Leitartikel

Wahlrechte und Pflichten

Dr. Peter Engel Präsident der Bundeszahnärztekammer Foto: bzaek-pietschmann

Dr. Jürgen Fedderwitz Vorsitzender der KZBV Foto: KZBV-axentis.de

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

am kommenden Sonntag wird sich zeigen, ob Deutschland wirklich so politikmüde ist, wie von interessierten Kreisen oft unterstellt wird. Natürlich gibt die Wahlbeteiligung der zurückliegenden Wahlen im Zweifel dafür interpretatorische Stützen. Vor allem über die Motive wird viel gemutmaßt.

Zielführend im Sinne unserer Demokratie kann das nicht sein. Denn die Grundeinstellung, die wir als Bürger in unserer Eigenverantwortung und Mündigkeit an den Tag legen, ist gleichzeitig auch die Basis für das Funktionieren einer

Gesellschaftsform, die keiner von uns infrage stellen dürfte. Nicht nur, weil die Geschichte unserer Republik uns das abfordert. Nicht nur, weil die Grundrechte unserer Verfassung aus Erfahrungen resultieren, die niemand wiederholen will.

Als Freiberufler und Zahnärzte betonen wir immer, wie wichtig uns die qua Verfassung und Gesetz gewährten Freiheiten sind, wie hoch unsere Verantwortung, wie notwendig Entscheidungsfreiheit, um diesen Beruf im Sinne unserer Patienten vernünftig ausüben zu können. Aus diesen Gründen leben wir als Berufsstand Selbstverwaltung. Wir sind von der Richtigkeit dieses Prinzips überzeugt und wehren uns gegen alles, was dieser Freiheit schadet. Unsere berufliche Freiheit ist unser Recht. Sie schafft aber auch Verantwortung, die nicht vor der Tür unseres Wohnsitzes, vor der Tür unserer Praxis endet.

Die Wahrnehmung der Selbstverwaltung heißt natürlich, für die Grundlagen unseres Berufsstands Sorge zu tragen, uns zu Wort zu melden, etwas zu tun, wenn wir die dafür notwendigen Voraussetzungen gefährdet sehen. Deshalb sind wir organisiert, deshalb nehmen wir unsere Rechte wahr. Spätestens seit Inkrafttreten des Zahnheilkundegesetzes füllen wir diese gesellschaftliche Rolle mit Vernunft, Kraft und Verantwortungsbewusstsein für uns, unsere Patienten, letztlich damit auch für diese Gesellschaft aus. Und keiner von uns glaubt daran, dass das ohne Friktionen und Konfrontationen mit anders Denkenden oder mit in ihrer Interessenlage anders Motivierten möglich ist.

Seit der vorigen Bundestagswahl sind die Herausforderungen für unseren Berufsstand durchaus gewachsen. Wir wissen um die demografische Entwicklung, um den zunehmenden Interessenkonflikt zwischen einerseits gesamtgesellschaftlicher Ökonomie, andererseits wachsenden medizinischen Herausforderungen. Es war diese zahnärztliche

Verantwortung, die auch in dieser Legislaturperiode dazu beitragen konnte, Dinge zu entwickeln und Gutes weitgehend zu verteidigen. Dieser Weg, auf dem wir uns befinden, ist opportun und richtig.

Wir können es angesichts der aktuellen Lage nicht dabei bewenden lassen. Wir müssen auch in den kommenden Jahren hart arbeiten, dass sich die Dinge weiterhin in eine für uns akzeptable Richtung bewegen. Das ist unsere gemeinsame Herausforderung!

Wer so denkt und so handeln will, hat mit dem Wahlrecht eine Möglichkeit, sich dafür zu legitimieren. Politik ist – auch wenn situativ durchaus der Eindruck entsteht – kein vom gesellschaftlichen Leben und Wirken losgelöster Eigenbetrieb. Wir als Bürger legitimieren Politik. Aber wir zeigen mit der Wahl auch unsere Option auf kontinuierliche aktive Teilhabe an der Entscheidungsfindung für anstehende Probleme.

Insofern ist Wahlrecht selbstverständlich auch persönliche Pflicht. Wir werden am kommenden Sonntag unseren Teil zur Willensbildung, Ausrichtung und zum Fortbestand unserer Demokratie beitragen. In unserem Wahllokal!


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