FDI-Weltkongress in Hongkong

Auf dem Weg zur finanziellen Nachhaltigkeit

Der diesjährige Kongress der FDI Word Dental Federation fand vom 27. August bis zum 1. September 2012 in Hongkong statt. Der wissenschaftliche 100. Jahreskongress war ein Ereignis von internationaler Reichweite und mit insgesamt mehr als 7000 Teilnehmern gut besucht. Auf der standespolitischen Generalversammlung standen Debatten rund um die Rolle des zahnärztlichen Teams im Mittelpunkt. Das Votum der Delegierten: Delegation Ja – Substitution Nein. Ganz zentral aber waren Fragen der künftigen Finanzierung der Organisation.

Die deutsche Delegation beim FDI-Kongress (v.l.n.r.): Prof. Dr. Dr. h.c. Georg B. Meyer, der KZBV-Vorsitzende Dr. Jürgen Fedderwitz, Florian Lemor, Dr. Peter Engel, Dr. Michael Sereny und ZA Ralf Wagner Foto: BZÄK

Foto: MEV/zm

Dieses Jahr hatte der Weltkongress ein außergewöhnliches wissenschaftliches Programm zu bieten, in dessen Rahmen die wichtigsten technischen und wissenschaft-lichen Entwicklungen von weltweit füh- renden Klinikern und Experten präsentiert wurden. Hongkong selbst ist ein weltweit anerkanntes Zentrum für Wirtschaft, Handel und kulturelle Vielfalt, auch im Bereich der Zahnheilkunde. Die jährliche Dental-ausstellung als Leistungsschau der Dental-industrie begleitete den Kongress nach Hongkong, auf der auch die deutsche Industrie mit ihrem hoch frequentierten „German Pavillon“ vertreten war.

Zukunftsgerichtete Themen

Zeitgleich zum Kongress fanden zahlreiche Geschäftssitzungen des FDI-Parlaments der Zahnärzte statt. Delegierte aus 134 Ländern, die beinahe 200 nationale Berufsverbände vertreten, waren als ordentliche, außerordentliche, angegliederte oder fördernde Mitglieder vertreten. Das Parlament erörterte eine Vielzahl von zukunftsträchtigen Themen fachbezogener und allgemeiner Art und verabschiedete Stellungnahmen und Strategiepapiere mit weltweiter Bedeutung für die Zahnheilkunde, etwa zur Frage der Delegation und der Substitution zahnärztlicher Leistungen im zahnärztlichen Team oder zum weltweiten Verbot von Amalgam.

Die deutsche Zahnärzteschaft war durch eine Delegation vertreten, die sich aktiv in die verschiedenen Diskussionen einbrachte. Für die BZÄK wurde Prof. Dr. Dr. h.c. Georg B. Meyer, Greifswald, mit großer Stimmenmehrheit für weitere drei Jahre in das FDI-Wissenschaftskomitee gewählt. Prof. Dr. Elmar Reich, Biberach, wird für ein weiteres Jahr als Vorsitzender des FDI-Komitees für Bildung fungieren. ZA Ralf Wagner, Vorsitzender der KZV Nordrhein, wird noch ein Jahr Mitglied des FDI-Komitees für die zahnärztliche Praxisführung bleiben. Dr. Michael Sereny, Präsident der ZÄK Niedersachsen, wurde von der Generalversammlung als Mitglied in das FDI-Budget-Reference-Komitee gewählt. Dr. Peter Engel, Leiter der deutschen Delegation, stand für den FDI-Rat nicht mehr für ein weiteres Mandat zur Verfügung. Er wird sich zukünftig auf die Arbeiten der deutschen Delegation konzentrieren.

Kritik an Vision 2020

Im Rahmen der Generalversammlung wurde unter anderem die FDI-Broschüre „Vision 2020“ vorgestellt und kontrovers diskutiert. Streitpunkt war unter anderem die von zahlreichen Delegierten als zu kurzfristig empfundene Präsentation dieser Publikation ohne vorherige Strategiedebatte im Rahmen des Zahnärzte-Parlaments. Zudem wurde kritisiert, dass diese Publikation trotz fehlender Diskussion bereits an politische Kreise wie die WHO verteilt wurde.

