Anlage in Gold-ETCs

Abgesicherte Glanzpapiere

Die Krise bleibt. In diesen Zeiten dient Gold vielen Anlegern als Absicherung vor möglichen Verlusten. Doch nicht jeder möchte Barren und Münzen zu Hause verwahren. Als Alternative bieten sich Gold-ETCs an. Rechtlich betrachtet sind sie Inhaberschuldverschreibungen, dennoch bieten sie erhebliche Vorteile gegenüber physischem Gold.

Bei ETC-Anlagen kauft man kein Gold, sondern das Edelmetall dient „im Hintergrund“ als Absicherung. Fotos: [M] zm-Fotolia.com

In den ETC-Anlage-bedingungen erfährt der Käufer, wo das Gold von den Banken eingelagert ist. Foto: EyeWire

Gold behält seine Funktion als Krisenschutz auch in 2013. Dies zeigt eine Studie, die die Steinbeis-Hochschule in Berlin im Auftrag des Edelmetallkonzerns Hereaus durchgeführt hat. Danach erachtet jeder Dritte Gold als Teil einer langfristigen Anlagestrategie. 85 Prozent aller Goldbesitzer planen ihr Gold zu behalten. Insgesamt besitzen die Deutschen fast 8 000 Tonnen Gold.

In diesem Jahr dürften noch einige Kilo hinzukommen. Denn Gold bleibt als Depot- Absicherung weiterhin aktuell. Inwieweit die Spekulation die Entwicklung des Goldpreises bestimmen wird, muss sich zeigen. Mit einem so rasanten Anstieg wie in der Vergangenheit rechnet kaum jemand unter den internationalen Experten. Den optimalen Zeitpunkt für den Einstieg haben viele verpasst. Der war in 2001 als der Unzenpreis bei weniger als 300 Dollar lag. Seit 2005 steigt er unaufhörlich. Den Höchststand erreichte er im September 2011 mit 1 920 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Zurzeit liegt er bei 1 654 Dollar (Stand: 8. Januar 2013).

Die Rohstoff-Experten von der Commerzbank rechnen auch in diesem Jahr mit einem steigenden Kurs. Einer von ihnen ist Carsten Fritsche. Für ihn der Hauptgrund: „Die Rahmenparameter ändern sich nicht.“ Gemeint sind die ultra-lockere Geldpolitik der EZB und der amerikanischen Notenbank sowie die Sorge um die Geldwertstabilität. Hinzu kommt eine steigende Nachfrage der chinesischen Mittelschicht. Auch die Kauflust der indischen Bevölkerung, die ein traditionelles Interesse an Goldschmuck besonders zur Hochzeitssaison hat, dürfte wieder anziehen.

Ungebremste Attraktivität als Krisenwährung

Das Angebot wird sich kaum ausweiten. Die Produktion des Edelmetalls leidet unter Streiks der Minenarbeiter, fallenden Erzgehalten und steigenden Kosten. Andererseits halten sich hierzulande die Käufer angesichts der steigenden Preise beim Kauf von Goldschmuck eher zurück. Im Gegenteil, viele nutzen die Gelegenheit und verkaufen, um von den hohen Goldpreisen zu profitieren. Insgesamt aber – darin sind sich die Experten einig – wird der Goldpreis steigen. Die Commerzbank rechnet bereits im ersten Halbjahr mit einem Anziehen auf 1 950 Dollar, wobei Fritsch eine kleine Korrektur nach unten für möglich hält. Auf Jahressicht sieht das Institut den Kurs bei 2 000 Dollar.

Auf 100 Dollar weniger legt sich Thilo Heidrich von der Postbank fest. Er verweist darauf, dass „der Goldpreis sich seit Ende 2011 konstant über dem Platinpreis be- findet, nachdem er zuvor jahrzehntelang daruntergelegen hatte. Das untermauert die Rolle des Goldes als „Krisenwährung“. Und auch der World Gold Council – die globale Lobby-Organisation der Goldindustrie – in London glaubt, dass der Gold- hunger auch in den Schwellenländern noch längst nicht gestillt ist und die inter-nationale Anlegerschaft sich unabhängiger von globalen Reservewährungen wie dem US-Dollar machen will.

