Zahnärzte ohne Grenzen

Im mongolischen Outback

Andere Umstände: Auch wenn die Räumlichkeiten gewöhnungsbedürftig sind – dank Lupenbrille und Licht kann Kiesewetter Patienten in der Mongolei auf hohem Niveau behandeln. Beim Standard werden keine Abstriche gemacht. Foto: K. Kiesewetter

Krasse Spuren ungenügender Mundhygiene ... Foto: K. Kiesewetter
... sind bei jedem Patienten ersichtlich. Foto: K. Kiesewetter
Akut können die Helfer nur lindern, nicht heilen. Foto: K. Kiesewetter

Der Augsburger Zahnarzt Dr. Konrad Kiesewetter machte sich im Hochsommer 2012 mit zwei Helferinnen aus seiner Praxis und einem Kollegen aus Ulm im Namen von Zahnärzte ohne Grenzen (DWLF) auf in die Mongolei. Die Einsatzorte lagen über 500 Kilometer von der Hauptstadt Ulaanbaatar entfernt.

Die vier Deutschen wurden vor Ort von einem Dolmetscher und einer mongolischen Kollegin begleitet. Letztere sollte überwiegend Zahnstein entfernen und den anderen Helfern bei der Arbeit zuschauen.

Am Einsatzort angekommen, mussten die Behandlungsstühle sowie das gesamte Equipment ausgepackt und aufgebaut werden. Nach kleinen Anlaufschwierigkeiten funktionierte alles soweit. Das Team konnte mit der Arbeit beginnen. Eine Mischung verschiedener Bohrer (alle gebraucht) kamen von einer Kollegin aus Berlin.

Fließend Wasser – Fehlanzeige

Nach einer Woche voller Behandlungen musste alles wieder verpackt und zum zweiten Einsatzort transportiert werden. Autos waren wieder organisiert. Das Team verschlug es nun 100 Kilometer weiter westlich. Gearbeitet, gegessen und geschlafen wurde in Krankenhäusern. Problematisch: Es gab keinerlei fließend Wasser oder feste Toiletten. Dafür Plumpsklos vor beziehungsweise hinter dem Gebäude. Der jüngste Patient – zwei Jahre und drei Monate alt – wurde mit vollständig abgefaulten Schneidezähnen vorgestellt. Die Zahnkronen waren nicht mehr sichtbar. Er litt unter starken Schmerzen. Erst nach einem ausführlichem Gespräch mit dem Vater mittels Dolmetscher stimmte dieser einer Behandlung zu.

Die Menschen vor Ort waren unfassbar freundlich. Die Wünsche wurden den Helfern von den Augen abgelesen. Das Krankenhauspersonal organisierte mehrere Picknick-Ausflüge und brachte die deutschen Gäste zum Empfang zu Verwandten in deren Jurten.

Packen und behandeln

Nach einer Woche hieß es wieder alles zusammenpacken und zurück nach Ulaanbaatar. Etwa 730 Patienten wurden behandelt. Im Durchschnitt waren das etwa 120 Zähne pro Behandlungstag. Dabei wurden 1 277 Lokalanästhetika verbraucht und eine ungezählte Menge an Kompositfüllungen erstellt. All dies ohne ein einziges Röntgenbild. Folgende Instrumente werden vor Ort benötigt: scharfe Hebel nach Bein ver- schiedener Breite, dünne Lindemannfräsen, Zangen zur Wurzelentfernung und Blau- papier plus Halter.

40 andere Zahnärzte wurden zur gleichen Zeit über die Mongolei verteilt und konnten sich gegenseitig assistieren. Die Möglichkeiten für die Hilfe zur Selbsthilfe wurden somit nicht optimal ausgeschöpft.

Dr. Konrad Kiesewetter
Fuggerstr. 7
86150 Augsburg


Info

Kosten

Eine Reise ist nie umsonst. Folgende Kosten sind Dr. Konrad Kiesewetter bei seinem Hilfseinsatz entstanden:

• 65 Euro für einen Ausweis und zwei T-Shirts mit DWLF-Logo
• Kosten für ein amtliches Führungszeugnis und beglaubigte Zeugnisse
• Kosten für entsprechende Impfungen und eine Auslandskrankenversicherung
• eine Spende an DWLF (für Zahnärzte 500 Euro; für Helferinnen 350 Euro)
• 48 Euro für Visa
• 790 Euro für Flüge
• ein Teil der Kosten für Kost und Logis

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