IDS Messebericht

Prävention und Restauration – zwei Seiten einer Medaille

Computergestützte Restaurationssysteme waren wieder einmal zentrales Thema der Internationalen Dental-Schau. Doch auch für Diagnostik, Prävention und andere Bereiche werden digitale ebenso wie analoge Produkte weiterentwickelt. Insgesamt gab es vom 11. bis zum 15 März 2013 in Köln wieder ein Feuerwerk an Innovationen. Die weltweite Leitmesse für Zahnmedizin und Zahntechnik präsentierte zudem wie gewohnt Rekorde bei Aussteller- und Besucherzahlen – trotz des widrigen Wetters an den ersten Messetagen.

Großer Andrang: Auch die IDS 2013 war eine Rekordmesse, mit rund 125 000 Besuchern aus 150 Ländern. Foto: Koelnmesse

Besuchermagnet Nummer eins war eine täuschend menschliche Roboterpatientin von Morita für die studentische Ausbildung. Foto: Jan H. Koch
In den „kleinen“ Hallen dominierten Unternehmen aus weniger bedeutenden Dentalländern. Neben reichlich CAD/CAM-Systemen und Implantaten waren dort auch ganz normale Behandlungsplatz-Ausrüstungen, Instrumente und Verbrauchsmaterialien zu sehen. Foto: Jan H. Koch
Mit einer neuen Applikation erhalten die Patienten Empfehlungen für geeignete Interdentalbürsten, bezogen auf einzelne Approximalräume. Foto: TePe
Die umfangreichen Gesprächsmöglichkeiten sind einer der wichtigsten Gründe für einen IDS- Besuch (Beratung am Stand von Oral B). Foto: Jan H. Koch
Variable Putzbewegung: Mit einer neuen Schallzahnbürste wird am Zahnfleischrand „mittelschnell“ und „massierend-zirkulierend“ gereinigt, auf den Kauflächen dagegen „schnell“ und „von oben nach unten pulsierend“. Foto: Gaba
Mithilfe von Farbpigmenten und blauen LEDs können Zahnstein und Plaque während der Belagentfernung mit einem neuen Ultraschallgerät dargestellt werden. Foto: Acteon
Spezielle Pflege-Sets helfen Patienten bei der häuslichen Implantatpflege. Foto: Curaden
Ein digitales Transilluminationssystem erlaubt eine zuverlässige und strahlungsfreie Diagnostik (Kavo). Im Beispiel ist distal eine Dentinkaries erkennbar. Foto: Jan H. Koch
Ein neues Fissurenversiegelungsmaterial sendet kein Fluoreszenzsignal und erlaubt daher laut Anbieter eine problemlose Kariesdiagnostik. Die Markierung „1,3“ im rechten Bild wurde von einer Sekundärkaries unter dem Versiegler hervorgerufen. Foto: Voco
Ein neues Fissurenversiegelungsmaterial sendet kein Fluoreszenzsignal und erlaubt daher laut Anbieter eine problemlose Kariesdiagnostik. Die Markierung „1,3“ im rechten Bild wurde von einer Sekundärkaries unter dem Versiegler hervorgerufen. Foto: Voco
Kleine Entdeckungen: Mit diesem Gerät lassen sich über den Luftanschluss zum Beispiel Inlays mithilfe von Unterdruck einsetzen oder aus dem Mund entnehmen (www.suki-dental.com). Foto: Jan H. Koch
Farbe ist angesagt: Moderne zahnärztliche Teams sind auch für modische Gimmicks offen. Das Haartuch ist zumindest hygienisch sinnvoll. Foto: Jan H. Koch
Lächeln per Knopfdruck: In Köln konnte man den Eindruck gewinnen, dass für ein schönes Lächeln nur noch technische Wunderapparate notwendig sind. Foto: Jan H. Koch
Mithilfe einer speziellen Software lassen sich orthognathe Eingriffe simulieren, hier eine LeFort-1-Operation mit Vorverlagerung und Kaudalrotation der Maxilla. Die Auswirkung des Eingriffs auf das Weichgewebsprofil ist an der farblich kodierten Gesichtskontur erkennbar. Fotos: Materialise
Mithilfe einer speziellen Software lassen sich orthognathe Eingriffe simulieren, hier eine LeFort-1-Operation mit Vorverlagerung und Kaudalrotation der Maxilla. Die Auswirkung des Eingriffs auf das Weichgewebsprofil ist an der farblich kodierten Gesichtskontur erkennbar. Fotos: Materialise
Auch das ist IDS: Mit diesen Uhren und Telefonen im Empfangsbereich fühlt sich jeder Patient sofort willkommen. Foto: Jan H. Koch

