Ärzte Helfen e.V.

In der ASB-Klinik in Gambia

Ein Ziel des Ärztetransfers: Hilfe zu mehr Selbsthilfe Foto: F.W. Förster

Anfang 2013 tauschten Frank Wolfgang Förster und seine Mitarbeiterin Daniela Gärmann ihren Praxisalltag in Berlin gegen den Einsatz in der ASB-Klinik im gambischen Serrekunda. Außer dem Willen, den seit Jahren im Hinterkopf schlummernden Gedanken zu einem Einsatz endlich umzusetzen, hatten die beiden wenig Ahnung, was sie erwarten würde. Ein Erfahrungsbericht.

Ausgerüstet mit je 46 kg Reisegepäck, dessen Inhalt im Wesentlichen aus Analgetika, Antibiotika, Anästhetika, Ersatzteilen für defekte Geräte und Spielsachen bestand, starteten wir am 22. Februar 2013 unsere Reise. Nach einem langen, aber unkomplizierten Flug über Brüssel und Freetown in Serra Leone landeten wir dann etwas erschöpft auf dem Flughafen von Banjul, der Haupstadt von Gambia. Nachdem wir den Temperaturschock von – 6 auf + 35 Grad Celsius verarbeitet hatten, wurden wir vom gambischen Zoll aufgrund der „Drogen“ in unseren Koffern zu einem „informellen Gespräch“ gebeten, das nach etwa einer halben Stunde zu unseren Gunsten endete. Quartier bezogen wir in Mama’s Guesthouse, das von einer resoluten, aber mit einem großen Herzen ausgestatteten Schweizerin geführt wird, die seit Jahren in Gambia lebt.

Afrikanische Bürokratie

Die kleine Klinik, die in Dippakunda liegt, einem ärmeren Stadtteil des 200 000 bis 400 000 Einwohner zählenden Serrekunda, wird von zwei deutschen Frauen seit über zehn Jahren geleitet. Während Gudrun Lehmbeck als erfahrene Rettungsassistentin für die medizinische Leitung der Klinik zuständig ist, versucht Beatrice Weigelt die Verwaltungsaufgaben und die afrikanische Bürokratie zu bewältigen, die der deutschen in nichts nachzustehen scheint.

Unsere Sprechzeiten in der Klinik, in der auch eine Entbindungsstation integriert ist und in der HIV-Patienten betreut werden, begann jeden Morgen um 9.00 Uhr und endete gegen 15.00 Uhr. Da es hier kein Bestellsystem gibt, waren die meisten Patienten morgens da und warteten dann mit einer bemerkenswerten afrikanischen Gelassenheit. Sowohl die Patientenzahl als auch der Behandlungsbedarf pro Patient waren sehr hoch. Aufgrund der vielen Fälle mit desolatem Zustand der Zähne des Seitenzahngebiets, besonders auch bei jungen Patienten, bestand zu 95 Prozent die Therapie der Wahl in der Extraktion des betroffenen Zahnes. Während des Einsatzes wurden vom „German Team“ durchgeführt: 103 Extraktionen, acht Osteotomien, elf Füllungen, eine Wurzelkanalbehandlung, neun Wundkontrollen, fünf Dolor post, vier Mundschleimhauterkrankungen, eine Inzision, eine PZR, zwei Befundungen und vier prothetische Behandlungen.

Durch die Spendenbereitschaft vor allem von Berliner und Brandenburger Zahnärzten und Dentalfirmen, aber auch durch das außergewöhnliche Engagement des kleinen, in Berlin ansässigen Vereins „ Ärzte Helfen e.V.“ konnte in diesem Jahr ein zweiter zahnärztlicher Behandlungsraum eingerichtet werden, in dem der Oral Health Worker Momodou Ann mit seiner Assistentin Bintou Chorr parallel behandeln konnte. Dies ist zum einen als Hilfe zur Selbsthilfe zu sehen, aber andererseits umso wichtiger, da sich die Klinik ausschließlich über Spenden beziehungsweise die kleinen Zuzahlungen der Patienten finanziert und so unsere Arbeit in der Zahnstation eine wesentliche finanzielle Stütze für den Erhalt der gesamten Klinik darstellt. Grund genug an dieser Stelle den Firmen zu danken, die uns speziell für diese Reise unterstützten. Neben einer sehr großzügigen Medikamentenspende von Aliud-Pharma waren das weiter die Firmen Gaba, Komet und Merz Dental. Neben den vielen guten Eindrücken haben wir auch täglich die Armut Afrikas in all ihren Schattierungen und Konsequenzen kennengelernt – das lässt jetzt umso mehr so manche „Problemdiskussion“ in Deutschland in einem völlig anderen Licht erscheinen.

Durch die abendlichen Gespräche mit seit Jahren in Gambia lebenden Europäern in Mama’s Guesthouse haben wir viel über dieses Land erfahren, nicht nur über die schwierige medizinische Betreuung, sondern auch darüber, wie das Leben von den Menschen in Gambia bewältigt wird und was „die Seele Afrikas“ ausmacht. Selbst wenn unsere Hilfe auch nur den berühmten Tropfen auf dem heißen Stein darstellte, so war bei unserer Abreise eines schon sicher – wir werden wieder mit vollen Koffern nach Gambia reisen und mit fast leerem Gepäck zurückkommen.

Frank Wolfgang Förster
Diedenhofer Str. 12
10405 Berlin

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