Geldanlagen

Entspannte Rendite

Die meisten Anleger möchten ihr Geld am liebsten rentabel und sicher anlegen und sich möglichst wenig darum kümmern. Voraussetzung für eine entspannte Rendite sind genügend Informationen und ein wenig Zeiteinsatz für die Gestaltung des Depots. Später reicht es, wenn der Sparer die Gewichtung der Anlagen in regelmäßigen Abständen überprüft.

Für viele Anleger ist das tägliche Beobachten von Börsenkursen kein Vergnügen, sie möchten lieber in Ruhe gelassen werden davon. Foto: MEV

Beim Tagesgeld erfolgt der Zuwachs meist in kleinen, aber stetigen Raten. Foto: MEV
Die Angebote der Banken zur Geldanlage sind mannigfaltig. Information über die einzelnen Produkte tut Not. Foto: Christian Jung – Fotolia.com

Engagierte Zahnärzte lieben ihren Beruf, sie setzen sich für ihre Patienten ein und sind naturgemäß abends bisweilen doch ziemlich erschöpft. Da bleibt wenig Zeit und Energie für die Verwaltung des Vermögens. Der Einfachheit halber hält man sich an die Empfehlungen der Steuer- und Bankberater oder beauftragt gleich einen Vermögensverwalter, der die Sache komplett in die Hand nimmt. Dabei muss eine sinnvolle Anlagestrategie durchaus nicht kompliziert und zeitraubend sein. Finanzberater und Verbraucherschützer Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart meint: „Geldanlage ist längst nicht so komplex wie viele Anleger glauben. Die Banken gaukeln ihren Kunden eine hohe Komplexität vor, um damit die Notwendigkeit von vielen kostenträchtigen Umschichtungen des Depots plausibel zu machen.“ Deshalb ist es wichtig, sich zu Beginn erst einmal einen Überblick zu verschaffen. Denn nur, wenn man die wichtigsten Dinge verstanden hat und deren Funktionsweise durchschaut, lässt sich eine Geldanlage aufbauen, die Bestand hat und wenig Arbeit macht.

Am Anfang steht die Bestandsaufnahme: Wie viel Geld steht zur Verfügung? Welche Risiken will der Anleger eingehen? Erträgt er es, 30 Prozent zu verlieren oder ist ein Verlust von 20 Prozent zu viel? Diese Fragen müssen ehrlich beantwortet werden, bevor es an die Auswahl der Produkte geht.

Das magische Dreieck der Geldanlage

Tatsache ist, dass sich alle Geldanlagen innerhalb eines magischen Dreiecks bewegen.

• Sicherheit

Dabei geht es darum, dass zumindest der Erhalt des eingesetzten Kapitals gewährleistet ist.

• Rendite

Damit ist der Ertrag gemeint, den eine Anlage am Ende abwerfen sollte.

• Verfügbarkeit

Die Frage ist, ob der Anleger jederzeit über das Kapital verfügen möchte oder ob es auch für längere Zeit festliegen kann.

Alle drei Faktoren hängen voneinander ab. Je höher die Sicherheit desto niedriger die Rendite. Je länger eine Anlage dauert, desto höher kann der Ertrag sein. Über einen längeren Zeitraum macht sich vor allem der Zinseszinseffekt bemerkbar. Um allen Ansprüchen gerecht zu werden, kommt es auf den richtigen Mix an. Das Vermögen teilt sich auf in kurz- und langfristige, risikoarme und -reichere Anlagen. Clever ist es zum Beispiel, Aktien und Anleihen im Depot zu halten.

Wenn die Aktien steigen, sinken die Renditen für Anleihen und umgekehrt. Wer alles auf eine Karte setzt, erleidet unter Umständen einen Totalverlust.

