FVDZ-Hauptversammlung und Wahlen

Blickrichtungswechsel

Der Freie Verband Deutscher Zahnärzte hat seinen Bundesvorstand gewählt: Mit Dr. medic/lfM Timisoara Kerstin Blaschke (Thüringen) als neuer Vorsitzender bestellte die diesjährige Hauptversammlung (10. bis 12. Oktober in Bonn) eine Bundesspitze, die vor allem junge Zahnärzte stärken und die Zusammenarbeit mit Kammern und KZVen verbessern will.

Der neue Bundesvorstand des FVDZ: unten: Hubertus van Rijt, Dr. Andreas Friedrich, Dr.-medic/IfM Timisoara Kerstin Blaschke, Dirk Ruffing; Mitte: Joachim Hoffmann, Dr. Heike Rump-Schaefer, Dr. Dirk Specht, Dr. Wolfram Sadowski; oben: Dr. Christian Öttl, Dr. Michael Betz, Dr. Thomas Wolf (v.l.n.r.) Foto: Kornelia Danetzki (Bonn)

So hatte sich der scheidende Bundesvorsitzende Dr. Karl-Heinz Sundmacher den Wechsel im FVDZ-Bundesvorstand wohl nicht vorgestellt: Der von ihm als Nachfolger nominierte zweite Stellvertreter Dr. Reiner Zajitschek (Bayern) stand für die Fortsetzung der Verbandspolitik Sundmachers. Aber er verlor schon im ersten Wahlgang mit 58 zu 84 Stimmen gegen die erst auf der Hauptversammlung als Kandidatin angetretene 1. Stellvertretende Bundesvorsitzende. Mit Dr. Kerstin Blaschke steht erstmals eine Frau an der Spitze des FVDZ.

Im Fokus: Generation Y

Die neue Bundesvorsitzende, die künftig mit ihren Stellvertretern Dr. Michael Betz (Baden-Württemberg) und Joachim Hoffmann (Westfalen-Lippe) sowie mit den weiteren Vorstandsmitgliedern Dr. Wolfram Sadowski (Brandenburg), Dr. Thomas Wolf (Rheinland-Pfalz), Dr. Andreas Friedrich (Hessen), Dr. Christian Öttl (Bayern), Dr. Heike Rump-Schaefer (Rheinland-Pfalz), Hubertus van Rijt (Westfalen-Lippe), Dirk Ruffing (Saarland) und Dr. Dirk Specht (Nordrhein) den neuen Bundesvorstand stellt, will vor allem die Generation der jüngeren Zahnärzte stärker in die Verbandsarbeit einbinden. Aber sie will auch im Austausch mit Kammern und Körperschaften neue Akzente setzen und die Zusammenarbeit mit der zahnärztlichen Selbstverwaltung verbessern.

Eine Reihe von Beschlüssen aus der Hauptversammlung stützt diese Ausrichtung:

Mit KZBV und BZÄK sei, so die Hauptversammlung, eine Politik des kritischen Dialogs und dem Ziel größtmöglicher Synergieeffekte anzustreben. Vorab war ein Antrag des alten Bundesvorstands, die „Datensammelei der Körperschaften“ auszubremsen, nach ausgiebiger Darstellung von Aufbau und Zweck eines umfassenden Datenpools für die Zahnärzteschaft durch Delegierte wie Dr. Wolfgang Eßer (KZBV-Vorstand) und Martin Hendges (KZV-Vorstand Nordrhein) von den Antragstellern zurückgezogen worden. Beschlossen wurde hingegen die seit Jahren fast schon obligatorische Forderung nach Transparenz bei Aufwandsentschädigungen in den Selbstverwaltungen.

Wahlfreiheit der Bürger

In einer Resolution an die künftige Bundesregierung forderte der Freie Verband „ein offenes, freies Versicherungssystem mit Wahlfreiheit der Bürger – gegen ein Einheitssystem wie die Bürgerversicherung“, die Schaffung eines Prämienmodells zur Finanzierung der GKV, die Abschaffung des Sachleistungssystems zugunsten einer direkten Patienten-Arzt-Beziehung mit Direktabrechnung und Kostenerstattung, leistungsgerechter Honorierung und Aufhebung der Budgetierung, einen wirksamen Schutz aller Gesundheitsdaten, den Bürokratieabbau in der Praxis sowie eine freie Arztwahl und eine freie Arzt-Patienten- Beziehung.

Weitere Beschlüsse befassten sich mit den Themenbereichen GOZ, Honorierung von Beratungs-, Planungs- und Dokumentationsaufwand, der Approbationsordnung sowie der Einforderung partnerschaftlichen Verhaltens des zahntechnischen Berufsstands gegenüber der Zahnärzteschaft.

Beschlossen wurden auch die Erleichterung der Kostenerstattung, die Aufhebung der Versicherungspflichtgrenze sowie die Erarbeitung von Möglichkeiten, die Attraktivität des Berufsbildes der ZFA zu steigern.

Dass der mit Kerstin Blaschke angetretene Bundesvorstand gerade bezüglich der kommenden Zahnärztegeneration neue Wege beschreiten muss, verdeutlichte der diesjährige Festvortragsredner Prof. Dr. Christian Schmidt (Köln). Deutlich andere Denkmodelle der jetzt antretenden „Generation Y“ mit spezifischen Plänen zu „Work-Life- Balance“ und den daraus resultierenden anderen Vorstellungen über die Organisation ärztlichen Handelns stellten die Selbstverwaltungen mehr und mehr unter Zugzwang. Zumindest hierfür hat die FVDZ-Hauptversammlung ihre klare Bereitschaft signalisiert.