasse, kalkulierte er bei einem bis dahin angesparten Kapital von 250 000 Euro mit Zinseinnahmen von vier Prozent pro Jahr nach Steuern. Diese Zinsprognose schien M. nach seiner Lebenserfahrung durchaus realistisch. Immerhin erzielte er damals bei seinen Hausbanken im Jahr problemlos sechs Prozent Zinsen bei Laufzeiten von drei oder vier Jahren. Im Ergebnis kalkulierte er also mit etwa 800 Euro Zinsen pro Monat, so dass er einschließlich seiner Bezüge aus der erwähnten Versorgungskasse auf knapp 2 100 Euro im Monat gekommen wäre, ohne das angesparte Kapital von 250 000 Euro angreifen zu müssen. Dieser Kapitalerhalt war wohlüberlegt, da M. als vorsichtiger Kaufmann zwar nicht zwingend davon ausging, aber eben auch nicht ausschloss, in wirtschaftlich weniger erfolgreichen Jahren seinem Sohn in der Praxis auch in finanzieler Sicht unter die Arme greifen zu müssen.  Eine solche Kapitalreserve käme da – letztlich für beide – gerade recht.

Überraschende Zinsentwicklung

Diese Zahlen sind nun, nur wenige Jahre später, mehr oder weniger Makulatur. Statt der vorsichtig kalkulierten vier Prozent zahlen Banken derzeit selbst bei mittelfristigen Anlagen gerade einmal rund die Hälfte an Zinsen. Als Folge daraus kann M. nun nur noch mit etwa 400 Euro pro Monat plus der Versorgungsbezüge, also insgesamt mit 1 700 Euro rechnen. Damit kann er weder für seine Frau noch für sich seinen bisherigen Lebensstandard auch nur annähernd aufrecht erhalten. Hinzu kommt, dass M. zunehmend Schwierigkeiten damit hat, eine angemessene Kreditversorgung durch die Bankinstitute sicherzustellen. Dieser Punkt bereitet ihm und seinem Sohn Sorgen, da zusätzliche Betriebsmittelkredite nur noch möglich sind, wenn ausreichende Sicherheiten zur Verfügung stehen. Dies bedeutet wiederum, dass M. voraussichtlich als Bürge agieren muss, mit der Folge, den Banken seine wirtschaftlichen Verhältnisse auch noch im Rentenalter offen zu legen. Die Alternative wäre eine Teilliquidierung des angesparten Betrages von 250 000 Euro, die wiederum eine weitere Verringerung seiner Zinseinnahmen zur Folge hätte.

Es ist fast schon einerlei, für welchen Weg sich M. entscheiden wird, in jedem Fall muss er die ursprüngliche Planung, sich mit einer finanziell akzeptablen Absicherung zu einem angemessenen Zeitpunkt beruflich zurückzuziehen, mit einem großen Fragezeichen versehen. Wichtig scheint ihm daher, wie er kurzfristig seine Zinseinnahmen erhöhen könnte. Hierzu hat sich M. mittlerweile von verschiedenen Seiten beraten lassen.

Spekulative Anlageformen und längere Laufzeiten

Eine Variante, seine Erträge zu mehren, sieht M. darin, das Risiko einer jeweiligen Anlageform zu erhöhen oder sich auf feste Anlagezeiträume von vier und mehr Jahren einzulassen, bei denen etwa drei Prozent Zinsen pro Jahr möglich sind. Allerdings gibt es bei diesen längeren Anlagezeiträumen bei M. bisher kein bekanntes Angebot die Möglichkeit, vorzeitig verlustfrei wieder auszusteigen. Entweder ist die Laufzeit fest vereinbart oder es drohen Kursverluste, deren Höhe nicht abzusehen wäre. Spekulative Anlageformen lehnt M. aus guten Gründen kategorisch ab, da er vor allem die Entwicklung an den Aktienbörsen der vergangenen Jahre aufmerksam verfolgt hat und nach wie vor entsetzt ist über das nahezu ununterbrochene Auf und Ab einer Anlageform, die noch vor wenigen Jahren als langfristig äußerst interessant immer wieder angepriesen wurde.

Die gleiche Zurückhaltung übt M. bei einer Vielzahl von Finanzkonstruktionen der ihn beratenden Banken, die in aller Regel ebenfalls mit zum Teil erheblichen Risiken verbunden sind. Das gilt auch für so genannte „Kombinationsangebote“, bei denen ein bestimmter Geldbetrag zum einen in einer Termingeldanlage mit einem überdurchschnittlichen Zinssatz und zum anderen in einem Investmentfonds investiert wird. Dass dabei der höhere Zinssatz von ihm selbst mit relativ hohen Kosten des jeweiligen Investmentfonds praktisch bezahlt werden muss, ist M. auch erst nach genauer Durchsicht der Produktbeschreibung aufgefallen.

M. wird im Ergebnis, dies wird ihm zunehmend klar, wahrscheinlich also nichts übrig bleiben, als auch weiterhin auf Nummer sicher zu gehen, den geringen Zinsertrag zu akzeptieren und durch Zinsvergleiche wenigstens das eine oder andere Zinszehntel zusätzlich herauszuholen. Möglicherweise, so hofft M. zumindest, wird es in absehbarer Zeit auch wieder höhere Zinsen geben.

Michael Vetter

Fachjournalist für Wirtschaft

vetter-finanz@t-online.de


INFOCheckliste Altersvorsorge

• Für Zahnärzte, die ihre finanzielle Altersabsicherung in der Vergangenheit mit einem bestimmten Zinsniveau verbunden haben, sind regelmäßige Bestandsaufnahmen und Soll-/Ist-Vergleiche wichtig.

• Vor allem bestehende Lebensversicherungen, ergänzende Versorgungsansprüche aus Zusatzkassen und Rentenversicherungen sowie weitere Ansparformen sollten sorgfältig geprüft werden.

• Dazu gehören ebenfalls möglicherweise bestehende Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung, da viele heutige Selbstständige als Angestellte begonnen und auf diesem Weg entsprechende Ansprüche erworben haben.

• Bei erkennbaren Lücken im Vermögensaufbau ist dringend davon abzuraten, diese Lücken mit spekulativeren Anlageformen zu schließen. Es gilt der Grundsatz: Mit jedem Prozentpunkt, der oberhalb des derzeitigen Zinsniveaus von je nach Laufzeit zwei, drei Prozent liegt, steigt das Risiko eines Zins- oder sogar Kapitalverlusts.

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