Inhaltliche Kernforderungen der „Vision 2020“ betreffen unter anderem die substanzielle Beseitigung und Verringerung von Ungleichheiten beim Zugang zur zahnmedizinischen Versorgung vor allem in Krisenstaaten. Statt hier auf Lösungsmechanismen unter Einschluss der Substitution zahnärztlicher Leistungen zu setzen, forderte das Parlament, dass vielmehr auf die sich ständig verbessernde Kompetenz der Zahnärzte in Fragen der Mundgesundheit, auf die Entwicklung rationaler Strategien für Personalplanung, auf die berufliche Aus- und Weiterbildung und auf langfristige Personalbindung als Lösungsansätze gesetzt werden solle. Daher betrifft eine weitere Kernforderung die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Arbeitskräften im Gesundheitswesen und im zahnärztlichen Team. Das Prinzip dabei ist „Delegation Ja – Substitution Nein.“ Zudem sei unbestreitbar, dass sich die Rolle der Fachkräfte in der Mund- versorgung und damit auch die Rolle des Zahnarztes verändere. Für die Delegationen aus Deutschland, den USA, Japan und Kanada hat BZÄK-Präsident Engel hier entsprechende Anpassungen des Wortlauts der „Vision 2020“ eingefordert und letztlich auch mehrheitsfähig gemacht.

Weitere Diskussionen und Stellungnahmen des Zahnärzte-Parlaments betrafen die nichtinfektiösen Krankheiten und die Klassifikatio-nen von Kariesläsionen der Zahnoberflächen sowie Kariesmanagement-Systeme. Delegationsmitglied Wagner, Vertreter der KZBV, beantragte eine Ergänzung zu der Stellungnahme zu den nicht-infektiösen Krankheiten, wonach darauf hingewiesen werden müsse, dass zu den nicht-infektiösen Krankheiten (NCDs) auch Kopf- und Gesichtsschmerzen, Tinnitus, aber auch Schlaf- und Atemstörungen/Schnarchen gehören.

Finanzielle Nachhaltigkeit

Zusammen mit den Vertretern aus den USA, Japan, Kanada und Österreich war die BZÄK initiativ an der Erarbeitung einer Resolution zur finanziellen Nachhaltigkeit der FDI beteiligt. Dabei betonte Engel, dass es aufgrund der weltweit bestehenden Probleme im Bereich der Zahnheilkunde dringend einer starken FDI bedürfe, um die globalen Herausforderungen für die orale Gesundheit zu meistern. Dafür seien aber auch finanziell nachhaltige Strukturen erforderlich. In ihrer Resolution, die maßgeblich von der BZÄK ausgearbeitet wurde, unterstützen die Delegierten ausdrücklich die Arbeit der FDI, um den Herausforderungen in wirksamer Weise gerecht werden zu können. Auch wird darin der FDI-Führung das Vertrauen ausgesprochen.

Dennoch gab es auch Kritik an den Arbeitsabläufen in der FDI. So sollen Themen und Vorschläge, die während der Vorbereitung einer Vollversammlung anfallen und die zukünftigen Termine für Sitzungen rechtzeitig vorgelegt werden. Politische Kernfragen sollen vor Beschlussfassung immer der Vollversammlung mitgeteilt und dort diskutiert werden. Ebenso sollen Vorstandsentscheidungen den FDI-Mitgliedern rechtzeitig und begründet mitgeteilt werden. Hinsichtlich der finanziellen Situation bei der FDI kritisiert die Resolution, dass auch weiterhin noch zahlreiche Fragen offen seien. Die FDI wird aufgefordert, diese Probleme vollständig zu analysieren und zeitnah Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

Am Ende der politisch intensiven Sitzungen in Hongkong fand die traditionelle Übergabe der FDI-Flagge an die Organisatoren des Weltjahreskongresses 2013 statt, der in Istanbul tagen wird.

Florian Lemor
Hauptgeschäftsführer der Bundeszahnärztekammer
Chausseestr. 13
10115 Berlin

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