Tag der Zahngesundheit 2012

Mundgesund auch im Alter

Das Expertenteam zum Tag der Zahngesundheit (v.l.n.r.): Prof. Dietmar Oesterreich, Prof. Ina Nitschke, Dr. Michael Kleinebrinker, Dr. Matthias Lehr (Verein für Zahnhygiene) Foto: B.Dohlus

Das Motto des diesjährigen Tages der Zahngesundheit „Gesund beginnt im Mund – mehr Genuss mit 65 plus!“ konzertiert nicht ganz zufällig mit dem laufenden „Europäischen Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen“. In Berlin stellten Experten aus Standespolitik und Wissenschaft sowie der Krankenkassen ihre Positionen zum aktuellen Thema vor.

Der demografische Wandel ist allgegenwärtig. Bezogen auf den Zahnstatus lässt sich feststellen, dass ältere Menschen heute – aufgrund der verbesserten Mundgesundheitsversorgung – länger mehr eigene Zähne besitzen, als dies bei der Vorgängergeneration der Fall war. „Der Fokus der zahnmedizinischen Präventionspolitik als auch der wissenschaftlichen Forschung lag jahrzehntelang auf der Gruppe der Kinder und Jugendlichen. Erwachsene und Alte waren nur vereinzelt beziehungsweise gar nicht Zielgruppe von Forschung und Präventionsbemühungen“, erklärte Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) in Berlin. Getreu dem Leitgedanken des oralprophylaktischen BZÄK-Gesamtkonzepts „Prophylaxe ein Leben lang“ sollten sich diese präventiven Erfolge jedoch über das Kindes- und Jugendalter hinaus bei den Erwachsenen und Senioren fortsetzen. Ziel sei es, orale und systemische Gesundheit und Lebensqualität bis ins (hohe) Alter zu sichern.

Oesterreich: „Zahnmedizin für Senioren ist eine versorgungspolitische Herausforderung. Allerdings steckt in ihr auch ein enormes präventives Potenzial für die Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde.“ Ziel aller Bemühungen sei die Kompression der Morbidität, sprich die Verschiebung der Krankheitslast für den einzelnen Patienten in den letzten Lebensabschnitt. Gesundheitspolitisch setze sich die BZÄK für eine Inklusion der Zahnmedizin in alle präventiven Überlegungen ein, schließlich hätten Mund- und Allgemeingesundheit einen gemeinsamen Risikofaktoren- kanon. So unterscheide sich etwa die Paro-dontitis im Vergleich zu den koronaren Herzerkrankungen hinsichtlich der Verhaltensrisiken, der sozialen Umfeldrisiken und der somatischen Risiken kaum. „Das bedeutet, dass wir in der Lage sind, bestimmte Risiken zu beeinflussen und damit gleich-zeitig positiv auf die Mundgesundheit und die Gesamtgesundheit einwirken können“, sagte der BZÄK-Vizepräsident.

Dr. Michael Kleinebrinker, Referatsleiter für den Bereich Zahnärzte beim GKV-Spitzenverband, ergänzte: „Die Krankenkassen begrüßen die diesjährige Ausrichtung auf die Zielgruppe der über 65-Jährigen ganz besonders.“ Dort, wo die manuelle Geschicklichkeit nachlässt, stünden spezielle Hilfsmittel wie etwa Zahnbürsten mit Griffhilfen zur Verfügung. Zahnärzte und Prophylaxekräfte, aber auch andere Beteiligte wie Pflegekräfte seien aufgefordert, ältere Patienten entsprechend zu informieren und individuell zu beraten.

„Gehen Zähne verloren, hat dies soziale Auswirkungen, denn Zahnlücken sind heute gesellschaftlich nicht akzeptiert. Aber auch die Funktion des Restgebisses wird gestört, und dort, wo der Kieferknochen nicht mehr belastet wird, bildet er sich zurück. Das gefährdet das gesamte System im Mund und erhöht den Aufwand deutlich, wenn in solch eine ’geschrumpfte’ Region später doch einmal ein Implantat gesetzt werden soll. Insofern ist jeder Zahn, der mit dem Menschen zusammen älter wird und ihm erhalten bleibt, ein großer Gewinn“, sagte Prof. Dr. Ina Nitschke, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnmedizin (DGAZ). Wer mit 65 Jahren in den Ruhestand geht, habe noch eine mittlere Lebenserwartung von rund 20 Jahren. Mit dieser zeitlichen Perspektive relativiere sich der finanzielle Aufwand. Nitschke: „Und wer mit 65 plus noch lange Genuss haben möchte, muss dafür sorgen, dass seine eigenen Zähne so lange wie möglich vital und kraftvoll im Zahnbett stehen – und ein späterer Zahnersatz im Einklang mit den persönlichen Voraussetzungen das Bedürfnis nach Lebensqualität erfüllt.“ Mit der Seniorenzahnmedizin sei ein Gebiet geschaffen worden, das sich den biologischen, medizinischen, sozialen und emotionalen Besonderheiten des älteren und alten Menschen insbesondere im Zusammenhang mit seiner Mundgesundheit widme.

Die DGAZ bietet diverse Fortbildungen an.sf

www.tagderzahngesundheit.de