Zwei Konzerte des World Doctors Orchestra

Der Countdown läuft

Am 17. September ist es soweit. Das World Doctors Orchestra musiziert in der Beethovenhalle in Bonn. Nur einen Tag später gastiert das mit Medizinern und Zahnmedizinern aus aller Welt besetzte Orchester in der Berliner Philharmonie. Die Erlöse der hochkarätigen Benefizkonzerte gehen auch an Dentists for Africa.

Einendes Moment im World Doctors Orchestra: Hier trifft die Leidenschaft für Musik auf globale medizinische Verantwortung. Gegründet wurde das WDO 2007 von Prof. Stefan Willich. Er ist ausgebildeter Violinist, Kammermusiker, Dirigent, Musikhochschulrektor und Mediziner. Foto: Andrea Katheder
Vorgespräch: Vertreter des World Doctors Orchestra und der begünstigten Vereine trafen sich mit Daniela Schadt (2.v.r.) im Berliner Schloss Bellevue. v.l.n.r.: Alexandra Gruber, Dr. Peter Dierck, Prof. Stefan Willich und Prof. Dr. Karl Bergmann (ganz rechts) Foto: WDO

Das World Doctors Orchestra (WDO) behauptet zu Recht, ein außergewöhnliches zu sein. Denn es verbindet musikalischen Höchstgenuss mit einer karitativen Idee: Zweimal im Jahr tauscht eine Auswahl von insgesamt rund 750 Medizinern aus 40 Ländern den weißen Kittel gegen Frack und Abendkleid. Das Ziel ist klar definiert. Sie musizieren gemeinsam für Not leidende Menschen. Die Erlöse jedes Benefizkonzerts fließen immer in medizinische Hilfsprojekte. So haben bereits Initiativen wie das Berliner Zentrum für Folteropfer, die Hugo-Tempelman-Stiftung oder die Formosa Cancer Foundation von den Konzerterlösen des gemeinnützig musizierenden Orchesters profitiert.

Musik auf höchstem Niveau

Unter der Leitung seines Gründers, Prof. Stefan Willich, Medizinprofessor und Rektor der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin, ist das WDO nach Auftritten in den USA, Taiwan, Armenien, China, Südafrika und Wien nun in Bonn und Berlin zu erleben. Zwei internationale Gesangssolisten werden das hohe Niveau in diesem Jahr noch einmal unterstreichen. Es handelt sich um die Jazzsängerin und Pianistin Donna Brown und den renommierten Kammer-sänger Jochen Kowalski.

Unter den Orchestermitgliedern sind sechs Zahnmediziner. Dr. Rebecca Berkensträter ist eine davon. Die in Dissen am Teutoburger Wald lebende Zahnärztin ist durch Zufall dazu gekommen. „Auf einer Zugfahrt las ich in der Zeitschrift der Deutschen Bahn einen Artikel über das WDO. Daraufhin besuchte ich die Homepage, fand die dahinter stehende Idee sehr gut und meldete mich über das Anmeldeformular direkt an.“ Im September 2010 war Berkensträter dann das erste Mal in Berlin dabei. „Ich spiele seit meinem achten Lebensjahr Geige, später kam noch die Bratsche hinzu. Mit 14 Jahren bin ich Mitglied des Jungendsinfonieorchesters Bremen-Mitte geworden. Nach dem Studium der Zahnmedizin habe ich in einem Kammersinfonieorchester sowie in Kammermusikensembles gespielt“, erklärt sie weiter.

In einem Orchester mit so hohem Niveau zu spielen, erfordere natürlich viel Übung, auch außerhalb der Zeit im Orchester. Im Alltag ist sie Mitglied eines Orchester und eines Streichquartetts.