Das geschieht mit dem Kauf von Barren oder Anlagemünzen wie Krügerrand oder Maple Leaf. Physisches Gold kaufen vor allem Anleger, die sich vor einem Zusammenbruch des Finanzsystems fürchten und denen das gelbe Metall dann als Zahlungsmittel dienen kann. Wer aber Gold als Mittel zur Krisenabsicherung betrachtet und auf einen weiter steigenden Kurs setzt, kann seine Ziele mit dem Kauf von ETCs verfolgen. Diese Abkürzung steht für Exchange Traded Commodities, was so viel bedeutet wie börsengehandelte Rohstoffe.

Schuldschein mit Absicherung

Im rein rechtlichen Sinn handelt es sich bei den ETCs um Inhaberschuldverschreibungen, vor denen ständig gewarnt wird. Denn ihre Sicherheit hängt ausschließlich von der Bonität des Emittenten ab. Wird dieser zahlungsunfähig und kann die Ansprüche des Wertpapierbesitzers nicht erfüllen, geht der Anleger leer aus. Die Anbieter der Gold-ETCs aber haben ihre Papiere abgesichert, in dem sie echtes Gold einlagern. In den Bedingungen erfährt der Käufer, wo dieses Gold sich befindet.

So lagern die Barren des ETC Gold Bullion Securities bei der HBSC Bank in London. Auf der Homepage des Emittenten findet man die Bestätigung der Kontrolle. Ähnlich verfährt die Bank of Scotland mit ihrem RBS physical Gold ETC. Hier lagert das Gold bei der JPMorgan Chase Bank in London. Ein Informationsblatt der Bank gibt Auskunft darüber, was im Pleitefall mit diesem Gold geschieht. Danach wird an dem hinterlegten Edelmetall ein erstrangiges Sicherungsrecht nach englischem Recht zugunsten eines Treuhänders bestellt. Wird ein Insolvenzverfahren eingeleitet, soll dieser Treuhänder für die Verwertung des Goldes sorgen und mit dem erzielten Erlös die Ansprüche der Anleger zufriedenstellen.

So klar wie bei normalen Fonds allerdings erscheint diese Regelung nicht. Denn das bei Banken verwahrte Gold hat nicht den Status eines Sondervermögens. Bei Aktienfonds beispielsweise fließt das Geld der Anleger in einen Topf, dessen Inhalt als Sondervermögen deklariert ist und im Pleitefall vor dem Zugriff anderer Gläubiger geschützt ist. Allein die Anleger haben Anspruch auf das Geld.

Xetra-Gold-ETCs als Anlagenrenner

Mehr Sicherheit als die üblichen Gold-ETCs versprechen die Anbieter des Xetra-Gold und des Euwax Gold. Xetra-Gold ist der am meisten gehandelte Gold-ETC in Deutschland. Sein Volumen liegt derzeit bei knapp 2,3 Milliarden Euro. Das Papier wird aus- gegeben von der Deutsche Börse Com- modities. Diese eigenständige Gesellschaft kümmert sich ausschließlich um den Vertrieb und die Verwaltung von Xetra-Gold, so dass das Ausfallrisiko stark eingeschränkt ist. Pro Anteilsschein erwirbt der Anleger den Anspruch auf ein Gramm Gold. Entscheidet er später, dass er das edle Metall doch lieber zu Hause oder im Banksafe verwahren möchte, kann er sich die Barren gegen eine Gebühr ausliefern lassen. Er zahlt für die Herstellung und die Lieferung. Die Höhe der Gebühr hängt von der Menge des Goldes ab und beträgt mindestens circa 300 Euro. Sich einen 100-Gramm-Barren schicken zu lassen, lohnt sich nicht. Xetra-Gold rechnet vor, dass erst ab einer Größenordnung von fünf Kilobarren die Auslieferung deutlich günstiger ist als der Direkterwerb von Gold. Zurzeit liegt die Spanne beim An- und Verkauf von Ein-Kilo-Barren bei knapp 900 Euro.

