Legal Highs

Die Flut der Designerdrogen

Die Kontrolle des Drogenmarkts wird zunehmend schwerer. Der Drogenkontrollrat der Vereinten Nationen warnt in seinem aktuellen Jahresbericht vor einer Schwemme neuer Designerrauschmittel. Vor allem das Internet wird zum Umschlagplatz.

Bunte Verpackung, große Wirkung – Legal Highs wie Spice werden meist über das Internet gehandelt. Foto: picture alliance

Die sogenannten Legal Highs, also psychoaktive Designerdrogen, die (noch) nicht unter die Betäubungsmittelgesetze fallen, bedrohten zunehmend die öffentliche Gesundheit, heißt es im Jahresbericht 2012 des Drogenkontrollrats (INCB). Da die Inhaltsstoffe der Drogen oft nicht verboten seien, werde die Kontrolle immer schwerer. Im Jahr 2011 wurden 49 neue Designerrauschmittel entdeckt. Im Zeitraum 2000 bis 2005 waren es durchschnittlich nur fünf pro Jahr. Die Gesamtzahl der Legal Highs auf dem Markt geht in die Tausende, in Europa kommt jede Woche eine neue Substanz hinzu. Nach Schätzung der Bundesregierung haben circa 400 000 Erwachsene in Deutschland schon einmal solche Drogen genommen.

Internet als Marktplatz

Dabei wird das Internet immer häufiger zum Umschlagplatz, ihren „Stoff“ bestellen die Konsumenten zunehmend im Web. „Das Drogenproblem ist ein echtes globales Problem, das nach einer globalen Lösung verlangt“, sagte INCB-Präsident Raymond Yans. Um den globalisierten Handel einzudämmen, sei die Zusammenarbeit zwischen Regierungen, nationalen Drogenbehörden und internationalen Institutionen essenziell. Der Kontrollrat sieht in Prävention und Aufklärung die Schlüssel, um Bürger vom Missbrauch der Rauschmittel abzuhalten. Denn die Folgen sind enorm gefährlich: Kreislaufzusammenbrüche, Halluzinationen und Orientierungsprobleme kommen vor (siehe auch Titelstory zm 3/2013).

Die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans forderte, „dass Präventions-, Beratungs-, aber auch Behandlungsangebote für alle Suchtkranken weltweit zur Verfügung stehen müssen“. Deutschland unterstütze bereits Ausbildungsprogramme für Polizei und Zoll, Alternativen in Drogen-Anbauregionen und Therapie-Programme. Im vergangenen Jahr hat die Bundesregierung 28 Legal Highs verboten. Doch ändern die Produzenten die chemische Zusammensetzung nur ein wenig, fallen sie nicht mehr unter das Verbot. Deshalb gibt es Überlegungen, statt einzelner Stoffe ganze Stoffgruppen zu verbieten.

In Europa habe sich der Missbrauch in den vergangenen Jahren auf hohem Niveau stabilisiert, heißt es im Bericht. Gerade hier seien Legal Highs ein großes Problem. Die Zahl der Webseiten, die ihre Produkte nach Europa verkaufen, stieg zwischen 2010 und 2012 von 170 auf 690. In Großbritannien stieg die Zahl der Todesfälle, die auf Designerdrogen zurückgeführt werden, innerhalb eines Jahres von acht auf 44 – bei einem insgesamt abnehmenden Trend an Drogentoten. Die meistverbreitete Droge in Europa bleibt trotz des Vormarsches der Legal Highs jedoch mit geschätzten fünf Prozent der Bevölkerung Cannabis.

Medikamente als Problem

Auch verschreibungspflichtige Medikamente werden zunehmend zum Problem. Vor allem in Nordamerika sowie in Süd- und Südostasien hat der Missbrauch laut Bericht stark zugenommen. Aber auch in einigen europäischen Ländern und Südamerika gibt es eine steigende Zahl an Konsumenten. Besonders beliebt sind Medikamente gegen Epilepsie und gegen das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom. Die Medikamente würden laut INCB häufig gespritzt, um die Wirkung zu erhöhen. Dadurch steige für die Konsumenten aber die Gefahr, sich durch verunreinigte Spritzen mit HIV oder Hepatitis B und C anzustecken.

Der weltweit größte Markt für illegale Drogen bleibt nach wie vor Nordamerika. Etwa einer von 20 Todesfällen in der Altersgruppe zwischen 15 und 64 Jahren wird dort mit Drogenkonsum in Verbindung gebracht.