Zum 300. Geburtstag von Philipp Pfaff

Die Pfaffsche Praxis soll nachgebaut werden

Der Königlich-Preußische Hofzahnarzt von Friedrich dem Großen, Philipp Pfaff, gilt als Vordenker in der deutschen Zahnmedizin (die zm berichtete in der Ausgabe 5/2013). Nun soll sein Praxiszimmer im Dentalhistorischen Museum e.V im sächsischen Zschadraß nachgebaut werden.

Philipp Pfaff. 1756 veröffentlichte der Sohn eines Chirurgen das erste Lehrbuch über Zahnmedizin in deutscher Sprache. Foto: Sammlung Dr. Rolf Will

Dr. Hartmut Schade und Dr. Gerold Heckert vom Zahnärztlichen Förderverein Altkreis Büdingen überreichten auf dem Symposium vom Arbeitskreis Geschichte der Zahnheilkunde der DGZMK Andreas Haesler im Beisein von Dr. Rolf Will (v.r.n.l.) einen Scheck in Höhe von 5 000 Euro. Foto: zm

Der Ursprung für die Idee liegt im Jahr 2001. Damals übereignete Dr. Rolf Will (heute 81) aus Mannheim dem Dentalhistorischen Museum einen großen Teil seiner Sammlung zu Pfaff. Sein Augenmerk darin war sehr auf das Leben und Wirken von Philipp Pfaff gelegt. So kam eine der umfangreichsten Dokumentationen in Form einer Ausstellungsvitrine nach Zschadraß. Will trägt zahlreiche Auszeichnungen. Darunter neben anderen die Ehrenmedaille des Polnischen Zahnärztetages und der Medizinischen Akademie Warschau (1986), die Verdienst medaille der Bundeszahnärztekammer (1965) sowie das Bundesverdienstkreuz (2009). 1980 gründete er in Berlin die „Deutsche Zahnärztliche Philipp-Pfaff-Gesellschaft“ e.V., die er bis 1992 leitete. Heute ist er Ehrenpräsident. Im Jahr 2002 hat Will eine Biografie über Pfaff herausbracht.

Pfaff-Büste aus dem Landesmuseum Mannheim

Den zweiten Teil seiner Sammlung bot Will dem Landesmuseum in Mannheim an. Dort wurde eine eigene Vitrine angefertigt. Die von Will modellierte Pfaff-Büste wurde in Bronze gegossen. Als im Jahr 2012 der Leihvertrag mit dem Landesmuseum in Mannheim auslief, stand dieser Teil wieder zur Disposition. Mehrere Interessenten hatten sich beworben, berichtet der Zahntechniker Andreas Haesler, der das Dentalhistorische Museum auf Spendenbasis betreibt. Mit vielen Widrigkeiten. Das Haus leidet unter chronischer Unterfinanzierung. Das Dach beispielsweise müsste dringend renoviert werden. Dafür fehlt aber das Geld.

Im Februar 2013 erreichte Haesler die freudige Nachricht, dass er den zweiten Teil vom Landesmuseum übernehmen dürfe. Will hatte ihm den Zuschlag gegeben. Nur die angefertigte Vitrine konnte er nicht bekommen. Es handelte sich um eine spezielle Konzeption nur für das Landesmuseum. Dafür wurde die Bronze-Büste von Pfaff als Dauerleihgabe angeboten. Die Verträge kommen Haesler zufolge gerade zum Abschluss.

Nun stand der Zschadraßer vor der Aufgabe, beide Teile, die jetzt zur Sammlung gehören und keine Leihgaben sind, angemessen zu präsentieren. Dabei kam ihm die Idee, die Pfaffsche Praxis nachzugestalten. Auch weil sich dessen Geburtstag 2013 zum 300. Mal jährt.

Ein Raum im Museumsgebäude fand sich schnell. Wie aber soll so ein historisch bedeutsames Zimmer eingerichtet werden? Dazu war es für Haesler notwendig, das von Pfaff geschriebene Buch „Abhandlungen von den Zähnen des menschlichen Körpers und deren Krankheiten“ nicht nur zu lesen, sondern regelrecht zu studieren. Wie beschreibt er seine Praxis in einzelnen Buchpassagen? Welche Behandlungsmethoden beschrieb oder wendete Pfaff an? Was nutzte er an Instrumentarium? Welches waren seine eigenen Entwicklungen? Wie setzten sich die von Pfaff empfohlenen Rezepturen zusammen und welche Medizin verwendete er?

Zudem versucht Heasler zu klären, wie Pfaffs Lebensverhältnisse und seine Beziehung zur Charité in Berlin waren. Leben und Arbeit des Begründers der deutschen Zahnmedizin sollen sowohl allgemeingeschichtlich wie fachhistorisch aufbereitet werden.