Dr. Jan Koch

Basis für die orale Gesundheit ist die häusliche Mundhygiene. Nach einer Studie der Aktion zahnfreundlich e.V. putzen jedoch die meisten Erwachsenen ihre Zähne zu schnell und mit falscher Technik. Folgen sind ein ungenügendes Putzergebnis, gingivale Entzündungen oder Rezessionen. Experten empfehlen daher für weniger geschickte oder motivierte Patienten elektrisch betriebene Zahnbürsten, bei freiliegenden Zahnhälsen mit schonender Schalltechnik. Auf der IDS war ein breites Spektrum manuell und maschinell betriebener Zahnbürsten zu finden. Neu ist eine Schallbürste von Colgate/GABA, bei der Geschwindigkeit und Bewegungsmuster des Bürstenkopfs in Abhängigkeit von der Position des Bürstenkopfs am Zahn variieren. So wird zum Beispiel am Zahnfleischrand „mittelschnell“ und „massierend-zirkulierend“ gereinigt, auf den Kauflächen „schnell“ und „von oben nach unten pulsierend“.

Die etablierten Anbieter Procter Gamble/Oral B und Philips haben die Bürstenköpfe ihrer elektrischen Zahnbürsten modifiziert und offerieren eine Reihe neuer alters- und indikationsabhängiger Varianten, jeweils mit dem Versprechen einer besseren Reinigung als mit den bisherigen Produkten. Weiterhin gibt es Ultraschall-Zahnbürsten (Emmi Ultrasonic, Prevdent), die laut Anbietern mit bis zu 96 Millionen Luftschwingungen arbeiten (Schall: 30 000). Bewegungs- und drucklos sei damit eine bessere Reinigungsleistung erreichbar als mit anderen Methoden. Klinische Studien werden in den ausgewerteten PR-Texten nicht genannt.

Von Oral-Kärchern und Interdental-Apps

Karies und parodontale Entzündungen treten approximal besonders häufig auf. Daher könnten maschinelle Alternativen dafür sorgen, dass Patienten ihre Interdentalräume häufiger und effektiver reinigen als mit der technisch anspruchsvollen Zahnseide. Dafür gibt es eine Reihe elektrisch betriebener Geräte, die sich ohne Anspruch auf technische Korrektheit als „orale Kärcher“ bezeichnen ließen. So kann mit einem Produkt laut Anbieter das gesamte Gebiss in nur 30 Sekunden interdental gereinigt werden, ein positiver Effekt auf die gingivale Gesundheit sei klinisch nachgewiesen (Philips). Ein Mitbewerber verspricht im Analogieschluss einen gesundheitlichen Nutzen für Diabetes-Patienten (Waterpik).

Wem handbetriebene Interdentalbürsten lieber sind, kann ebenfalls auf Weiterentwicklungen zurückgreifen, zum Beispiel auf Produkte mit verlängertem, ergonomisch geformtem Griff (Sunstar).

