Banken-Forum

Das Pendel schlägt zurück

Fünf Jahre ist es her, dass hierzulande über Steuergelder die ersten Banken aus ihrer – selbst verschuldeten – Malaise gerettet wurden. Während der gesamte Finanzsektor um seine Reputation kämpft, sorgen EU-weite Auflagen für zitternde Knie bei den Instituten. Derweil ist das Verständnis der Politik dem Bankensystem gegenüber sehr verhalten. So zumindest konnte man es auf einem Forum des Handelsblattes zum Thema „Banken im Umbruch“ beobachten.

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Die Deutsche Bank in Frankfurt: sie gilt mit einem Marktanteil von über 20 Prozent als größter Devisenhändler der Welt. Foto: Vario Images

Was treibt die Banken derzeit um? Wie wollen sie ihre Unternehmenskultur zukünftig gestalten, welche Produkte anbieten? Auf diese Fragen wollte die Tagung am 04.09. und 05.09.2012 in Frankfurt eine Antwort geben. Der Chefredakteur des Blattes, Gabor Steingart, wies die Richtung an: „Eine Kulturrevolution ist im Gange.“ Wer sich ihr entgegenstellt, werde Mühe haben, zu überleben. „Kämpfen Sie jetzt nicht um Geschäftsanteile, kämpfen Sie um ihre Glaubwürdigkeit“, so Steingart zu den Bankenvertretern. Die „Bankenwende“ zu schaffen, sei „der historische Auftrag dieser Generation“.

Am Ende waren es zwei Politiker, die zum Schluss des jeweiligen Seminartages den Bankern ihr Soll ins Grundbuch schrieben. Sowohl Finanzminister Wolfgang Schäuble als auch der Finanzchef der ehemaligen Regierung, Peer Steinbrück, ließen keinen Zweifel daran, dass die Finanzwelt stärker in die Verantwortung genommen werden müsse, um zukünftig Fehlentwicklungen zu vermeiden.

Die Verantwortung der Banken

Schäuble hat auf der Tagung seine Forderungen nach einer stärkeren Regulierung des Finanzsektors bekräftigt. Massiv wies er die Institute auf ihre große Mitverantwortung an der – immer noch anhaltenden – Finanzmarktkrise hin. „Die Banken- und Finanzweltkrise ist ja nicht plötzlich über uns hereingebrochen. Sie hat auch ihre Ursachen in einer völlig überzogenen Risikogeschäfts-Politik deutscher Banken“, sagte der Minister. Neben einer größeren Transparenz von Finanzmarkttransaktionen setzte er sich für eine strengere rechtliche Haftung der Akteure ein. Er sei bereits mit seiner Koalitionskollegin, Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, im Gespräch. Längerfristig sei es gemeinsames Ziel, strafrechtliche Sanktionen zu erarbeiten „gegen jene, die ihrer Sorgfaltspflicht in Bankgeschäften nicht nachkommen“, so Schäuble. Er forderte zudem, dass der Finanzsektor „nicht außerhalb von anderen Wirtschaftsbereichen“ agieren dürfe. Auch Banken seien mit ihren Geschäften ein Teil des gesamten Wirtschafts-, Politik- und Gesellschaftssystems. Schäuble ging noch einen Schritt weiter: „Die Finanzmärkte haben eine dienende Funktion der Realwirtschaft gegenüber.“

Die Mitschuld der Politik

Auch der ehemalige Finanzminister Peer Steinbrück kritisierte „das exzessive Gebaren“ der Finanzwelt als eine Ursache der Bankenkrise. Diese habe sich zu einer Vertrauenskrise gegenüber der gesamten Finanzwirtschaft entwickelt. Die übertriebene Gewinnmaximierung einiger großer Banken habe durch die bekannten Folgen die gesamte Branche in Verruf gebracht, so Steinbrück. Allerdings zog er auch politische Entscheidungsträger in die Verantwortung mit ein. Denn sowohl die Risiko-Ignoranz und die Verantwortungslosigkeit bei gefährlichen Bankgeschäften als auch die – politisch legitimierte – Deregulierung von Investment-Banking-Transaktionen hätten sich als Treiber für die Krise erwiesen. Steinbrück: „Jede überzogene Aktion und jede Übertreibung, jeder Exzess, führt zu einer Reaktion – und das Pendel schlägt zurück.“