Einige Gespräche mit Will brachten Haesler noch einmal wichtige Hinweise, vor allem die Aussage, kein Zimmer im großen Barock oder Rokoko einzurichten, sondern ein einfaches Zimmer dieser Zeit. Denn Pfaff war offenbar zu keiner Zeit ein reicher Mann.

Beratend steht auch Dr. Ilona Marz aus Berlin zur Seite. Marz, die bis 2009 die Zahnmedizinhistorische Sammlung an der Humboldt-Universität zu Berlin betreut hat, kann Pfaffs Leben in Berlin und an der Charite beleuchten.

Aufbau aus eigener Kraft

Haesler erhält keine finanzielle Unterstützung. Umso erfreuter war er, als ihm in der Sitzung des Arbeitskreises Geschichte der Zahnheilkunde auf dem Zahnärztetag 2013 unter der Leitung von Dr. Wibke Merten ein Scheck über 5 000 Euro von Vertretern des Zahnärztlichen Fördervereins Altkreis Büdingen (ZVB) überreicht wurde (Foto).

Um mehr über das Leben in der Zeit um 1750 zu erfahren, habe er an die acht Museen besucht und entsprechende Literatur erworben. In seinem eigenen Fundus ließ sich zudem für die Einrichtung schon einiges finden.

In erster Linie ist Haesler aber bemüht, sich in die Denk- und Handlungsweise Pfaffs hineinzuversetzen. Er war Wissenschaftler, gelernter und erfahrener Chirurg und hat das einzige vorhandene zahnärztliche Werk dieser Zeit gekannt.

Die Planung für das Pfaff-Zimmer geht indes weiter, ein Abrisshaus in Sachsen und eine Abrissscheune in Thüringen könnten wohl noch entsprechendes Holzbaumaterial liefern. Mit den zwei Mitarbeitern des Dentalhistorischen Museums – über das Arbeitsamt gewonnene Ein-Euro-Jobber – werde dieses Material geborgen und aufgearbeitet. Das entsprechende Wissen musste sich Haesler selbst aneignen.

Fachliche Unterstützung erfährt er dabei auch durch seine Brüder Jörg und Tino Haesler. Jörg Haesler arbeitet beim Denkmalschutz der Weimarer Klassik. Tino Haesler hat ein kleines Bauunternehmen. Die Männer werden die Bauausführung des Zimmers übernehmen.

Einen losen Zeitplan gibt es auch schon. „Wenn alles gut geht und vor allem das richtige Material aus der Zeit um 1750 da ist, kann eine offizielle, feierliche Übergabe im Jahr 2014 erfolgen“, so Haeslers Prognose.

Die Kosten liegen eher im Vagen. Während ein anderes Museum Kosten von mehr als 100 000 Euro für diese Projekt veranschlagt hätte, so schätzt jedenfalls Haesler, arbeitet er mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln. Das sind vor allem Manneskraft, erworbenes Wissen, Spenden und organisatorisches Geschick.

Haesler bezeichnet das Dentalhistorische Museum in Zschadraß als „ein für die deutsche Zahnärzteschaft essenziell wichtiges Geschichtshaus“. Ein Berufsstand ohne Geschichte „kann nicht gut sein“, ist er sich sicher. Für Sach- und Geldspenden ist Haesler stets dankbar (Kasten).

www.dentalmuseum.eu
Spendenkonto: Dentalhistorisches Museum e.V. Kto-Nr.: 80008694 BLZ: 86065483 (Raiffeisenbank Grimma)

Info

Reaktion aus dem Philipp-Pfaff-Institut

„Philipp Pfaff – ein Mensch mit Visionen, Mut und Tatendrang. Wir sind stolz, dass unser Institut seinen Namen trägt und hoffen, mit unserem Fortbildungsangebot die Zahnmedizin der Zukunft mitzugestalten.

Das Buch von Pfaff ’Abhandlungen von den Zähnen des menschlichen Körpers und deren Krankheiten’ lässt einen innehalten und darüber staunen, welch zukunftsweisende Gedanken und Techniken bereits damals zur Anwendung kamen. Mit einer Pfaffschen Praxis wird dies bestimmt noch sehr viel plastischer, begreif- und erlebbarer. Ein tolles Projekt, das wir mit Interesse verfolgen und dem wir viel Erfolg wünschen.“

Dr. Thilo Schmidt-Rogge
Geschäftsführer Philipp-Pfaff-Institut
Fortbildungseinrichtung der Landeszahnärztekammern Berlin und Brandenburg

Info

Historische Spenden

Das Dentalhistorische Museum benötigt Geldspenden für Renovierungsarbeiten wie für den Erhalt und die Erweiterung der Sammlung. Speziell für den Nachbau des Praxiszimmers von Philipp Pfaff werden Gegenstände aus der Zeit um 1750, etwa Bücher, Glas, Keramik, Zinn und Bilder, gesucht.

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