Studie der Universität Witten/Herdecke und von AXA

Falsche Putztechnik

Eine aktuelle Studie von AXA in Zusammenarbeit mit der Universität Witten/Herdecke zeigt, dass die Deutschen durch mangelndes Wissen und fehlende Konzentration beim Zähneputzen nachlässig sind. Auch wenn die Mehrheit mindestens zweimal täglich zur Zahnbürste greift, putzt das Gros offenbar falsch. Die Jüngeren putzen gut, besitzen aber in der großen Mehrheit kein Bonusheft.

Prof. Stefan Zimmer von der Universität Witten/Herdecke hat die Studie begleitet. Foto: Universität Witten/Herdecke

Zum Studiensdesign: Im Auftrag von AXA und der Universität Witten/Herdecke hat das Marktforschungsinstitut forsa zwischen März und April 2012 eine repräsentative Online-Befragung unter 1 025 Personen zwischen 14 und 69 Jahren in Deutschland durchgeführt.

Kinder putzen richtig – Erwachsene putzen falsch

57 Prozent der Befragten putzen ihre Zähne in kreisenden Bewegungen, was laut Prof. Stefan Zimmer, Inhaber des Lehrstuhls für Zahnerhaltung an der Universität Witten/Herdecke und erster Vorsitzender der „Aktion zahnfreundlich“, die falsche Technik ist: „Eine kreisende Bewegung der Zahnbürste kann das Zahnfleisch verletzen sowie Zahnbelag und Bakterien unter den Zahnfleischrand schieben, wo Entzündungen entstehen können. Außerdem reinigt sie nicht so gut. Die richtige Technik besteht in fegenden und rüttelnden Bewegungen, die das Zahnfleisch schonen und bakteriellen Zahnbelag optimal entfernen.“ Weniger als ein Drittel der Befragten reinigt sich die Zähne demnach richtig (32 Prozent). Zimmer erläutert mögliche Gründe für die falsche Technik: „Die meisten putzen ihre Zähne noch wie in jungen Jahren durch die Eltern oder im Kindergarten gelernt. Für Kinder bis zum Grundschulalter sind kreisende Bewegungen durchaus die richtige, weil einfache Technik. Für Erwachsene jedoch nicht. Der Zahnarzt kann die individuell beste Putztechnik empfehlen.“ Eine wesentliche Erkenntnis sei, dass Zahnärzte in der Unterweisung und Motivierung von Patienten noch viel Arbeit vor sich hätten. Insbesondere die korrekte Putztechnik bei Erwachsenen müsse stärker adressiert werden, so Zimmer.

Ein Teil der Befragten beherrst zwar die richtige Zahnputztechnik, ist allerdings während des Putzens nicht voll bei der Sache. Denn während sich die Befragten über 50 Jahre (78 Prozent) beim Zähneputzen mehrheitlich nur auf diese Tätigkeit konzentrieren, lenken sich besonders die 14- bis 29-Jährigen häufig ab, indem sie beispielsweise durch die Wohnung laufen (31 Prozent) oder an den Tag beziehungsweise die Arbeit denken (25 Prozent). Bei den männlichen Befragten gehören auch das Grimassenschneiden (4 Prozent) und bei den Frauen leichte Gymnastikübungen (4 Prozent) dazu.

Die Dauer des Putzens ist im Bundesdurchschnitt zu gering. Lediglich 40 Prozent aller Befragten nehmen sich für das Putzen ihrer Zähne drei Minuten oder länger Zeit. Darüber hinaus nutzt auch nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten (59 Prozent) „Hilfsmittel“ wie Zahnseide oder Interdentalbürsten für ihre Zahnpflege. Und nur eine Minderheit (11 Prozent) nutzt Zahnseide zur Reinigung der Zahnzwischenräume mindestens einmal täglich.

Vielen Deutschen ist die PZR zu teuer

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die professionelle Zahnreinigung (PZR) ist vielen Deutschen (44 Prozent) schlichtweg zu teuer. Die Vernachlässigung der Zähne aus Kostengründen hält Zimmer für sehr bedenklich und nennt Argumente für das gespräch mit dem Patienten: „Nicht nur die Zahngesundheit steht auf dem Spiel. Füllungen, Kronen und Zahnersatz sowie umfangreiche Eingriffe wie Wurzelbehandlungen sind meist teurer als die Vorsorge selbst.“ Die PZR sei zudem wissenschaftlich bestens untersucht. Es gibt 30-Jahresdaten, die klar zeigen, dass sich mit professionellen Zahnreinigungen in risikoabhängiger Häufigkeit Karies und Parodontitis nahezu vollständig vermeiden lassen. Ein besseres Argument gebe es nicht.

Auch bei der Mundhygiene von Kindern gibt es Verbesserungsbedarf. Jedes zweite Kind zwischen sechs und acht ist laut Studie für die eigene Zahnpflege schon selbst verantwortlich. Zimmer rät jedoch grundsätzlich: „Eltern sollten bis zum neunten Geburtstag des Kindes die Zähne nachputzen, auch wenn das Kind lieber alleine putzen möchte. Besonders die gründliche Pflege am Zahnfleischrand oder die Reinigung der Zahnzwischenräume kann in diesem Alter schlichtweg noch nicht geleistet werden.“ Laut Studie reinigen Kinder ihre Zähne schon früh selbstständig: Bereits Drei- bis Fünfjährige putzen die Zähne selbst. Jedes zehnte Kind ist ganz allein für seine Zahnpflege verantwortlich (11 Prozent) – drei Viertel putzen ihre Zähne mit Unterstützung durch Vor- oder Nachputzen eines Elternteils. Dabei liegt die Handzahnbürste bei den Kleinsten (drei bis fünf Jahre) vorn (65 Prozent) – nur 15 Prozent nutzen eine elektrische Zahnbürste. Die sechs- bis achtjährigen Kinder nutzen sie bereits doppelt so häufig (36 Prozent).

Ein eklatantes Nebenergebnis der Studie: 80 Prozent der 14- bis 29-Jährigen erklärten, dass sie kein Bonusheft hätten, beziehungsweise dieses nicht kennen würden.

Wie es zur Kooperation kam: Im Jahr 2006 erhielt Zimmer den Hufelandpreis, der von der Deutschen Ärzte-Versicherung, einer Tochter der AXA, gestiftet wird. Danach gab es eine Kooperation mit der Aktion zahnfreundlich e.V. Nun ist AXA Mitglied.sf/pm