Schließlich steht präventionsorientierten Praxen eine sehr spezielle Applikation (App) zur Verfügung. Mit dieser können individuell für alle Approximalräume geeignete (manuelle) Interdentalbürsten eines Herstellers ausgewählt werden, die Empfehlung wird dem Patienten per E-Mail zugestellt (TePe). Sinnvoll erscheint eine Öffnung dieser App für andere Mundhygiene-Hilfsmittel wie zum Beispiel Zahnbürsten und Zahncremes, unabhängig vom Anbieter. Fluoridhaltige Zahncremes werden traditionell als Allround-Produkte angeboten, die gegen „Karies, Parodontose und Mundgeruch“ helfen. Eine neue, auf der IDS vorgestellte Zahncreme mit Zinnfluorid wirkt laut Anbieter sowohl gegen Karies als auch gegen Gingivitis, zudem gegen „schlechten Atem“, Überempfindlichkeit und Erosionen (Procter Gamble/Oral B). Zugleich werde durch eine Schutzschicht aus Natrium-Hexametaphosphat Verfärbungen und Zahnsteinbildung entgegengewirkt. Der Wasseranteil sei reduziert, so dass das Zinnfluorid besser bioverfügbar sei als bei anderen Produkten mit diesem Inhaltsstoff. Interessant ist der Hinweis, dass zinnhaltige Kräuter bereits vor Jahrhunderten eingesetzt wurden.

Hilfe bei Parodontitis und Periimplantitis

Für die häusliche oder auch professionelle Therapie von Gingivitis und Parodontitis werden vor allem Chlorhexidin-Präparate empfohlen, neuerdings auch in Kombina- tion mit schmerzstillenden Pasten zur subgingivalen oder äußerlichen Applikation (Kreussler) oder Zahncremes mit pflanzlichen Inhaltsstoffen (Glaxo SmithKline). Eine Zahncreme mit Triclosan wirkt nachweislich positiv auf die parodontale Wundheilung nach Full-Mouth-Debridement (Colgate). Ein günstiger Effekt auf die Mundflora wird einer neuen mikrosilberhaltigen Zahncreme zugeschrieben (Merz Dental).

Auch für die Therapie einer periimplantären Mukositis werden zahlreiche professionell und häuslich anzuwendende Produkte angeboten. Klinische Studien zu deren Wirksamkeit sind jedoch noch kaum verfügbar, so dassdie Belagsentfernung und – bei einer Periimplantitis – gegebenenfalls regenerative Maßnahmen die Therapiebasis bilden. Mit regelmäßiger professioneller Zahn- und Implantatreinigung bei einer gut ausgebildeten Fachassistentin oder Denthalhygienikerin können Patienten mit periimplantären Entzündungen und Attachment-Verlusten vorbeugen.

Für die professionelle Belagsentfernung stehen unter anderem Schall- und Ultraschallgeräte zur Verfügung (zum Beispiel Dürr Dental, Mectron, WH; neu mit Plaque- Anfärbung: Acteon), und für die Erhaltungstherapie Pulverstrahl-Geräte mit niedrig-abrasivem Glycin-Pulver (zum Beispiel EMS, NSK) oder Geräte für die photodynamische Therapie (zum Beispiel Bredent, Cumdente, Loser). Für die Oberflächenbearbeitung von Implantaten können spezielle Karbon- und Titan-Schallspitzen oder im Winkelstück anwendbare Titanbürsten (Tigran) eingesetzt werden. Zur häuslichen Anwendung gibt es Pflege-Sets mit spezieller Zahnseide und Interdentalbürsten (Curaden), gegebenenfalls ergänzt durch Chlorhexidin-Gele (zum Beispiel Ivoclar Vivadent).

Von Paro- und Kariesdiagnostik

Von analogen Bürsten und Cremes zurück zur digitalen Zahnheilkunde: Eine Multifunktions-Intraoralkamera enthält einen speziellen Perio-Modus, mit dem Plaque, Zahnstein und Gingivitis erkennbar werden (Acteon). Mit einer digitalen Sonde lässt sich der Parodontalstatus aufzeichnen und dokumentieren (Orangedental), die Einbindung in gängige Praxissoftware-Pakete ist angekündigt. Standardisierte, computergestützte Dokumentationsmöglichkeiten sind für MMP8-Entzüdungsmarker- oder PCR-basierte Tests noch nicht verfügbar.

