Leitartikel

Eine wichtige Etappe

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

zum Abschluss des alten Jahres konnte die KZBV eine Regelung durchsetzen, die weitreichende Konsequenzen für die vertragszahnärztliche Versorgung im neuen Jahr entfalten wird: Ab April 2013 greift eine bessere zahnmedizinische Versorgung für Menschen in häuslicher und in stationärer Pflege.

Mit der jetzt im Bewertungsausschuss für zahnärztliche Leistungen erzielten Einigung zwischen der KZBV und dem GKV-Spitzenverband wird es im Leistungskatalog der Kranken- kassen neue Leistungspositionen für die aufsuchende Betreuung von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen und eingeschränkter Alltagskompetenz geben, die nicht mehr oder nur mit großem Aufwand in die Zahnarztpraxen kommen können. Auch das bis dato völlig unzureichend bewertete Wegegeld konnte auf GOZ-Niveau ange-hoben werden und wird zukünftig ebenso wie die Besuchs- und Zuschlagspositionen einer Dynamisierung unterzogen werden (mehr dazu im Bericht „Zusatzleistungen bringen Verbesserungen").

Bis dahin war es ein langer, teilweise mühsamer Weg, der nur in enger Zusammenarbeit von KZBV und BZÄK, Wissenschaft, Fachverbänden, Krankenkassen und Politik zu diesem guten Ergebnis gebracht werden konnte. Im Bewertungsausschuss hat die KZBV mit dem GKV-Spitzenverband zwar hart gerungen, in der Sache ging es aber immer fair und konstruktiv zu. Die Verhandlungen waren geprägt von dem beiderseitigen Bestreben, für die betroffenen Patienten eine verbesserte zahnmedizinische Versorgung zu erreichen und ihnen dadurch ein Stück mehr an Lebensqualität zu bieten. Mit dem nunmehr gesetzlich verbrieften Anspruch dieser Patientengruppen auf eine bedarfsgerechte zahnmedizinische Versorgung konnte ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung getan und deren aufsuchende Betreuung im Rahmen der vertragszahnärztlichen Versorgung deutlich erleichtert werden. Für den Zahnarzt sind Anreize geschaffen worden, mehr Therapie- und Vorsorgeleistungen in die häusliche und in die stationäre Pflege zu bringen.

Dennoch ist das Erreichte nur eine Etappe, wenn auch eine sehr wichtige. Sie ist Teil unseres langfristig angelegten Versorgungskonzepts, um die Alters- und Behindertenzahnmedizin in Deutschland nachhaltig zu verbessern. Unser gemeinsam mit der BZÄK und der Wissenschaft erarbeitetes Versorgungskonzept „Mundgesund trotz Handicap und hohem Alter“ beschreibt unsere Lösungsansätze ganz deutlich und setzt auf einen bedarfsgerechten Leistungskatalog, der dem zahnärztlichen Behandlungs- und Präventionsbedarf von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen umfassend Rechnung trägt. Mit dem Versorgungsstrukturgesetz und dem Pflege-Neuausrichtungsgesetz konnten der besondere Versorgungsanspruch der genannten Patientengruppen gesetzlich verankert und erste neue Leistungspositionen beschlossen werden.

Diese beziehen sich zunächst nur auf den bestehenden GKV-Leistungskatalog im Rahmen der aufsuchenden Betreuung. Was immer noch fehlt, sind maßgeschneiderte Leistungen, die auf den wesentlich größeren und spezielleren Versorgungs- und Präventionsbedarf von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen und eingeschränkter Alltagskompetenz ausgerichtet sind. Die überwältigenden Erfolge der Zahnärzteschaft auf dem Gebiet der Prävention sollten diesen Menschen nicht vorenthalten bleiben, sie haben auch hier Anspruch auf umfassende Teilhabe.

Die jetzt erzielte Einigung im Bewertungsausschuss spornt uns an, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzuarbeiten. Als nächstes steht an, den Auftrag aus dem Pflege-Neuausrichtungsgesetz umzusetzen, nach dem die Kooperation von Zahnärzten mit Pflegeeinrichtungen besonders gefördert werden soll. Anschließend wollen wir den Leistungskatalog zielgerichtet überarbeiten und ergänzen. Ich bin zuversichtlich, dass wir – nicht zuletzt mit Ihrer Unterstützung – auch hier zu guten Ergebnissen kommen werden. Auch und gerade für diese Patienten, die unsere ganze Zuwendung benötigen, werden wir uns weiter einsetzen – hart, aber fair.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Wolfgang Eßer
Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KZBV