Dies sei derzeit der Fall und deswegen müsse sich der Bankensektor damit beschäftigen, einen Kulturwandel einzuläuten. Wenn sich die Finanzwelt dem verweigert, würden sich andere gesellschaftliche Bereiche darum kümmern, „mit Ergebnissen, die Sie nicht wollen können“, so Steinbrück zu den Anwesenden. Dies betreffe auch die üppigen Boni an Banker, die immer noch in vielen Fällen ein Mehrfaches der Vergütungen übersteigen würden.

Demgegenüber versicherten zahlreiche Vertreter von Banken, die Lehren aus der Vergangenheit gezogen zu haben. So beteuerte etwa Jürgen Fitschen, der Co-Vorstand der Deutschen Bank, einen Kulturwandel eingeläutet zu haben, der im Kundenumgang zum Ausdruck komme. Auch räumte er einen Vertrauensverlust der Bevölkerung gegenüber dem gesamten Finanzsystem ein.

Banken reklamieren Kulturwandel für sich

Jedoch verwehrte er sich dagegen, den Banken die gesamte Verantwortung aufzuladen. Sie allein seien nicht in der Lage, eine solche Krise eigenständig hervorzurufen. Man gebe ihnen zu viel Kredit, wenn man glaube, „ein paar Investmentbanker hätten die Welt so verändern können“. Vielmehr denke er, „dass das, was im Bankensektor passiert ist, auch ein Reflex darauf ist, was in der Gesellschaft unterwegs war“. Wenn aber eine Bank eine Rendite von 25 Prozent anvisiere, wie dies sein Vorgänger Ackermann getan hat, dann heißt es, sie habe das richtige Maß verloren. „Was ist daran unredlich?“, fragte Fitschen. Bei der Bewältigung der Krise müsse der Finanzsektor gemeinsam mit der Realwirtschaft Finanzkonzepte erarbeiten. In deren Zentrum stehe die Frage, wie Banken Wachstum unterstützen können, „ohne gleichzeitig die Exzesse der Vergangenheit zu wiederholen“, so Fitschen.

Der Vize-Chef der Deutschen Bank warf auch einen Blick auf den Bereich Investment-Banking. Viele derartige Produkte seiner Bank seien gar nicht für die breite Masse konzipiert worden. Allerdings werde genau dieses Anlagensegment von den Kunden stark nachgefragt. Und diese seien sich größtenteils der immanenten Risiken des Investment-Bankings sehr wohl bewusst. „Garantien gibt es in diesem Geschäft keine. Wir als Bank können nicht verhindern, dass es auch Verluste gibt“, so Fitschen.

Mittelstand und Wirtschaft brauchen solide Banken

Eine Veränderung in der Angebotspalette der Kreditinstitute forderte hingegen der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Prof. Hans-Peter Keitel. „Wir brauchen andere Banken-Produkte“, sagte er. Produkte, die transparent seien, und deren Glaubwürdigkeit und Passgenauigkeit dazu führten, dass der Augenkontakt und der Handschlag unter Geschäftsleuten untereinander „wieder etwas gelten“. Keitel monierte, dass EU-weit gegenwärtig nur über kurzfristige Rettungsmaßnahmen geredet werde, statt längerfristige Perspektiven zu entwickeln.

Die geplante europäische Einlagensicherung, bei der die Banken länderübergreifend für einander haften sollen, wurde in Frankfurt ebenfalls thematisiert. Uwe Fröhlich, der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, wandte sich gegen derartige Haftungsmodelle. „Genossenschaftsbanken und deren Sparer dürfen nicht zur Rettung von Privatbanken herangezogen werden“, sagte er. „Unsere finanziellen Mittel gehören unseren 17 Millionen Mitgliedern. Wir verwahren uns dagegen, dass denen einfach in die Taschen gegriffen wird.“ Die Genossenschaftsbanken stünden vielmehr als verlässliche Kreditgeber für den Mittelstand bereit.sg

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