Karies entsteht initial unter einer intakten Oberfläche und schreitet häufig unbemerkt fort. Umso wichtiger ist eine gute Diagnostik, die den kariösen Prozess in einem möglichst frühen Stadium aufdeckt. Dies gelingt zum Teil auch ohne Röntgenstrahlung, zum Beispiel mit einem im vergangenen Jahr eingeführten digitalen Transilluminationsgerät (KaVo). Die Diagnose stimmt sehr weit- gehend mit dem radiologischen und auch mit dem klinischen Befund überein. Klar abgrenzbar ist eine Schmelz- von einer Dentinkaries. Mit regelmäßigen Messungen lässt sich der Verlauf digital dokumentieren, jedoch technologiebedingt nicht mit Zahlenwerten. Da die Pulpa nicht darstellbar ist, kann das Fortschreiten der Karies innerhalb des Dentins nicht mit den gängigen Codes bestimmt werden.

Am Rande der IDS trafen sich renommierte Experten aus den Bereichen Kariesdiagnostik, Prävention und mikroinvasive Füllungstherapie zu einem Erfahrungsaustausch. Thema waren unter anderem aktuelle Möglichkeiten der Frühintervention, zum Beispiel mit Kariesinfiltration oder einem neuartigen Peptid, das in wässriger Lösung auf die intakte Oberfläche kariöser Initialläsionen aufgetragen wird und in der Tiefe den Aufbau neuer Schmelzkristalle steuert. Das Produkt kommt in den nächsten Monaten in Deutschland und in der Schweiz auf den Markt (Credentis).

Um Fissurenversiegelungen zuverlässig auf Rand- oder unterminierende Karies untersuchen zu können, arbeiten die Unternehmen Voco und Dürr zusammen. Ein neues Fissurenversiegelungsmaterial (Voco) ist in seiner Zusammensetzung so eingestellt, dass es nicht auf das Signal einer Fluoreszenzkamera (Dürr) reagiert und damit eine falschpositive Diagnose ausschließt. Ein anderes Fissurenversiegelungsmaterial enthält einen selbstätzenden Primer, der separates Anätzen erübrigt (Shofu). Zusätzlich gibt es eine ultradünne Applikationskanüle, die das Einbringen auch in sehr feine Fissuren erleichtern soll. Für ein anderes Produkt mit laut Anbieter hydrophilen Eigenschaften wird eine Bürstenspitze verwendet, die die Applikation ebenfalls erleichtern soll (Ultradent Products).

Ein selbstätzendes, selbstadhäsives Flow-Komposit gibt es bereits seit zwei Jahren (Kerr), nun bietet DMG eine eigene Version an. Die Scherhaftfestigkeit am Dentin ist nach Anbieter-Informationen höher als beim Mitbewerberprodukt und liegt im Bereich von einigen Kombinationen aus Komposit und selbstätzenden Bondingmaterialien. Damit könnte ein weiterer Schritt auf dem Weg zum selbstätzenden und selbstbondenden Komposit gelungen sein. Gewöhnungsbedürftig ist aber noch die Tatsache, dass das Material nach der Kanülenapplikation mit einem Pinsel wie ein Adhäsiv (oder ein Fissurenversiegler) einmassiert werden muss.

Neu vorgestellt wurde in Köln auch ein glasfaserverstärktes Komposit für die direkte Füllungstherapie. Anders als Produkte mit separaten Fasern, die zum Beispiel für direkte Brücken verwendet werden, handelt es sich dabei laut Anbieter GC Europe um einen Dentinersatz. Vorteil soll eine höhere Festigkeit bei der Versorgung großer Kavitäten sein. Bulk-Fill-Komposite, dem Namen nach Ein-Schicht-Füllungsmaterialien, waren eines der Messe-Highlights im Jahr 2011 (Pionier: Dentsply DeTrey). Hier gibt es nicht viel Neues zu vermelden, doch hat Ivoclar Vivadent seine Marketing-Strategie stärker auf die Polymerisationssicherheit seines Materials ausgerichtet. Nach eigenen Untersuchungen ermöglicht der verwendete hochempfindliche Lichtinitiator eine sichere Aushärtung auch bei großem Abstand oder starker Abwinkelung des Lichtleiters im Verhältnis zur Füllungsoberfläche. Klinisch relevant sind auch Viskositätsunterschiede zwischen den Produkten, die entweder zu einer Selbstnivellierung oder zu einer von konventionellen Kompositen gewohnten Modellierbarkeit führen. Für die Modellation stellte Ivoclar Vivadent neuartige Instrumente vor, auf die schaumartige Polster mit Antihaft-Effekt gesteckt werden. Diese sind in unterschiedlichen Größen erhältlich und erlauben ein schnelles Modellieren von Kompositen.

