Chefarzt-Boni für festgelegte OP-Fallzahlen

Klasse bei weniger Masse

Die Koalition will mit einem neuen Gesetz die Zahl der unnötigen Operationen zeitnah reduzieren. Foto: picture alliance

Quantität und Qualität gehen oft nicht zusammen. Zum Schutz der Patienten will die Koalition durch neue gesetzliche Regelungen unnötige Operationen eindämmen. Dabei geht es den Politikern vor allem um mehr Transparenz bei den Chefarzt-Boni.

Klauseln in Verträgen von Klinik-Chefärzten stehen in der Kritik. Etwa der Medizinische Fakultätentag (MFT) findet strenge Worte: „Bonuszahlungen von Chefärzten müssen von der Zahl der Operationen entkoppelt werden“, heißt es in einer Mitteilung. Nicht hinnehmbar sei, dass Chefärzte für fest- gelegte Fallzahlen honoriert werden. Mit der Einführung diagnosebezogener Fallpauschalen (Diagnosis Related Groups, DRG) hätten sich Kliniken in gewinnorientierte Unternehmen gewandelt. „Statt quantitativer, ökonomisch ausgerichteter Parameter sollten insbesondere medizinisch-qualitative Kriterien als Maßstäbe für die variable Vergütung dienen“, fordern die Vertreter des MFT.

Falsche Anreize

In einem Forschungsprojekt im Auftrag des GKV-Spitzen- verbands zu „Mengenentwicklung und Mengensteuerung stationärer Leistungen“ konstatieren die Autoren vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung: „Der stationäre Bereich der deutschen Gesundheitsversorgung zeichnete sich in den vergan-genen Jahren durch einen starken Anstieg des Casemix aus.“ Dieser Faktor entspricht der Summe aller nach Schweregrad gewichteten stationären Fälle auf DRG-Ebene. Zwischen 2006 und 2010 nahm die Summe aller Casemixpunkte demnach um insgesamt 13 Prozent zu. Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 3,1 Prozent. Die durchschnittliche Fallzahl sei im selben Zeitraum um 8,1 Prozent beziehungsweise im Durchschnitt um 2,0 Prozent pro Jahr gestiegen, wenngleich in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich stark.

Ursächlich dafür könne aus Sicht der Forscher aber nicht allein die alternde Bevölkerung sein. Vielmehr sei der Anstieg der Operationen teilweise ökonomisch motiviert. Die Autoren empfehlen im Ergebnis ihres Projektberichts in erster Linie die Einführung eines Zertifikatehandels unter Beibehaltung des kollektivvertraglichen Rahmens. Zudem sollten regelmäßig mengendynamische dia-gnosebezogene Fallgruppen neu kalkuliert werden. Insbesondere für teure Fälle sollte die Indikationsstellung durch ein Zweit- meinungssystem geschärft werden.

Vertrauen bleibt stabil

Indes bleibt das Vertrauen der Patienten in ihre Ärzte sowie in die medizinische Versorgung in Deutschland hoch. Das bekräftigten jedenfalls 71 Prozent der Befragten in einer repräsentativen Patienten- studie von jameda, Deutschlands größter Arztempfehlungsplattform. 73 Prozent sind demnach davon überzeugt, in Deutsch- land eine gute medizinische Versorgung zu erhalten. An der Studie nahmen 1 024 Patienten teil. Ausführendes Institut war die Tomorrow Focus Media. sf


Info

Zielvereinbarungen

Die Reformen sollen in das „Gesetz zur Weiterentwicklung der Krebsfrüherkennung und zur Qualitätssicherung durch klinische Krebsregister“ eingebracht werden. Die Koalition fordert per Änderungsantrag, dass die Deutsche Krankenhausgesellschaft bis zum 30. April 2013 Empfehlungen zu denjenigen Zielvereinbarungen abgeben muss, bei denen sich finanzielle Anreize auf einzelne Leistungen beziehen.