Leserforum

Keine Pathogenität

Zum Beitrag „Kassengesundheitsreporte: Irritation wegen Clindamycin-Vergabepraxis“ in zm 14/2012:

Die von Glaeske ausgeführte Feststellung „In der Antibiotikaversorgung werden Mittel mit Clindamycin bevorzugt, die teuer sind und um nichts besser wirken als Amoxicillin, das auch in den Leitlinien empfohlen wird“, ist falsch. Dafür gibt es zwei Gründe:

1. Amoxicillin ist bei einer Penicillinüberempfindlichkeit kontraindiziert. Die Zunahme von Menschen mit Penicillinüberempfindlichkeit gebietet den Einsatz anderer Antibiotika (Ciprofloxacin?). Hinzu kommt, dass die Anwesenheit von Tenerella Antinomycetemcomitans als fakultativ aerob/anaerober Keim in Mitteleuropa in einer Form vorliegt – im Gegensatz zu Anaerobiern wie Porphyromonas gingivalis, Prevotella intermedia, also die parodontalen „Schurkenkeime“ (Mombelli) – der keine Pathogenität entfaltet (Purucker, Berlin 2011).

2. Besonders bedenklich ist jedoch, dass Amoxicillin lediglich auf Tenerella Antinomycetemcomitans wirksam ist, nicht aber auf die genannten „Schurkenkeime“. Das bedeutet, dass die Gabe des Antibiotikums Amoxicillin zwar billiger, aber unwirksam und damit letztendlich auch teurer ist! Damit ist für die Zahnmedizin, besonders aber für die Parodontologie, der Einsatz von Clindamycin hochwirksam und letztendlich preiswert.

Wenn also Clindamycin verschrieben wird, so ist diese Anwendung indiziert, Amoxicillin hingegen meist kontraindiziert. Warum Clindamycin so viel teurer ist als Amoxicillin kann ich nicht beurteilen. Ich weiß nur, dass es verschiedene Anbeiter von Clindamycin gibt mit deutlichen Preisunterschieden. Es darf aber nicht passieren, dass falsche Informationen in die Leitlinien einfließen und damit Antibiotika verschrieben werden müssen, die unwirksam und (siehe oben) letztendlich teurer sind.

Dr. med. dent. Wolfgang Babin
Bayerischer Platz 11
10779 Berlin-Schöneberg