Das Ensemble der WDO-Konzerte werde jeweils aus den Ärzten zusammengestellt, die zu den jeweiligen Terminen Zeit hätten. Die Teilnahme erfolge immer auf eigene

Kosten, damit der Erlös umso größer sei. „Die Probentage sind sehr intensiv“, berichtet die Zahnärztin, „aber hervorragend durchstrukturiert. Geprobt wird – im wahrsten Sinne des Wortes – von morgens bis abends. Trotzdem besteht abends noch die Gelegenheit, gemeinsam etwas zu unternehmen.

Das WDO bietet hierbei ein entsprechendes Begleitprogramm.

Kulturkreise im Austausch

Es mache ihr viele Freude, mit Gleichgesinnten schöne Musik zu machen und sich intensiv schwierige Stücke zu erarbeiten. Und neben den Proben bleibe genügend Zeit, sich mit anderen WDO-Mitgliedern aus aller Welt auszutauschen. „Dies macht mir sehr viel Freude, da ich so die Gelegenheit habe „über den Tellerrand“ zu schauen und Ärzte aus völlig unterschiedlichen Kulturkreisen – von Schottland bis Korea – kennenzulernen“, schwärmt Berkensträter.

Stefan Willich gehe sehr professionell und immer hoch konzentriert an seine Aufgabe heran. „Er ist fantastisch vorbereitet und ein hervorragender Dirigent. Es macht unglaublich viel Spaß, mit ihm als Dirigent zu musizieren. Nach dem erfolgreichen Konzert ist er natürlich gelöst und froh über die gelungene Aufführung“, erklärt sie. Der Kontakt mit anderen WDO-Mitgliedern zwischen den Konzerten komme natürlich etwas zu kurz. Hierzu fehle ihr aufgrund der Doppelbelastung von Familie und Praxis leider die Zeit. Es bleibe bei einigen gelegentlichen Mails. Aber: „Durch das WDO habe ich die Gelegenheit, sehr fantastische Orchesterliteratur zu spielen. Und dies noch mit Ärzten aus der ganzen Welt. Es macht vor allem viel Spaß gute Musik zu machen mit dem Wissen, dass hiermit anderen Menschen – die es vielleicht nicht so gut haben wie wir – geholfen werden kann. Da ich selbst Zahnärztin bin, liegt mir natürlich auch persönlich sehr viel daran, Menschen mit einer schlechten medizinischen Versorgung auf diesem Weg helfen zu können. Deswegen freue ich in diesem Jahr ganz besonders darüber, dass das WDO die „Dentists for Africa“ unterstützt.

Für Dr. Peter Dierck, Vorstandsmitglied von Dentists for Africa, geht mit der karitativen Kooperation ein Lebenstraum in Erfüllung. Der Verein wird vom Erlös der Konzerte Patenkinder in Kenya unterstützen. Einige wenige von ihnen erhalten eine Art Stipendium für ein Zahnmedizinstudium. Andere werden zu Zahntechnikern oder zu sogenannten Oral Health Officern aus-gebildet. Zwölf kleine Zahnkliniken hat der Verein in ganz Kenya im Rahmen seiner Entwicklungszusammenarbeit seit 1999 errichtet.

Es werden noch zwei weitere Vereine gefördert. Zum einen der Förderkreis für krebskranke Kinder und Jugendliche Bonn e.V., zum anderen die Gesellschaft der Freunde des Deutschen Herzzentrums Berlin e.V..

Daniela Schadt, die Lebensgefährtin von Bundespräsident Joachim Gauck ist Schirmherrin der Kozerte und wird in Berlin ein Grußwort sprechen.


Info

Mediziner aus aller Welt

Die Konzerte in Bonn und Berlin setzen sich mit Medizinern und Zahnmedizinern aus folgenden Ländern zusammen:

Australien (2), Kanada (3), Frankreich (1), Deutschland (41), Ungarn (2), Island (1), Irland (1), Italien (4), Japan (1), Norwegen (2), Polen (1), Russland (1), Hongkong (2), Südafrika (1), Spanien (1) und Schweden (2)

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