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Franklin S. Weine ist tot

Foto: privat

Prof. Dr. Franklin S. Weine, ehemaliger Direktor der endodontischen Postgraduierten-Ausbildung an der Zahnklinik der Loyola Universitiy in Chicago, Gastprofessor zahlreicher Universitäten in aller Welt, internationaler Referent und Autor, verstarb am 10. Juli 2012. Wir verlieren einen großartigen Menschen, exzellenten Endodontologen, Wissenschaftler und Lehrer und nicht zuletzt einen aufrichtigen Freund. „Frank“ studierte in den 1950er-Jahren zunächst Zahnheilkunde und später Endodontologie.

Angesichts kompromissbehafteter Behandlungsergebnisse hatte er eine Vision: Statt den Kanälen eine den Instrumenten entsprechende Form aufzuzwingen, strebte er danach, die Instrumente so zu verfeinern und zu modifizieren, dass auch komplizierte Kanalsysteme unter Erhalt der vorgegebenen Anatomie aufbereitet werden konnten. Und während hierzulande stärker gekrümmte Wurzelkanäle als kaum behandelbar galten, war es ihm Herausforderung und Vergnügen, auch die letzten Krümmungen und Verästelungen aller Kanäle oberer Molaren vollständig aufzubereiten und abzufüllen.

Generationen amerikanischer Endodontologen wurden von ihm geprägt. Von Chicago aus zog es ihn hinaus in die Welt. Er war gefragter Referent auf allen Kontinenten, sein richtungsweisendes Lehrbuch „Endodontic Therapy“ erschien in sechs Auflagen. Seit Anfang der 1970er-Jahre war er regelmäßig Referent in Deutschland, über 30 Jahre lehrte er vor allem am Karl-Häupl-Institut in Düsseldorf, teilweise mehrmals im Jahr. Viele Tausend deutsche Kollegen gingen durch seine Schule und folgerichtig gründete sich vor 15 Jahren in Düsseldorf die „Endodontische Studiengruppe F. S. Weine“. Noch im Frühjahr 2010 besuchte er seine Studiengruppe, um Behandlungskonzepte und schwierige Fälle zu diskutieren − offen, ehrlich und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, wie es seine geschätzte Art war.

Mit seinem Tod verliert die internationale endodontische Familie einen ihrer ganz Großen. Wir verneigen uns in Trauer und Anerkennung seiner Verdienste. Frank lebt weiter in seinen Werken und in unserer Arbeit − seine Vision ist uns Verpflichtung.

Dr. Udo Schulz-Bongert