Ein Veneer-System mit konfektionierten Hybridkomposit-„Schalen“ wurde um spezielle Komponenten für Klasse-V-Defekte erweitert (Coltène). Ein Anwenderbericht macht deutlich, dass ein kürzlich eingeführtes hybridkeramisches Material (3M Espe) für große Seitenzahndefekte indiziert ist, die mit direkten Kompositen nicht mehr sicher therapierbar sind. Einen ähnlichen Indikationsbereich dürfte eine in Köln präsentierte zirkonverstärkte Glaskeramik aufweisen, die als Blockmaterial für labor- gestützte (Degudent, Vita) oder Chairside-Systeme (Dentsply DeTrey) einsetzbar ist. Im Vergleich zu klassischen Blöcken aus Sinterkeramik haben sie eine deutlich erhöhte Festigkeit, die laut Anbietern im Bereich von Lithiumdisilikatkeramik liegt, allerdings erst nach dem Brennen. Im Bereich Chairside-Fertigung stellte sich in Köln ein neuer Mitbewerber für Cerec vor (Carestream Dental).

Auch im Kleinen gibt es immer wieder nützliche Innovationen zu entdecken. So steht für die Präparation distaler Molaren – laut Anbieter erstmals – ein Rotring-Winkelstück mit 45-Grad-Abwinkelung zur Verfügung (NSK Europe). Im Bereich Endodontie präsentierte Dentsply Maillefer ein weiterentwickeltes Feilensystem mit von Instrument zu Instrument abweichender Konizität. Laut Anbieter werden in der Regel nur noch ein bis zwei Feilen benötigt, ein Merkmal, das auch für eine Reihe anderer Systeme postuliert wird (zum Beispiel Komet, Micro-Mega). Ein weiteres erstmals auf der IDS präsentiertes Feilensystem von Sybron Endo arbeitet mit dem abgestimmten Motor entweder reziprok oder rotierend, automatisch und abhängig von der Widerstandskraft, die auf die Feile wirkt.

Intraoralscanner als Flaschenhals

Der Flaschenhals der digitalen Integration ist und bleibt der vom Zahnarzt einzusetzende Intraoralscanner. Das gilt auch nach Markteinstieg weiterer Laboranbieter (zum Beispiel Goldquadrat/R+K CAD/CAM), der wie 3shape und Heraeus offenbar über eigene Intraoralscanner Zahnärzte für diese Technologie gewinnen will. Wie die neu vorgestellten Scanner sind auch zwei neue Videosysteme zur intraoralen Abformung (3M Espe, Sirona) kleiner, leichter, schneller und auch preisgünstiger als bisher. Das Sirona-Gerät gibt es für knapp 15 000 Euro,

laut Anbieter ohne Zusatzkosten. Die weiterentwickelte Kamera von 3M Espe ist in den USA für knapp 12 000 US-Dollar erhältlich, allerdings mit zusätzlichen monatlichen Datentransferkosten von circa 200 US-Dollar. Beide Videokameras haben ein Handstück, das in der Größe etwa einer Intraoralkamera entspricht – also ein großer Fortschritt gegenüber bisherigen Intraoralscannern. Offenbar müssen die abzufilmenden Bereiche aber nach wie vor mattiert werden.