Kommode Produkte mit geringem Risiko

Zu den bequemen Anlageprodukten gehören vor allem solche, um die man sich möglichst wenig kümmern muss und deren Risikopotenzial überschaubar ist:

• Zinsanlagen

Die bequemste Form der Anlage ist das Tagesgeld: Es steht jederzeit zur Verfügung und wird höher verzinst als die Einlagen auf dem Sparbuch. Allerdings kann die Bank den Zinssatz jederzeit ändern. Zurzeit dümpeln die Konditionen zwischen stolzen zwei Prozent bei Wüstenrot und 0,25 Prozent bei der Bank von Essen (Stand: 23. März 2013). Natürlich können emsige Anleger Kontohopping betreiben und so immer die höchsten Zinsen ergattern. Bequeme Zeitgenossen suchen sich ein Institut – meistens eine Online-Bank –, deren Konditionen in der Vergangenheit über dem Durchschnitt lagen und bleiben dort. Die Einlagen sind bis 100 000 Euro genauso sicher wie die auf dem Girokonto, vorausgesetzt die Bank hat ihren Hauptsitz in der EU. Bei größeren Summen, empfiehlt es sich zu prüfen, ob das Institut einem zusätzlichen Sicherungssystem wie dem Einlagensicherungsfonds deutscher Banken oder den Sicherungseinrichtungen der Sparkassen und der Volks- und Raiffeisenbanken angehört.

• Festgeld

Diese Form gehört ebenfalls zu den problemlosen Anlagen. Das Geld liegt für einen bestimmten Zeitraum wie zum Beispiel drei bis zwölf oder mehr Monate fest. Dafür zahlt die Bank häufig einen höheren Zins als für Tagesgeld. Diese Regel gilt nicht immer. Wie beim Tagesgeld fallen keine Kosten an. Die Einstiegssumme liegt bei mindestens 1 000 oder sogar 5 000 Euro. Während der gesamten Laufzeit hat der Sparer keinen Zugriff auf das Geld. Derzeit sollte das Kapital nicht länger als zwei bis drei Jahre festliegen. Die Zinsen könnten steigen. Bei besonders guten Angeboten ist Vorsicht angesagt. Es kann sein, dass der erhöhte Zins nur bis zu einer bestimmten Summe, für Neukunden oder mit der Eröffnung eines Depots oder Girokontos verbunden ist.

Wichtig ist auch zu wissen, ob die Zinsen jährlich ausgezahlt oder dem Festgeldkonto gutgeschrieben werden. Bei letzterem verbessert der Zinseszinseffekt die Rendite nachhaltig. Bequeme Anleger müssen nur eines beachten: Sie müssen am Ende der Laufzeit rechtzeitig kündigen. Sonst legt die Bank das Geld automatisch zu vielleicht niedrigeren Zinsen wieder an und der Zugang zum Kapital bleibt versperrt. Derzeit liegen die Konditionen für 10 000 Euro festgelegt auf zwölf Monate zwischen 1,9 Prozent bei mone@you und 0,2 Prozent bei der comdirect (Stand: 23. März 2013).

• Sparbriefe

Mit längeren Laufzeiten und attraktiveren Zinsen sind Sparbriefe ausgestattet. Die Mindestanlage liegt bei 2 500 Euro. Bei der Zinszahlung hat der Sparer die Wahl zwischen drei Varianten: Aufgezinste Sparbriefe werden zu einem bestimmten Nennwert verkauft. Die Zinsen werden erst am Ende der Laufzeit dem Anlagebetrag hinzuaddiert. Abgezinste Sparbriefe funktionieren andersherum. Der Sparer investiert den Nennbetrag minus Zins und Zinseszins. Am Ende der Laufzeit bekommt er den vollen Wert ausgezahlt.

Bei den Sparbriefen mit jährlicher Zinszahlung werden die Zinsen jeweils am Ende des Jahres gutgeschrieben. Besonders vorteilhaft ist es, wenn die Zinsen dem Sparbrief zugefügt und nicht ausgezahlt werden. So ergibt sich auch hier ein schöner Zinseszinseffekt. Wie bei Festgeld muss der Sparer bis zum Ende der Laufzeit durchhalten, um wieder über sein Kapital verfügen zu können. Ein Plus in puncto Bequemlichkeit aber hat die Anlage: Die Laufzeit endet automatisch wie vereinbart. Eine gesonderte Kündigung ist nicht erforderlich. Die Konditionen liegen zurzeit für 20 000 Euro für drei Jahre zwischen 2,15 Prozent bei der Deniz Bank und 0,3 Prozent bei der 1822 direkt (Stand: 23. März 2013).

