10 Jahre Kinderuniversität Duisburg-Essen

Erstkontakt mit Zahnseide

Unter dem Motto „Au Backe – Warum ist Zähneputzen wichtig?“ hielten Zahnmediziner der Universität Duisburg-Essen ihre Vorlesung für das Unikids-Programm im Rahmen des zehnjährigen Jubiläums der Wissenschaftsveranstaltung für junge Menschen. Eine Erkenntnis: Zahnseide ist längst nicht jedem Kind geläufig.

Dr. Jasmin Schnorrenberg erläutert den jungen Zuhörern die Geheimnisse der Mundhöhle. Foto: Claus Rickert

Die Vorlesungen der Kidsuni an der Uni Duisburg-Essen sind gut besucht. Eltern dürfen nur via Live-Übertragung partizipieren. Foto: Claus Rickert
Das Interesse ist da: Aufgeweckte und motivierte Teilnehmer beim Zahnpflegewettbewerb. Foto: Claus Rickert
Kampfansage an Porphyromonas gingivalis und Streptococcus mutans: Michelle, Stefanie und Milena bewaffnen sich mit einer Zahnbürste. Foto: Claus Rickert

„Unikids“ wurde ins Leben gerufen, damit sich Jugendliche im Alter von acht bis zwölf Jahren schon einmal wie Studierende fühlen können. Jeweils 800 Kinder können die einzelnen Vorlesungen im Audimax in Essen erleben. Die Eltern verfolgen nebenan die Live-Übertragung. Erwachsene haben grundsätzlich nur in Begleitung von Kindern Zutritt. Der Besuch der Veranstaltungen ist für alle kostenlos. Für die nötige Authentizität erhält jeder Teilnehmer einen eigenen Studierendenausweis sowie ein Vorlesungsskript.

Ziel der interaktiven Vorlesungen ist es, das Interesse der Kinder für akademisches Leben zu wecken. Die Fragestellungen im Rahmen der Jubiläumsreihe lauten unter anderem „Superhelden: Hat Spiderman eigentlich Physik studiert?“, „Licht mal anders: Was Laser alles können“ oder „Streit um das Stadtbad: Wer entscheidet?“.

Am 27. Februar dozierten Dr. Jasmin Schnorrenberg und Dr. Jan Daamen unter der Überschrift „Au Backe – Warum ist Zähneputzen wichtig?“ und vertraten damit den zahnmedizinischen Fachbereich. Mit diesen Fragestellungen wendeten sich die Mitarbeiter der Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in Essen an die jungen „Studenten“:

• Wofür brauchen Menschen Zähne?

• Wie entstehen Löcher in den Zähnen?

• Warum bekommt man Zahnschmerzen?

• Was haben Bakterien damit zu tun?

• Was passiert, wenn ich meine Zähne nicht mehr putze?

• Was muss ich tun, wenn ich mir einen Zahn ausgeschlagen habe?

Rund 800 Kinder folgten der 60-minütigen Vorlesung gebannt und beteiligten sich rege. Das Publikum erhielt wissenschaftlich fundierte Einblicke in die Komplexität der Kariesentstehung und ihrer Folgen.

Jugendliche mit Wechselgebiss sind in der besonderen Situation, dass sie sich ohne Hilfe der Eltern um ihre Mundhygiene kümmern müssen. Umso wichtiger ist es, das Bewusstsein für Zähne und deren Pflege zu schärfen. Anhand eines Wettbewerbs wurde den Kindern demonstriert, mit welchen Hilfsmitteln zur Zahnpflege eine suffiziente Oralhygiene erzielt werden kann. Überrascht waren alle Beteiligten und deren Eltern, die der Hauptvorlesung beigeschaltet waren, was für eine große Vielfalt an Zahnpflegeartikeln das tägliche Zähneputzen unterstützen kann. Dabei zeigte sich, dass das Gros der Jugendlichen die Handhabung von Hilfsmitteln wie Zahnseide und Zungenreinigungsbürste nicht kannte. Hier besteht noch großer Aufklärungsbedarf – jeder Zahnarzt sollte an einer Verbesserung des Wissens mitwirken.

Das Thema Zahnspangenreinigung und Zahnpflege bei Multibandapparaturen interessierte die Kinder sehr.

Der Biofilm – komplexe Erfindung der Natur

Die Kinder lernten spielerisch, wie komplex ein Biofilm aufgebaut ist und dass pathogene Keime von der physiologischen Mundflora zu unterscheiden sind. Auch das Thema Notfallmanagement fand riesigen Anklang bei dem aufgeweckten Publikum. Anhand eines Versuchs wurde demonstriert, wie stark Rote-Beete-Saft Wasser verfärbt, vergleichbar mit Blut im Speichel. Die Kinder bekamen eine genaue Anleitung, wie man im Fall eines Frontzahntraumas mit einem avulsierten Zahn zu verfahren hat. Dies ist besonders wichtig, da Kinder in dieser Altersgruppe bei Unfällen häufig nicht mehr in Begleitung von Erwachsenen sind und das gängige Erste-Hilfe-Management denkbar ungünstig für eine mögliche Replantation ist.

Am Ende der Vorlesung stellten Kinder und Eltern ihre Fragen. Die Vorlesung zeigte, wie interessiert Jugendliche auch für komplexe Themen und Fragestellungen rund um die Zahngesundheit sind. Die Durchführung von Aufklärungskampagnen bei Jugendlichen sollte in der Kollegenschaft diskutiert werden. In weiterführenden Schulen werden die Themen Zahnpflege und Mundgesundheit anscheinend vernachlässigt.

Dr. med. dent. Jasmin Schnorrenberg
Dr. med. Jan Daamen
Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Kliniken Essen-Mitte
Henricistr. 92
45136 Essen

Weitere Bilder
Bilder schließen