Zudem lassen sich subgingivale oder mit Blut und Speichel bedeckte Bereiche nach wie vor nicht darstellen, und bei größeren Kieferabschnitten mangelt es an Präzision. Daher scheint das Urteil des Münchner Prothetikers PD Dr. Florian Beuer aus dem vergangenen Jahr gültig zu bleiben: „Die Idee ist gut, aber eine Weiterentwicklung ist nötig.“ Perspektiven bieten möglicherweise Ultraschallsysteme, deren Wellen Weichgewebe wie in der internistischen Diagnostik durchdringen können. Von diesen in Entwicklung befindlichen Geräten war aber in Köln nach Kenntnis des Autors noch nichts zu sehen.

Konsequenterweise gibt es weiter Innovationen bei den Abformmaterialien. So stellte 3M Espe ein A-Silikon mit verkürzter Abbindezeit vor, das laut Anbieter eine besonders hohe Hydrophilie auch im nicht abgebundenem Zustand bietet. Unabhängig von der Abformmethode ist das Weichgewebsmanagement von großer Bedeutung. Neben den althergebrachten Fäden gibt es immer mehr Pasten für die Blutstillung und Retraktion (zum Beispiel Acteon, 3M Espe), darunter auch eine transparente Variante für den Frontzahnbereich (Ultradent Products). Weichgewebs- und knochenchirurgische Maßnahmen können ebenfalls erforderlich sein. Parallel mit den Intraoralscannern hat sich die Modellherstellung auf der Basis von in der Praxis oder im Labor gescannten Abformungen weiterentwickelt. So sind mit der sogenannten Scan-LED-Technologie produzierte Stereolithografie-Modelle laut Anbieter (Innovation MediTech/Dreve) in Bezug auf Oberflächenstruktur, Präzision und Hand-habung sehr gut geeignet. Fertigungsprinzip sind LED-Strahlen, die anstelle von Laserstrahlen für die selektive Aushärtung des Kunststoffs sorgen. Die Modellproduktion des Unternehmens aus Unna wird unter anderem von Nobel Biocare und 3M Espe genutzt.

Viel Bewegung in Sachen Materialien

Auch bei indirekten Restaurationsmaterialien für die computergestützte Fertigung ist vieles im Fluss, wenn auch immer weniger in Bezug auf die konventionelle Gusstechnik. So entstehen laufend neue Entwicklungs- und Vertriebskooperationen, zum Beispiel bei der oben genannten zirkonverstärkten Glaskeramik, die gemeinsam von Vita Zahnfabrik, Dentsply Degudent und dem Fraunhofer Institute for Manufacturing and Advanced Maerials (IFAM) entwickelt wurde.

Materialien für das Lava System (3M Espe) werden seit dem vierten Quartal 2012 von Vita vertrieben. Die Öffnung bezieht sich nicht nur auf Materialien, sondern auch zunehmend auf CAD-Software und CAM-Systeme.

Für die Verarbeitung von Kobalt-Chrom-Legierungen für Kronen, Brücken und Gerüste stehen immer neue Alternativen zur Verfügung. Neben dem klassischen Guss ist seit einigen Jahren das direkte Metall-Laser- Sintern möglich (zum Beispiel Eos), ein additives Verfahren, das laut Anbietern sehr kurze Fertigungszeiten bei einer Präzision von 20 Mikrometern ermöglicht. Auf der IDS präsentierte Dentsply Degudent ein neues Kobalt-Chrom-Material, das in Sirona-Geräten nass fräsbar ist und damit in kleinen und mittleren Dentallabors verarbeitet werden kann. Trocken geschliffen wird dagegen ein neues, Kobalt-Chrom-Material mit wachsartiger Konsistenz, das von Amann Girrbach ebenfalls in Kooperation mit Fraunhofer IFAM entwickelt wurde. Das Material wird nach dem Fräsen in speziellen Öfen gesintert, was laut Anbieter ebenfalls für kleinere und mittlere Labors wirtschaftlich ist.

