Investition in Immobilien

Vom Zinsniveau profitieren

Wer sich wegen der derzeit niedrigen Kreditzinsen für den Kauf einer Immobilie interessiert, tut gut daran, gut vorbereitet in Gespräche mit der Bank zu gehen. Foto: KfW Bildarchiv

Zahnärzte als Bauherren wird es freuen: Die Zinssätze für Hypothekendarlehen befinden sich derzeit auf dem niedrigsten Stand seit den Achtzigerjahren. Gute Zeiten also für Investitionen. Mit der richtigen Strategie klappt’s auch.

Wer sich heute – eine akzeptable Kreditwürdigkeit vorausgesetzt – für eine Immobilienfinanzierung interessiert, zahlt bei einer fünf-jährigen Zinsbindung durchschnittlich rund 2,9 Prozent Zinsen pro Jahr. Bei einer zehnjährigen Zinsbindung sind es mit durchschnittlich rund 3,6 Prozent nur unwesentlich mehr. Dieser Trend, so erfreulich er für Kreditnehmer sein mag, ist aber nach wie vor mit erheblichen Unsicherheiten versehen. Durch die enorme „Geldschwemme“ der Zentralbanken an die Kreditinstitute vor Ort baut sich nach und nach die nicht zu unterschätzende Gefahr einer Inflation auf:

Bleibt es bei den Hinweisen der Bankinstitute, dass an einer Kreditklemme nichts dran sei und sich an der Bereitschaft zur Kreditvergabe auch zukünftig nichts ändern werde, dürfte Folgendes passieren: Die stabile Kreditvergabe wird die gesamtwirtschaftliche Nachfrage sowohl bei den Investitionen als auch beim Konsum stimulieren.

Bestätigt sich diese Prognose, ist damit zu rechnen, dass die Zentralbanken gegensteuern und ihrerseits für wieder steigende Zinssätze sorgen werden, um Gelder dem Wirtschaftskreislauf zu entziehen. Zahnärzte, die sich derzeit mit konkreten Plänen zum Kauf oder Bau eines Gebäudes oder einer Wohnung befassen, können durch dieses attraktive Zinsniveau aber nach wie vor profitieren. Wie lange dies so sein wird, steht jedoch in den Sternen.

Vertrag auf Details prüfen

Die, die sich dieses Zinsniveau sichern wollen, sollten im Vorfeld einer solchen Entscheidung einige Punkte beachten. So sind die genannten Zinssätze Durchschnittssätze und dienen lediglich einer ersten Orientierung. Zinsvergleiche sollten immer auf die individuellen Verhältnisse abgestimmt sein:Wichtige Faktoren, wie die Höhe des Eigenkapitals, die Zinsbindung, die Tilgungshöhe und die realistische Einschätzung der eigenen monatlichen Belastung durch Zins- und Tilgungsraten können zum Teil großen Einfluss auf den Effektivzins der Finanzierung haben.

Wichtig sind zudem Fragen zum Darlehensvertrag, die vom Kreditgeber verbindlich beantwortet werden sollten. Hierzu zählen: Sind kostenlose vorzeitige Tilgungen möglich? Darf die Bank das Darlehen eventuell weiter verkaufen? Können die Tilgungsraten vom Kreditnehmer während der Vertragslaufzeit verändert werden?

Außerdem sollte damit gerechnet werden, dass nach Ablauf der jeweiligen Zinsbindung ein weitaus höherer Zinssatz als heute in Kauf genommen werden muss. Die Monatsbelastung könnte also in der Zukunft erheblich steigen. Man ist daher gut beraten, die jeweiligen mittel- und längerfristigen Liquiditätsberechnungen auch unter diesem Gesichtspunkt durchzuführen.

Zahnärzte als Geldanleger werden dagegen kaum etwas Positives an dieser Zinsentwicklung finden. Auch hierzu ein Vergleich: Lagen die Tagesgeldzinsen in 2008 noch bei rund vier Prozent, können sich Sparer heute schon fast darüber freuen, wenn ihnen ihre Bank noch eine Rendite von einem Prozent anbietet. Daher sollte vorsichtig agiert werden, wenn jetzt noch Gelder in mittel- oder sogar langfristige Anlageformen investiert werden. Steigen die Zinsen nämlich tatsächlich wieder, muss bei längerfristigen Anlagen – vor allem bei festverzinslichen Wertpapieren – mit Kursverlusten gerechnet werden, wenn diese Titel vorzeitig verkauft werden. Daher kann es durchaus wichtiger Teil einer Anlagestrategie sein, sich nach wie vor mit geringen Zinssätzen zu begnügen, um dann bei einer möglichen Zinskorrektur aus- beziehungsweise in höhere Zinssätze umsteigen zu können.

Eine Anmerkung zu Aktien: Zahnärzte, die bereit sind, einen längeren Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren mit allen bis dahin möglichen Aktienkursschwankungen hinzunehmen, können durchaus einen akzeptablen (geringeren) Teil ihres Barvermögens in Aktien wirtschaftlich erfolgreicher Unternehmen investieren. Ob es sich dabei um einen unmittelbaren Erwerb von Aktien, um Aktienfonds oder um Zertifikate beziehungsweise um ähnliche Finanzinvestitionen handelt, muss nach der Analyse der eigenen Spekulationsbereitschaft individuell entschieden werden.

Michael Vetter
Fachjournalist für Wirtschaft
vetter-finanz@t-online.de