Editorial

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Was Hänschen und Gretel nicht lernen, können Hans und Grete später erfolgreich angehen, so sie nur wollen. Die Voraussetzungen für den Erfolg der kommenden Generation schafft immer die Generation davor. Foto: zm-Archiv

Liebe Leserinnen und Leser,

seit Abertausenden von Jahren immer dasselbe: Die Älteren mäkeln an ihren Nachfahren. Was Generationen wie den „Babyboomern“, „X“, „Y“ oder künftig vielleicht „Z“ zugeschrieben wird, ist nachweislich seit der Antike nur dem jeweiligen Standpunkt geschuldet.

Gegenwärtig sind es die „Ypsiloner“, die Generation „Warum“, die der Gesellschaft blickwinkelbedingtes Kopfzerbrechen bereitet. Können die das, was von ihnen erwartet wird? Sind die gut vorbereitet?

Hört man da etwa Ängste heraus, getrieben von der Sorge um das spätere eigene Wohlergehen? Ein bisschen mehr Zuversicht bitte! Schließlich haben die Älteren die Jüngeren selbst herangezogen.

Und trotzdem: Geht es um die eigene Praxis, ist die Frage der Qualifikation einzustellender Team-Kollegen selbstredend angesagt. Da sind Qualifikation, Bildung, aber auch Einsatzwille und Verantwortlichkeit schon erheblich. Die richtige Auswahl zu treffen ist hier wichtige Aufgabe. Aber auf Herz und Nieren geprüft gehört der jeweilige Mensch, nicht pauschal die Generation. Auch das war schon immer so. Und immer lassen sich Defizite finden, man muss nur suchen. Aber daraus resultiert kein schlichtes „Früher war alles besser“.

Nein, heute ist vieles anders. Und spezifisch darauf bereitet sich die jeweilige Generation vor. Bildung, Ausbildung, Berufung - all das ist Ergebnis dessen, was wir den Jüngeren zur Verfügung gestellt haben. Was die daraus machen, ist später ihr eigenes Ding.

Im Umgang mit jungen Kollegen ist das, was aus persönlichen Vorstellungen wird, immer auch eine Frage der Herausforderung. Vertrauen braucht Zutrauen. Vor Verantwortung drückt sich, wer sich selbst nichts zutraut.

Egal wie, auch die Generation Y, der ja nachgesagt wird, sie habe keine Lust auf Hamsterräder und Tretmühlen – wer hat schon Spaß an so was? –, wird sich den Herausforderungen dort stellen müssen, wo sie anliegen. Und mit denen wachsen, Erfahrungen machen und sich selbst letztlich dazu bringen, in späterer Rückschau festzustellen, dass das Leben weder „Pony-“ noch „Hinterhof“ war. Eher das gesunde Gemisch, das beruflichen Erfolg, Zufriedenheit und Handlungsfreude zumindest möglich macht.

Die Generation, die zurzeit am Drücker sitzt, muss sich auch klar machen: Letztlich ist es immer die Elterngeneration, die dafür die Vorsorge zu treffen hat. Ideelle Einstellungen, Fragen von „Work-Life-Balance“ und anderes mehr sind gesellschaftspolitische Pflanzen, für die die Generation davor die Samen gesetzt hat.

Und – mal Hand auf’s Herz – was ist denn aus den Leuten geworden, die man mit Etiketten wie „halbstark“ oder „lange Haare, kurzer Verstand“ versehen hat?

Richtig: Wir!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihr

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur