Sanitätsdienst der Bundeswehr

Leistungsstark im Einsatz

Bei einer Veranstaltung in München und in Feldkirchen informierten sich der Vorstand der BZÄK und die Spitzen von KZBV, DGZMK und FVDZ über Aktuelles rund um den Sanitätsdienst der Bundeswehr und um die zahnmedizinischen Belange der Truppe. Die Bundeswehrvertreter präsentierten ein großes Leistungsspektrum – inklusive praktischer Demonstrationen – über den Ablauf einer Rettungskette im Einsatz. Fazit: Beide Seiten wollen einen regelmäßigen Austausch und ihre gegenseitige Unterstützung institutionalisieren.

Der Vorstand der BZÄK sowie die Spitzenvertreter von KZBV, FVDZ und DGZMK waren zu Gast beim Sanitätsdienst der Bundeswehr in München und in Feldkirchen. Fotos: zm

BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel (r.) mit Admiralarzt Dr. Wolfgang Barth
In der Sanitätsakademie (erste Reihe v.l.n.r.): Generaloberstabsarzt Dr. Ingo Patschke, Generalarzt Dr. Erika Franke, BZÄK-Präsident Engel, der KZBV-Vorsitzende Dr. Jürgen Fedderwitz und der FVDZ-Vorsitzende Dr. Karl-Heinz Sundmacher
Das modular aufbaubare Rettungszentrum in Feldkirchen
Modell der Station
Generaloberstabsarzt Patschke skizzierte die Auswirkungen der Bundeswehr-Neuausrichtung auf den Sanitätsdienst.
Flottenarzt Dr. Helfried Bieber ging auf den Fachbereich Zahnmedizin am Heimatstandort und im Einsatz ein.

Es war ein breit gefächertes Programm, das der Sanitätsdienst der Bundeswehr für die Vertreter der Zahnärzteschaft auf die Beine gestellt hatte. Auf der Tagesordnung standen ein Besuch der Sanitätsakademie der Bundeswehr in der Ernst-von-Bergmann-Kaserne, München, sowie eine Demonstration des Leistungsspektrums des Sanitätslehr- regiments Niederbayern in der Gäuboden-Kaserne in Feldkirchen. Das Themenspektrum erstreckte sich von der Neustrukturierung der Bundeswehr und deren Einfluss auf den Sanitätsdienst, über die Aufgaben des Fachbereichs Zahnmedizin im Inland bis hin zu den (zahn-)medizinischen Versorgungsmöglichkeiten im Einsatz.

Seit über 20 Jahren sind Zahnärzte der Bundeswehr in unterschiedlichen Einsätzen mit NATO-, EU- oder UN-Mandat weltweit tätig. Die zahnärztlichen Einrichtungen dort befinden sich auf international hohem Niveau und sind wichtiger Bestandteil der medizinischen Versorgung im Einsatz. Eine besondere Herausforderung stellen Gesichts- oder Schädelverletzungen nach Kampfeinsätzen, Minenexplosionen oder Verkehrsunfällen dar, deshalb kommt der Oral- sowie der MKG-Chirurgie eine spezielle Bedeutung zu. Dazu werden von den Bundeswehr-Zahnärzten Qualifikationen abverlangt (und vermittelt), die an herkömmlichen Universitäten nicht gelehrt werden können.

Auch die Ausstattung im Einsatz stellt besondere Anforderungen an Logistik und Qualität dar. Überdies wirken extremes Klima, unbekannte Beschwerdebilder bei Patienten oder die teilweise hohe Stressbelastung oft als ungewohnte Parameter auf die Behandlung ein.

Austausch und Respekt

BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel zeigte sich beeindruckt von der Leistungsfähigkeit des Sanitätsdienstes: „Die BZÄK ist stolz, dass die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr so gut läuft und weiter gedeiht. Wir brauchen den Austausch und den Respekt zwischen Human- und Zahnmedizinern, aber auch zwischen der Bundeswehr und der zivilen Ärzteschaft“, betonte er. Vor allem hob er die effektive und weitreichende Vernetzung von Zahnmedizin, Medizin, Oralchirurgie und Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie in der sanitätsdienstlichen Tätigkeit hervor. Engel sprach von der „gelebten Verzahnung“ zwischen Medizin und Zahnmedizin, das zeige sich am Beispiel der Bundeswehr auch in organisatorischen Strukturen, nämlich in der Einbindung von Sanitätsoffizieren Zahnarzt in die Kommandoebenen.

Demografiefest werden

Generaloberstabsarzt Dr. Ingo Patschke, Inspekteur des Sanitätsdienstes der Bundeswehr, verwies auf die Neustrukturierung der Bundeswehr und deren Einwirkung auf den Sanitätsdienst. Der Prozess sei noch nicht abgeschlossen. Ziel sei, die Leistungsfähigkeit zu steigern, ein breites Spektrum von Fähigkeiten zu erhalten und die Bundeswehr demografiefest zu machen. Der Sanitäts-dienst fuße auf vier Säulen: der regionalen Inlandsversorgung, den sanitätsdienstlichen Einsatzkräften, den Bundeswehrkrankenhäusern und der wehrmedizinischen Ausbildung, Forschung und Weiterentwicklung. Das Hauptpotenzial der Bundeswehr seien die motivierten Soldatinnen und Soldaten, betonte Patschke. Eine hohe Berufszufriedenheit sowie eine dauerhaft hochwertige Leistungsbereitschaft seien unumgänglich und zeichneten auch den Sanitätsdienst aus. Die Zahnmediziner dort trügen viel zur Reputation des gesamten Sanitätsdienstes bei. Patschke weiter: „Dazu brauchen wir die Schützenhilfe aus der Gesellschaft und aus den Standesorganisationen.“ Und an die BZÄK gerichtet: „Wir brauchen Sie als zivile Kammern, der Schulterschluss ist uns wichtig.“

Im Dienst der Soldaten

Die Mundgesundheit der Soldaten stehe im Mittelpunkt der Tätigkeit der Bundeswehr-Zahnärzte, sowohl am Heimatort wie auch im Einsatz, betonte Admiralarzt Dr. Wolfgang Barth, Inspizient Zahnmedizin, vor dem BZÄK-Vorstand. Sie würden nach dem fachlich anerkannten Kenntnisstand behandelt und versorgt. Dazu sei der Sanitätsdienst eingebunden in die wissenschaftlichen Fachgesellschaften, aber auch in die internationale Arbeit der FDI oder in die NATO. Und auch auf die Weiterbildung des zahnärztlichen Personals werde großer Wert gelegt.

Flottenarzt Dr. Helfried Bieber, Unterabteilungsleiter III Zahnmedizin, stellte den Gästen den Fachbereich Zahnmedizin im Sanitätsdienst vor. Kernauftrag sei, die Einsatzbereitschaft der zahnärztlichen Behandlungseinheiten im Grundbetrieb und im Einsatz sicherzustellen. Derzeit arbeiteten im Fachbereich circa 400 Zahnärzte, davon etwas mehr als die Hälfte Frauen. Jeder Soldat habe zwei Zahnarztkontakte pro Jahr. Hinzu komme die wehrmedizinische Begutachtung vor Auslandseinsätzen. Im Rahmen einer postuniversitären Fortbildung wird der frisch appro-bierte Zahnarzt auf seine truppenzahnärztliche Tätigkeit vorbereitet und unter anderem in der Notfallmedizin ausgebildet. Danach erfolge die Einweisung als Truppenzahnarzt in ausgewählten Behandlungseinrichtungen. Eine Weiterbildung in Oralchirurgie ist möglich. Zahnärzte seien derzeit unter anderem im Einsatz in Mali, in Afghanistan, im Kosovo und an Bord von Schiffen der Marine.

