Problem Praxisliquidität

Frühzeitig vorbeugen

Der 30. September sorgt bei Zahnärzten oft für Krisenstimmung: Viele Zahnärzte erreichen zu diesem Termin den Liquiditäts-Tiefstand. Doch zum Glück gibt es probate Gegenmittel.

Damit der Euro rollen kann: Ein funktionierendes Kosten-Controlling ist unabdingbar. Foto: empics – Fotolia.com

Grund für die finanzielle Besorgnis sind einige hohe Beträge, die in diesem Zeitraum vom Konto des Zahnarztes abgebucht werden: die Quartalsraten für Darlehen, Zinsabrechnungen für Kontokorrentlinien und Beiträge für das Versorgungswerk. Hinzu kommt die Steuervorauszahlung mit Fälligkeit am 10. September. Zwar handelt es sich bei allen Posten um planbare Beträge in der Zahnarztpraxis, doch im dritten Quartal gibt es zwei gravierende Unterschiede zu den anderen Abrechnungszeiträumen: Nach dem „Sommerloch“, das häufig mit einer Schließung der Zahnarztpraxis in den Ferien und geringeren Patientenzahlen einhergeht, nehmen die Zahlungseingänge auf dem Konto des Zahnarztes deutlich ab. Zusätzlich rückt auch schon das Thema Steuererklärung ins Blickfeld.

Maßnahmen zur Vermeidung von Krisen

Praxen sollten die Außenstände und die Rechnungsstellung prüfen. Immer wieder zeigt sich, dass Zahnarztpraxen – insbesondere wenn sie nicht mit einer Abrechnungsgesellschaft zusammenarbeiten – Patientenforderungen vor sich her schieben. Die Patientenforderung kann der Zahnarzt durch die offene Postenliste (siehe Abrechnungssoftware) überprüfen. Ein zweiter wichtiger Aspekt ist die schnelle Rechnungsstellung. Je schneller Rechnungen gestellt werden, umso schneller ist das Geld da. Hier kann oft eine Liquiditätsentlastung von 10 000 bis 15 000 Euro erzielt werden.

Zur Kontosteuerung ist es ein wichtiger Ansatz, die regelmäßigen Ausgaben linear zu verteilen. Dadurch lassen sich die Schwankungen auf dem laufenden Konto deutlich minimieren. Konkret können Zahnärzte mit Rücksprache der Bank Darlehensraten direkt auf eine monatliche Zahlung umstellen. Auch bei den Beträgen für das Versorgungswerk ist auf Anfrage bei manchen Versorgungswerken eine monatliche Zahlung möglich; alternativ bietet sich die Eröffnung eines Rücklagenkontos an, auf dem die entsprechenden Beträge für das Versorgungswerk sowie die Steuervorauszahlung eingezahlt werden.

Weitere Maßnahmen zur Vermeidung von bösen Überraschungen beim Thema Steuern wurden in der zm-Ausgabe 12/2013 ausführlich behandelt.

Grundsätzlich sollte ein Liquiditäts-Tiefstand vom Zahnarzt immer als Signal wahrgenommen werden, verschiedene Fragestellungen noch einmal zu überdenken: Passt das Finanzkonzept? Ist der Kontokorrent zu hoch und lohnt sich vielleicht eine Umfinanzierung auf ein Darlehen? Warum wird das Limit überstiegen? Liegt es an der generellen Einnahmen- und Ausgabensituation der Zahnarztpraxis?

Zahlungseingänge meist mit Verzögerung

Die Liquidität ist das Ergebnis des Handelns in der Vergangenheit, die Wirkung zeigt sich jedoch erst in der Gegenwart, denn das Geld fließt teilweise mit einem zeitlichen Versatz von bis zu einem halben Jahr auf das Konto des Zahnarztes. Langfristiges Ziel muss die Steigerung der Einnahmen und die Senkung der Kosten der Praxis sein. Wenn eine bessere Verteilung nicht ausreicht, um dem 30. September den Schrecken zu nehmen, handelt es sich womöglich um eine weiter reichende Krise – doch auch dafür lassen sich Lösungen finden.

Detlef Diehr
Betriebswirt/Bilanzbuchhalter

Münsterstr. 111, 48155 Münster

info@diehr-praxisplus.de

Damit der Euro rollen kann: Ein funktionierendes Kosten-Controlling ist unabdingbar.

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