Leitartikel

Starke Positionen

Foto: bzaek-pietschmann

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

der 27. März 2013 war ein eher unaufgeregtes Datum, dennoch für den zahnärztlichen Berufsstand ein nicht ganz unbedeutendes: Vor genau 60 Jahren wurde in Rothenburg o. d. T. der „Bundesverband der Deutschen Zahnärzte (BDZ)“ gegründet, der Vorläufer der heutigen Bundeszahnärztekammer. Anlass genug für eine kurze Standortbestimmung. Wo steht der Berufsstand? Welche Rolle haben die Kammern in einer sich ständig verändernden Gesellschaft? Und wohin entwickelt sich das Gesundheitswesen – und mit ihm die zahnmedizinische Versorgung?

Seit damals hat sich ein enormer Paradigmenwechsel vollzogen. Die Zahnärzteschaft agiert am Puls der Zeit, nicht nur rein fachlich, sondern auch in ihrer politischen und gesamtgesellschaftlichen Aufgabenstellung. Dabei orientieren wir uns an der konkreten Situation des Versorgungsalltags in den Praxen, stellen uns den dringlichen Herausforderungen im Gesundheitswesen und wappnen uns für sich verändernde Erfordernisse im Rahmen der demografischen Entwicklung.

Auch die Kammerlandschaft ist davon betroffen. Mehr denn je versteht sich die BZÄK heute als moderner, mitgliederorientierter Dienstleister. Wir sind der Dachverband von 17 Kammern, koordinieren gemeinsame Aufgabenstellungen und gleichen unterschiedliche Erwartungshaltungen aus.

Damit sind wir sozusagen zur Gemeinsamkeit verhaftet, auf Konsens gepolt und den Interessen unserer Mitglieder verpflichtet.

Gerade dieser Konsens in der gemeinsamen Selbstverwaltung macht die BZÄK stark, um im Interesse der Kollegenschaft politisch zu agieren. Es geht vor allem darum, das Gesundheitswesen – und unseren eigenen Teilbereich, die zahnärztliche Versorgung – weiterzuentwickeln. In diesem Jahr, dem Wahljahr, werden die Weichen für die Zukunft des Systems gestellt werden. Mit der „Perspektive Zahnmedizin – Gesundheitspolitisches Programm 2013“ der BZÄK (siehe Titelstrecke ab S. 32) liegt jetzt die politische Marschrichtung vor, wie es nach den Vorstellungen der Zahnärzteschaft weitergehen soll. Das Papier ist in breitem Konsens unter Abstimmung mit allen Kammern entstanden.

Garant für ein hochwertiges Versorgungsniveau in Deutschland ist die Freiberuflichkeit der Zahnärzte. Sie ermöglicht es, die notwendigen Diagnose- und Therapieentscheidungen ohne Einwirkung Dritter zum Wohle der Patienten zu treffen. Das Recht des Patienten auf freie Arztwahl ist Ausdruck einer eigenverantwortlichen und selbstbestimmten freiheitlichen Gesellschaft.

Dreh- und Angelpunkt für ein funktionierendes Gesundheitssystem von morgen ist für die BZÄK, das Krankenversicherungssystem demografiefest zu machen. Das kann aus unserer Sicht nur durch eine maßvolle Weiterentwicklung des dualen Gesundheitssystems von GKV und PKV erfolgen. Denn obwohl Problembereiche in beiden Sparten bestehen, hat sich das duale Krankenversicherungssystem in Deutschland bisher bestens bewährt.

Wir plädieren für eine reformierte Dualität. Das heißt, Ziel unserer gesundheitspolitischen Aktivitäten muss es sein, das Nebeneinander aus GKV und PKV insgesamt zu stabilisieren und Tendenzen zu vermeiden, die das Gesundheitssystem weiter vereinheitlichen. Das GKV-System muss von der Einnahmeseite her durch eine nachhaltige Finanzierung sichergestellt werden. Dazu gehört die Diskussion um Grundversorgung, Eigenbeteiligung und kassenseitige Wettbewerbsbedingungen. Der PKV-Bereich muss an ein modernes und privat organisiertes Krankenvollversicherungs-Leitbild der sozialen Marktwirtschaft angepasst werden. Wettbewerbsdefizite sollten im Sinne des Versichertenschutzes beseitigt werden, indem zum Beispiel Mindestkriterien für einen PKV-Leistungskatalog verbindlich definiert werden.

Mit diesen Konzepten und Forderungen arbeiten wir daran, das Gesundheitswesen zukunftssicher zu machen und klinken uns in die politischen Debatten ein. Wir sind zwar 60 Jahre alt, aber kein bisschen leise!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Peter Engel
Präsident der Bundeszahnärztekammer