KZBV-Vertreterversammlung

Positionswechsel

Dr. Wolfgang Eßer ist der neue Vorsitzende der KZBV. Unterstützt vom bisherigen Amtsinhaber Dr. Jürgen Fedderwitz erhielt er auf der Vertreterversammlung am 6. November in Frankfurt am Main 50 von 59 Stimmen – und erzielte damit ein starkes Ergebnis, das den dreiköpfigen Gesamtvorstand in seiner Arbeit voll bestätigt.

Der neue und der alte KZBV-Vorsitzende: Dr. Wolfgang Eßer und Dr. Jürgen Fedderwitz. Foto: KZBV-Darchinger

Bereits nach seiner Wiederwahl im Juni 2011 hatte der Vorstand, bestehend aus Fedderwitz und seinen Stellvertretern Eßer und Dr. Günther E. Buchholz, zum Herbst 2013 den Wechsel an der Spitze angekündigt. In Frankfurt bekräftigte Fedderwitz diese Absprache vor den Delegierten: „Wir drei haben vereinbart, dass sich Wolfgang Eßer als mein Nachfolger für den Vorstandsvorsitz zur Wahl stellt.“ Er sei überzeugt, dass mit Eßer der eingeschlagene Kurs erfolgreich fortgeführt werde und bat deshalb um ein eindeutiges Wahlergebnis als Bestätigung für die gemeinsame Arbeit.

Mit 50 Ja-Stimmen, sieben Ablehnungen und zwei Enthaltungen spricht das Votum klar für Eßer wie auch für die Leistung von Fedderwitz und Buchholz. Mit der Wahl ist Eßer damit bis 2016 Vorsitzender des KZBV-Vorstands, Stellvertreter sind Fedderwitz und Buchholz. Die Aufgabenfelder und Zuständigkeiten bleiben von der Wahl unberührt. Vor dem geheimen Wahlgang hielten Fedderwitz und Eßer sehr emotionale Reden, die das Plenum unter großem Beifall aufnahm.

„Ich will die KZVen abschaffen!“ Mit diesem Vorsatz sei Fedderwitz vor mehr als 25 Jahren in die Standespolitik gegangen. „Für dieses Ziel, das ich augenfällig nicht erreicht haben, bespötteln mich gute Freunde bis heute“, bekannte er. „Dabei ist es ein Ziel von gestern!“ Die Triebfeder aber sei geblieben: „Es ging und es geht um die berufliche Freiheit im Großen und um viele Freiheiten im Kleinen.“ Heute seien für ihn die KZVen und die KZBV als notwendige Glieder und tragende Säulen im Gesundheitssystem nicht mehr wegzudenken. Auch wenn die Hauptamtlichen bei ihrer Arbeit in den Körperschaften oft janusköpfig wirkten – einerseits wegen der halbhoheitlichen Aufgaben, die der Gesetzgeber ihnen zur Sicherung des System übertragen habe, andererseits durch den satzungsmäßigen Auftrag, die berufspolitischen und wirtschaftlichen Interessen der Zahnärzteschaft zu vertreten –, sei das Streben nach Freiheit bis heute der Motor ihrer Arbeit.

Hauptamtliche Freiheitskämpfer

„Hauptamtliche Freiheitskämpfer – das ist ja auch eine merkwürdige Vorstellung“, räumte Fedderwitz ein. „Und doch sind wir die Gralshüter der Freiberuflichkeit!“ Inzwischen habe wahrscheinlich selbst die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, die mit diesem Kniff eigentlich die Freiberuflichkeit abschaffen wollte, erkannt, dass diese Hauptamtlichkeit auch Chancen offenbart. Angefangen mit der Bema-Umrelationierung über die Mehrkostenregelung in der Füllungstherapie bis hin zur leistungsrechtlichen Umsetzung des Festzuschusssystems beim Zahnersatz, das die verkrusteten GKV-Strukturen erstmals aufgebrochen habe und auf der Idee von Grund- und Wahlleistungen basiert.

Fedderwitz: „Spätestens mit der Bema-Umrelationierung galt die KZBV nicht nur als selbstbewusste und schlagkräftige Interessenvertretung, sondern auch als verlässliche Partnerin im politischen Prozess.“ Aufgrund der daraus folgenden Konsequenzen habe man sich schließlich auch von der „dogmatischen Leitforderung der Zahnärzteschaft“ verabschiedet: „Raus aus der GKV galt nicht länger“, veranschaulichte Fedderwitz. „Wer aber nicht mehr austreten will aus einem Versorgungssystem, das in Deutschland niemand mehr infrage stellt, der muss sich einbringen in die gesundheitspolitische Diskussion.“ Ein Weg, den die KZBV mit ihrem jetzigen Vorstand immer gegangen sei.

„Viele wichtige Impulse und Ideen aus dem Haus haben dazu beigetragen, dass wir heute diese Bilanz in der Mitte dieser Legislaturperiode ziehen können“, knüpfte Eßer nahtlos an. Dass sich die drei trotz sehr guter Arbeitsergebnisse anfangs erst zusammenraufen mussten, gab er unumwunden zu. „Mittlerweile haben wir jedoch eine Form der Kommunikation gefunden, die die Arbeit im Vorstand außerordentlich angenehm macht.“

Mit der neuen Regierungskoalition würden die Karten jetzt neu gemischt. „Wir haben unsere Positionen, die in der Agenda Mundgesundheit festgelegt sind, und unsere Forderungen für die Koalitionsverhandlungen eingebracht“, erläuterte Eßer. „Darüber hinaus haben wir mit der Bundeszahnärztekammer eine gemeinsame Positionierung konsentiert, die wir mit den neuen Gesprächspartnern ebenfalls intensiv diskutieren werden.“

Der Zahnarzt als Präventionsspezialist

Im Fokus der Arbeit stehe natürlich weiterhin die Versorgung – und hier zentral der Ausbau der zahnmedizinischen Präventionsstrategie. Eßer: „Unser Ziel ist, allen Menschen über den gesamten Lebensbogen hinweg einen gleichberechtigten und barrierearmen Zugang zur zahnmedizinischen Versorgung zu ermöglichen. Der Heavy-Metal-Zahnarzt war gestern: Wir Zahnärzte sind Präventionsspezialisten geworden.“ Neue Schwerpunkte setze die KZBV künftig in der Erarbeitung und Umsetzung von speziellen Konzepten zur Betreuung von Risikogruppen. Zugleich wolle die KZBV die Kollegenschaft weiter stärken. „Die Politik hat das Gesundheitswesen leider größtenteils den Krankenkassen und den Ökonomen überlassen. Doch die Kostenträger sollen Kosten tragen – nicht die Versorgung gestalten. Umgekehrt werden wir Mediziner zu sogenannten Leistungserbringern und damit zu Erfüllungsgehilfen degradiert. Die Begriffe des Helfens und Heilens findet man in dieser Nomenklatur nicht mehr wieder.“ Ein Trend, der dringend gestoppt werden müsse. „Es liegen große Herausforderungen vor uns, die wir zu bewältigen haben“, kündigte Eßer an. „Wir wollen unsere bisherige Vorstandsarbeit fortsetzen – für die Versorgung und für den Berufsstand.“

Der Bericht zur VV erscheint in den zm 23.