• Wertpapiere

Bequeme Anleger, die sich mit den niedrig verzinsten Produkten nicht zufriedengeben wollen, müssen größere Risiken eingehen, wenn sie höhere Renditen erzielen wollen. Gelingen kann das mit Aktien und Anleihen. Doch kaum ein sich zur Faulheit bekennender Anleger wird sich täglich um den Kursverlauf seiner Aktien kümmern wollen.

Als Lösung empfehlen sich ETF. Das sind börsengehandelte Indexfonds. Im Gegensatz zu aktiv gemanagten Fonds wählt bei den ETF kein Manager die Papiere für den Fonds aus. Der ETF richtet sich einfach nach einem Index wie dem Dax oder dem Welt-index MSCI World.

ETF, die einen Rentenindex abbilden, enthalten Anleihen statt Aktien. Ihr Wert schwankt weitaus weniger als die Kurse der Aktien. Ein Mix aus Renten- und Aktienindizes gewährt eine ansehnliche Rendite mit kontrollierbarem Risiko. Allerdings sollte der Anleger dafür einen längeren Atem haben. Zehn Jahre empfehlen die Experten von Finanztest. So können sich auch Verluste wieder ausgleichen. Finanztest hat die Entwicklung von drei verschiedene Risiko-varianten (75 Prozent Anleihen, 50 Prozent Anleihen und 25 Prozent Anleihen) über den Zeitraum von 1999 bis 2012 beobachtet. Trotz Krisen und Börsencrashs ergaben sich Renditen zwischen drei und fünf Prozent.

Sicherheit versprechende Renten-ETF enthalten einen Index auf sichere Staatsanleihen. Sich dabei auf Deutschland zu konzentrieren schmälert die Rendite. Besser ist, einen Index zu wählen, in dem Anleihen aus verschiedenen europäischen Ländern enthalten sind. Dazu gehört der Index iBoxx Sovereigns Eurozone. Er enthält Staatsanleihen von elf ausgesuchten Euroländern.

Bei den Aktien-Indizes deckt man mit dem MSCI World das gesamte Spektrum ab. Ausschließlich europäische Aktien stecken im MSCI Europe. Wer mehr wagt, interessiert sich für Schwellenländer und investiert in den MSCI-Emerging-Markets-Index. Einmal zusammengestellt, macht das Depot kaum Arbeit. Einige Male im Jahr überprüft der Anleger die Gewichtung der Risiken. Ist zum Beispiel der Wert der Aktien-Papiere gestiegen und hat deren Anteil am Gesamtdepot zugenommen, sollte er einen Teil verkaufen und den Erlös in Renten-ETF stecken. Dann stimmen die Verhältnisse wieder.

• Sachwerte

Viele Zahnärzte besitzen bereits Immobilien, sei es das Einfamilienhaus oder ein Mietobjekt. Damit dürfte dieser Teil der Streuung abgedeckt sein. Wer dem Geschick der Eurostrategen und Nationalbankmanager misstraut, kann seinem Sicherheitsbedürfnis mit dem Kauf von Gold nachkommen. Hat der Kurs des Edelmetalls in den vergangenen Wochen aufgrund der Ruhe an der Euro- krisenfront nachgegeben, zieht er jetzt wieder an. Gold wirft keine Zinsen ab, Rendite gibt es nur über die Preissteigerung. „Aber“, so Verbraucherschützer Nauhauser, „Gold ist das älteste Zahlungsmittel der Welt. Es wird jede Währungskrise überstehen.“

Erst verstehen, dann investieren

Wie sich die bequeme Vermögensanlage letztendlich zusammensetzt, hängt natürlich von der Summe ab, die zur Verfügung steht. Andrea Heyer, Referatsleiterin für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Sachsen in Leipzig, hält noch grundsätzliche Ratschläge bereit: „Bei einem kleinen Vermögen steht die Sicherheit im Vordergrund. Bei größeren Summen sollte man auf verschiedene Anlageklassen setzen und wenn möglich auch innerhalb dieser nochmals aufteilen.“

Als absolutes Tabu gelten Produkte, die der Anleger nicht versteht. Auch geschlossene Fonds, bei denen der Totalverlust nie ausgeschlossen ist, gehören auf die Streichliste. Verlockend hohe Renditen und Steuerspar-Argumente machen misstrauisch. Verlassen kann der Anleger sich nur auf sich selbst.

Marlene Endruweit
Fachjournalistin für Wirtschaft
m.endruweit@netcologne.de

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