Elternzeit im Ausland

Säugling im Gepäck

ZÄ Steffi Lerch verbrachte ihre Elternzeit mit der Familie in Thailand. Foto: Steffi Lerch

PD Dr. Tomas Jelinek ist Tropenmediziner und reiste mit seinen Kindern in die Ferne. Foto: privat

Das Elterngeld ersetzt seit 2007 das Einkommen in den ersten 14 Lebensmonaten des Kindes, wenn das Kind selbst betreut wird. Diese Elternzeit nutzen viele für einen Aufenthalt im fernen Ausland. Ob USA-Rundreise oder Inselhopping in Thailand – eine gute medizinische Vorbereitung gehört in jedem Fall dazu. zm-Redakteurin Sara Friedrich hat ZA Dr. Steffi Lerch in Thailand getroffen.

Dr. Steffi Lerch (34 Jahre) steht am Strand von Koh Mak (Thailand) im flachen Wasser und hält ihre Tochter Luci (11 Monate) im Arm. Die angestellte Zahnärztin aus Nürnberg reist zwei Monate lang mit ihrer Familie durch Thailand. Mit der älteren Tochter Maja (3) ist das Paar bereits in der Elternzeit quer durch die USA gefahren. Jetzt – wenn auf der Nordhalbkugel Winter ist – sollte es warm sein und friedlich. Da fiel die Wahl auf Thailand – die Thais sind kinderfreundlich und die Preise moderat. Lerch sagt: „Man sollte einen Nachtdirektflug nehmen. Und eine gute Reiseapotheke ist unverzichtbar.“

Unsinnig ist aus Sicht von Lerch, dass eine Abmeldung der Anstellung erfolgen muss und bei Wiedereinstieg nach der Babypause eine Neuanmeldung beziehungsweise Neugenehmigung durch den Ausschuss der KZV notwendig ist. „Nicht nur der Papierkram, auch die Gebühren von mehreren Hundert Euro sind doch erheblich“, meint die Zahnärztin.

Dass Vorbereitung alles ist, bestätigt Dr. Tomas Jelinek, Medizinischer Direktor am Berliner Centrum für Reise- und Tropen- medizin. „Einerseits raten wir zu Vorsicht, wenn es es in Länder gehen soll, die größere Krankheitsrisiken aufweisen. Dazu zählen durch Mücken übertragene Krankheiten oder solche, die über Nahrungsmittel übertragen werden. Extreme Umwelteinflüsse sind ein weiteres Risiko“, erklärt Jelinek gegenüber den zm. Die Sonneneinstrahlung am Äquator könne schon ziemlich heikel werden – selbst für Erwachsene.

Auf der anderen Seite könne man mit einem Säugling fast überall hinfahren. Es müssten eben nur die richtigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Eher zur Vorsicht rät der Tropenmediziner bei Ländern, wo beispielsweise Malaria vorkommt. Hier seien viele schwerwiegende Verläufe im Kleinkindalter bekannt. Von Schwarzafrika rät er ab. Auch Länder mit Denguefieber-Ausbrüchen seien ungeeignet.

Empfehlenswert seien dagegen Länder, die wenig Infektionsrisiken böten. Auch eine entsprechende Infrastruktur, die man in vielen Schwellenländern findet, sei von Vorteil. In Südamerika würde Jelinek beispielsweise deswegen eher Argentinien, Chile oder Brasilien als Destination auswählen als Peru oder Bolivien.

Die Entscheidung hänge aber immer vom Einzelfall ab. Momentan berate sein Team viele Kleinfamilien aus dem Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg, die eine Elternzeit im Ausland planen. Einige wollen einen Trip nach Goa (Indien) unternehmen. Das sei machbar, da sich die Familien vor Ort nicht groß-artig fortbewegen würden. Wichtig: Die Reise vorher mit einem Tropenmediziner durchsprechen. Jelinek: „Wenn nötig, muss geimpft werden. Eine regelrechte Impfpflicht gibt es aber nur in Ländern, in denen Gelbfieber vorkommt. Wer aus Deutschland einreist, hat keinerlei Impfpflichten.“

Die Reiseapotheke sollte auf die Reisepläne abgestimmt werden. Als Grundstock gelte:

• Medikamente gegen Fieber und Kopfschmerzen (Paracetamol); Vorsicht: Zäpfchen können schmelzen – in Eiswasser verfestigen sie sich wieder

• Mittel gegen Hautprobleme (Sonnenschutz 50, Mittel zur Hautrückfettung, Mittel gegen Pilzinfektionen der Haut, Mittel zur Wundversorgung, Pinzetten)

• Mittel gegen Durchfall (kein Immodium – das lähmt als Opiumderivat den Dickdarm und fördert Infektionen, kann bei Kindern zu Darmverschluss führen); gut für Erwachsene ist Eichenrinde

• Mückenschutz (alle effektiven Mückenschutzmittel sind chemisch; DEET ist der Goldstandard)

• Moskitonetz

Der Trend zur Fernreise im Rahmen der Elternzeit scheint stark. „Auf Koh Jum haben wir fast nur deutsche und schwedische Paare in Elternzeit getroffen, berichtet Lerch am Strand. Die Schweden dürfen – anders als in Deutschland – in den ersten drei Lebensjahren des Kindes mehrmals eine Auszeit nehmen. sf

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