Wie Xetra-Gold funktioniert auch der Euwax Gold ETC der Börse Stuttgart. Mit diesem Papier wollen die Schwaben am Erfolg der Frankfurter Konkurrenten teilhaben. Sie haben das Goldpapier erst im August 2012 aufgelegt. Mit einem Sonderangebot will die Tochter der Börse Stuttgart Holding Anleger locken. Bei ihr ist die Auslieferung der Barren innerhalb Deutschlands (noch) kostenlos. Mit 60 Euro für bis zu 50 Barren gibt sich die LBBW (Landesbank Baden-Württemberg) zufrieden. Die Inhaber des Platino-Gold-Zertifikats können sich die Stücke auf Wunsch ebenfalls liefern lassen. Das gilt auch für Gold Bullion Securities.

Anders als bei den Konkurrenten verzichten die Emittenten von Xetra-Gold und dem Platino-Zertifikat auf Verwaltungs- und Verwahrgebühren. Der Wert des Goldes bleibt unangetastet. Xetra-Gold berechnet den Depotbanken jährlich 0,3 Prozent. Bei kostenpflichtigen Depots gibt die Bank die Kosten einfach weiter an den Kunden. Ist das Depot kostenlos, bleibt die Bank darauf sitzen. Die ING-DiBa hat die Konsequenzen gezogen und hat Xetra-Gold von der Liste gestrichen. Euwax Gold verzichtet auf die Bankgebühr.

Beim Verkauf kassiert Fiskus mit

Interessierte Anleger beauftragen ihre Depotbank mit dem Kauf der Papiere an der Börse. Beim Verkauf hält der Fiskus gern die Hand auf. An Gewinnen beteiligt er sich mit 25 Prozent Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag und eventueller Kirchensteuer. Allerdings gibt es Diskussionen darüber, ob der Anspruch der Finanzämter gerecht-fertigt ist. Besonders stark machen sich die Anbieter von Xetra-Gold und Gold Bullion Securities für mehr Steuergerechtigkeit. Das Argument: Die Anleger haben einen Lieferanspruch auf die Barren. Gewinne bei physischem Gold wiederum sind nach Ablauf der Spekulationsfrist von einem Jahr steuerfrei. Einen Vorteil aber hat die Regelung mit der Abgeltungssteuer doch: Verluste aus den ETC sind mit Dividenden und Zinsen uneingeschränkt verrechenbar.

Der Run auf das Edelmetall dauert nun schon drei Jahre. Wie lange er noch anhält, weiß niemand. Mit möglichen Verlusten bei der Anlage in Gold rechnet jedenfalls Sasa Perovic, Leitender Analyst Zertifikate bei der Ratingagentur Scope. Das gilt seiner Meinung nach weniger für die Sicherheit der Gold-ETCs als vielmehr für das Metall selbst. Anders als die zitierten Rohstoff- analysten glaubt er nicht unbedingt an den permanenten Anstieg des Goldpreises: „In der Vergangenheit hat sich Gold schon als sehr volatil erwiesen. Es besteht die Gefahr einer Blase.“ Gold sollte – so auch die Meinung von Verbraucherschützern und vielen Vermögensverwaltern – nur eine Beimischung im Depot von nicht mehr als zehn Prozent sein.

Marlene Endruweit
Fachjournalistin für Wirtschaft
m.endruweit@netcologne.de


Info

Infos im Netz

Wer sich näher über Gold-ETCs informieren will, findet bei verschiedenen Anbietern Informationen:

• Xetra-Gold: www.deutsche-boerse.com/xetragold

• Euwax Gold: www.boerse-stuttgart.de

• Deutsche Bank
db Physical Gold ETC: www.etc.db.com
Physical Gold Euro Hedged ETC: www.etc.db.com

• ETF Securities: www.etfsecurities.com

• Gold Bullion Securitie: www.etfsecurities.com

• ETFs Physical Swiss Gold: www.etfsecurities.com

• Bank of Scotland RBS Physical Gold ETC: www.rbs.de/markets

• Landesbank Baden-Württemberg - Platino-Gold-Zertifikat: www.platino.lu

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