Implantatprothetik zunehmend digital

Das gilt auch für neue Lösungen im vollkeramischen Bereich, die in Köln von Ivoclar Vivadent präsentiert wurden. So ist eine Lithiumdisilikat-Keramik ab sofort in größeren Blöcken bis zu 40 mm Länge erhältlich, mit denen dreigliedrige monolithische Brücken bis zum zweiten Prämolaren oder große individuelle Implantat-Abutments realisiert werden können. Letztere lassen sich mithilfe der auch chairside beschleifbaren Blöcke für auf Titanbasen verklebte Abutments oder für Vollkronen verwenden, die als monolithische Blöcke auf die Titanbasis geklebt werden (Ivoclar Vivadent). Damit wird der Arbeitsablauf bei Fertigung im Praxislabor erheblich vereinfacht und verkürzt, Patienten erhalten ihr definitives Abutment plus Krone – je nach implantologischem Protokoll – noch am selben Behandlungstag.

Digitale Prozessketten unter Einbindung intraoraler Scansysteme bieten sich wegen der meist supragingival liegenden Präparationsgrenzen der Abutments besonders in der Implantatprothetik an. Einschränkungen gibt es auch hier bei weitspannigen Rekonstruktionen, oder wenn das Emergenzprofil über der Schulter zweiteiliger Implantate ins Labor übertragen werden muss. Die labilen subgingivalen Weichgewebsstrukturen erlauben hier keinen routinemäßigen Scan, so dass die Situation klassisch mithilfe von individualisierten Abformpfosten übertragen werden muss.

Der Datenaustausch zwischen einer Design-Software und proprietären Restaurationssystemen von Implantatanbietern wird zunehmend geöffnet. So können individuelle Abutments mithilfe der entsprechenden STL-Datensätze mit der Software von 3Shape (für Nobel Biocare) oder Dental Wings (für Straumann) entworfen werden. Zugleich ist es möglich, zum Beispiel mit einem CAD/CAM-System von Nobel Biocare Stege auf Straumann-Implantaten zu designen und zu fräsen. Andere Implantatanbieter hatten ihre Plattform schon zu einem früheren Zeitpunkt für andere prothetische Systeme, aber auch für computergestützte Planungssysteme geöffnet (zum Beispiel Camlog). Zusätzlich haben in den letzten Jahren sowohl Laboranbieter (zum Beispiel Heraeus, Cadstar und andere) als auch Implantatanbieter (zum Beispiel Bego, Bredent, Dentsply Implants/Compartis, neu: Camlog) Fräszentren für die Herstellung individualisierter Abutments und Suprastrukturen eröffnet.

Neu und ausnahmsweise analog ist ein System, mit dem Titangerüste für spannungsfreie Passung intraoral verschweißbar sind (nach Dr. Marco Degidi, Dentsply Implants). Neu ist auch ein preislich reduziertes Implantatsystem für klinisch unkomplizierte Fälle von, das auf eine reduzierte Kom- ponentenzahl und gleichzeitig auf rundum digitale Wege bei Prothetikdesign, Fabrikation und Bestellungen setzt (Camlog). Das kann als Reaktion auf steigende Marktanteile billigerer Implantatsysteme gesehen werden.

Systemöffnung und digitale Integration

Aus dem oben genannten wird deutlich, dass die in einem IDS-Vorbericht (zm Nr. 4A/2013, S. 24-27) geäußerte Bewertung zur fehlenden Austauschbarkeit von Daten nur noch bedingt gültig ist. Ein spezieller Workshop zum Umgang mit einer Benutzeroberfläche während der IDS war eine sicher willkommene Möglichkeit, sich in die digitale Parallelwelt einführen zu lassen. Man kann dieses Angebot aber auch so interpretieren, dass die tägliche Arbeit mit den vielfältigen Schnittstellen noch kein Selbstgänger ist. Unabhängig davon sind Zahnärzte sicher gut beraten, sich dem Thema zu öffnen und eigene Erfahrungen zu sammeln. Nur so lässt sich verhindern, dass die Entwicklung ungenutzt bleibt oder dass Zahntechniker die digitale Zahnheilkunde mit überlegenem Fachwissen und eigenen Plattformen für den Datenaustausch bestimmen. Zahntechniker sind unverzichtbare Partner und leisten durch ihr Wissen in Bezug auf Materialien, Funktion und prothetische Systeme einen wesentlichen Beitrag zu erfolgreichen Versorgungen. Da aber Zahnärzte für die Diagnose verantwortlich sind und den Behandlungsweg verantworten müssen, sollten sie auch maßgeblich die digitale Planung mittragen.