Hilfe per Rettungskette

Die sanitätsdienstliche Versorgung im Einsatz erfolgt über eine sogenannte ununterbrochene Rettungskette. Wie diese funktioniert, konnte sich der BZÄK-Vorstand bei einer Präsentation im Sanitätslehrregiment Niederbayern vergegenwärtigen. Hierzu gab es die Simulation einer Verwundung in einer Gefechtssituation – der Verletzte wurde von Kameraden erstversorgt und abtransportiert. Im Anschluss klärte der Besuch einer Muster-Rettungsstation darüber auf, wie die notfallmäßige Diagnostik und Therapie von Verletzten organisiert und durchgeführt wird. Dem System zugrunde liegt ein vierstufiges Modell:

• Ebene 1: Die Erste Hilfe durch Selbst- und Kameradenhilfe sowie die Rettungsstation, meist bestehend aus einem Zelt und einem Behandlungsplatz in einem Container: Hier wird die rettungsmedizinische Versorgung sichergestellt, also Schock- und Schmerzbekämpfung, blutstillende Maßnahmen und Freihalten der Atemwege. Szenario-abhängig ist bereits hier eine zahnärztliche Versorgung möglich.

• Ebene 2: Das modular aufgebaute Rettungszentrum, bestehend aus verlegbaren Containern und Zelten, beides wird in Größe und Ausstattung an die Einsatzerfordernisse angepasst: Hier werden Diagnostik und Therapie sichergestellt und es gibt eine (zahn-)medizinische Akutversorgung, die im Ergebnis dem fachlichen Standard in Deutschland entspricht. Das Zentrum ist in maximal 72 Stunden aufgebaut und hat eine autarke Wasser- und Stromversorgung.

• Ebene 3: Das Einsatzlazarett, um Patienten ambulant und stationär fach(zahn-)ärztlich zu versorgen: Hier erfolgt eine erweiterte chirurgische, intensivmedizinische und fachärztliche Diagnostik und Therapie, um – falls erforderlich – eine Rückführung nach Deutschland sicherzustellen. Zum Transport werden spezielle Bundeswehr-Luftfahrzeuge eingesetzt.

• Ebene 4: Die Bundeswehrkrankenhäuser in Koblenz, Ulm, Berlin, Hamburg und Westerstede, die die weitergehende Behandlung und Therapie im Heimatland vornehmen.


Info

Truppenärztliche Versorgung

• Es handelt sich um ein eigenes Krankenfürsorgesystem (utV – unentgeltliche truppenärztliche Versorgung).

• Die Versorgung ist Bestandteil der Geld- und Sachbezüge der Soldaten.

• Sie ist ausgerichtet auf die Besonderheiten zur Sicherstellung des Auftrags der Bundeswehr.

• Zuständig ist der Sanitätsdienst der Bundeswehr.

• Zum Umfang des zahnärztlichen Leistungsspektrums gehören nicht nur – wie in der GKV – wirtschaftlich ausreichende und notwendige Leistungen, sondern alle schadens- und risikogerechten Leistungen der Zahnmedizin. In diesem Zusammenhang können auch KFO, Implantologie und die Behandlung von Dysgnathien Bestandteil der utV sein.

InfoZahnärzte bei der Bundeswehr

Die zahnärztlichen Sanitätsoffiziere können in vielfältiger Weise bei der Bundeswehr arbeiten.

Im Inland:
• kurative Verwendung als Truppenzahnarzt, Leiter einer Zahnarztgruppe, Begutachter oder Fachzahnarzt/Spezialist
• in der Führung und Organisation als Fachdezernent, Personaldezernent Zahnmedizin, Kommandozahnarzt oder Inspizient

Im Einsatz:
• kurative Verwendung als Truppenzahnarzt, Leiter einer Zahnarztgruppe oder Fachzahnarzt für Oralchirurgie
• im Sanitätseinsatzverband als Kompaniechef, Offizier in einer Stabsverwendung oder stellvertretender Kommandeur
 
Approbationsübergreifend können Zahnärzte auch als Kompaniechefs, Regimentskommandeure oder in der Organisation als Dezernenten und Referenten in den Kommandobehörden und Bundesämtern der Bundeswehr oder im Bundesverteidigungsministerium arbeiten.

Weitere Bilder
Bilder schließen