Von DVT und Gesichts-Scan

Hier kommt die digitale Volumentomografie ins Spiel. Sie entwickelt sich zunehmend zur Basis für komplexere Restaurationen, aber auch für andere Fachgebiete wie Endo- dontie und Parodontologie. Bei einem neuen Volumentomografen werden – wie bisher nur beim Computertomografen – Knochendichtewerte in Hounsfield-Einheiten angezeigt (Acteon). Die Darstellung von Hart- und Weichgeweben ist mit diesem Gerät laut Anbieter sehr differenziert, so dass sich erweiterte Diagnosemöglichkeiten zum Beispiel im Kiefergelenk, aber auch in der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde ergeben. Denkbar sind Anwendungen in der Implantologie, wo Knochen- und Gingivadimensionen für das chirurgische und prothetische Protokoll entscheidend sein können.

Vor diesem Hintergrund erscheint eine sorgfältige Ausbildung in dentaler Radiologie immer dringlicher. Hierfür steht zum Beispiel eine spezielle Fortbildungseinrichtung zur Verfügung (www.dvt-akademie.de ), wenn auch die Terminologie auf einer Werbebroschüre („Paradontie“, „Endotonie“) nicht sonderlich vertrauenerweckend ist. Technische Informationen, die bei der Auswahl eines Geräts bedeutsam sind, sowie Onlinekurs-Angebote finden sich auf der Seite www.conebeamcampus.com .

Volumentomografische Röntgenbilder lassen sich heute mit der Gesichtskontur überlagern, je nach System unter Verwendung von Streifenlichtscannern (zum Beispiel Pritidenta) und/oder mithilfe der Weich- gewebsdarstellung des DVT-Geräts. Für die Überlagerung sind überraschenderweise auch 2-D-Foto-Dateien verwendbar (Sirona).

Hilfreich ist diese Zusammenschau von extraoraler Gesichtsoberfläche und darunterliegenden Strukturen, wenn die Wirkung prothetischer Restaurationen geplant werden soll. Zusätzlich lassen sich Datensätze aus funktionellen Registraten integrieren, so dass eine wirklich synoptische Diagnostik und Planung immer weiter voranschreitet.

Spannend ist hier auch die Möglichkeit, orthodontische und orthognathe Planungen durchzuführen. Dies war mit zephalometrischen Röntgengeräten schon lange möglich, neu ist die dreidimensionale Simulation von Zahnbewegungen, einschließlich deren Auswirkung auf die faziale Ästhetik. Mit einigen Systemen sind zusätzlich orthognathe Operationen simulierbar, die anschließend in stereolithografisch hergestellte Schablonen umgesetzt werden können (Materialise). Damit ist laut Anbieter eine deutlich höhere Präzision der Eingriffe möglich als mit laborgestützten Systemen.

Fazit

Die IDS 2013 hielt wieder einmal, was sie im Vorfeld versprach. Ein dominantes Thema war die voranschreitende Vernetzungsmöglichkeit von Volumentomografie, Gesichts-Scan/Fotografie und Funktions-Registraten, bei Bedarf auch mit implantologischen und orthodontischen Planungssystemen. Parallel dazu zeichnet sich in der Prävention ein Umdenken in Richtung schonender (strahlenfreier) Diagnostik und Frühintervention ab, zum Teil mit digitaler Dokumentationsmöglichkeit. Diagnostik, Prävention und Restauration – auch mit digitalen Hilfsmitteln – in ein zahnmedizinisches Gesamtkonzept zu integrieren, könnte ein Thema folgender Dentalschauen werden.

Dr. Jan H. Koch
Parkstr. 14
85356 Freising
janh.koch@dental-journalist.de

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