Geschenke von bleibendem Wert

Zeitlose Kostbarkeiten

Schöne Dinge zu schenken, bereitet nicht nur dem Empfänger große Freude. Besonders dann, wenn das Geschenk auch noch nach vielen Jahren nichts von seiner Attraktivität und seinem Wert verloren hat. Das trifft immer zu, wenn das sorgfältig ausgesuchte Präsent ein eigenständiges Stück ist und keine Imitation. Diese Qualitätsmerkmale gelten für orientalische Teppiche und asiatische Kunst genauso wie für authentischen Modeschmuck und kostbaren Wein.

„Diamonds are forever“ heißt es zwar, aber schicker Modeschmuck von Trifari ist sicher auch nicht zu verachten. Foto: [M] zm-VRD-Fotolia.com-picture alliance

Unter orientalischen Teppichen gibt es tatsächlich noch wahre Schätze – leider aber auch einige Ladenhüter. Foto: [M] zm-VRD-Fotolia.com-picture alliance

Es ist ja nicht so als hätten die Deutschen kein Geld. Sie wissen nur nicht so recht, wohin damit. Die Zinsen befinden sich derzeit auf einem Rekordtief und man munkelt schon, dass die Banken demnächst einen Strafzins zahlen müssen, wenn sie ihr Geld bei der EZB parken wollen. Die Börsenkurse erklimmen luftige Höhen und so mancher Experte hält sie inzwischen doch für absturzgefährdet. Also wohin mit dem Geld? Da kommt Weihnachten gerade recht. Bietet sich jetzt doch die Gelegenheit, wenigstens einen Teil der Spargroschen für schöne Dinge auszugeben. Behalten diese auch noch ihren Wert oder steigern ihn sogar, dann können sie mehr Freude bereiten als so manche Bundesanleihe.

Fündig wird der Suchende nicht unbedingt bei der aktuellen und klassischen Kunst, die zu Höchstpreisen auf Auktionen verkauft wird. Interessant wird es abseits der Sensationen in den Nischen des Kunst- und Antiquitätenmarkts, wo es noch Qualität zu erschwinglichen Preisen zu entdecken gibt wie zum Beispiel in der Fotografie. Zwar steht inzwischen längst außer Frage, dass auch sie zu den sammelwürdigen Gebieten der modernen Kunst gehört. Doch vor 100 Jahren diente sie meist dazu, die Familie und Besitztümer im Bild festzuhalten.

Heute reißen sich Russen und Chinesen um die Highlights auf den Auktionen bei Sotheby’s und Christie’s. Sie gehören zu den Investoren, die die Preise treiben. So erzielte ein Foto des deutschen Künstlers Andreas Gursky in diesem Sommer mit 3,4 Millionen Euro den Weltrekord für ein Foto.

Viel Geld für sein Bilder-Hobby kann auch der Popstar Elton John ausgeben. Er betreibt es mit großem Sachverstand. In Expertenkreisen ist man voll des Lobes über die Qualität seiner Sammlung. Zu ihr gehören Fotos von berühmten Künstlern wie Edward Steichen, André Kertész und vielen anderen, eher unbekannteren Künstlern.

Denn auch abseits der Ikonen bietet die Fotografie sehr gute Qualität. Man muss sie nur finden. Tipps hält der New Yorker Kunstmarkt-Experte William Hunt bereit: „Gute Fotografie gibt es im Überfluss. Wahrhaft herausragende Fotografien jedoch sind Raritäten. Wenn man so eine Fotografie sieht, singt das Herz.“

Wenn Fotografie zu Kunst wird

Angehende Sammler schulen ihre Augen, indem sie Museen und Galerien besuchen. Dort lernen sie den Unterschied zwischen einem „geknipsten“ Bild und einem künst-lerisch anspruchsvollen Foto kennen und (einzu-)schätzen. Der Wert eines Fotos ist relativ für jeden Sammler.

Doch einige Wertmaßstäbe gibt es, die den Preis mitbestimmen, wie zum Beispiel die Höhe der Auflage beziehungsweise die Anzahl der Abzüge und der Bekanntheitsgrad des Fotografen. Gut beraten sind Käufer in seriösen Galerien wie zum Beispiel Kicken in Berlin. Gute Fotos in hohen Auflagen zu günstigen Preisen ab 100 Euro aufwärts bietet die Galerie Lumas, die in vielen Städten Filialen hat.

Mit DEAR Photography hat Daniela Hinrichs eine Internetplattform gegründet, auf der sie Werke von zehn deutschen Fotokünstlern anbietet. Dazu gehören die Modefotografen Kristian Schuller und Armin Mosbach oder freie Arbeiten von Pepa Hristova oder Julian Röder. Bei der Auswahl der Künstler hilft der bekannte deutsche Modefotograf F. C. Gundlach. Auf Auktionen erzielen seine Fotos 3 000 Euro und mehr. Die Bilder der von ihm gewählten Künstler kosten in kleinen Auflagen von drei bis sieben Exemplaren ab 1 300 Euro aufwärts.

Es gibt sie noch – die kostbaren Orientteppiche

Ihren Boom haben Orientteppiche bereits hinter sich. Das gilt besonders für die handgeknüpften persischen Exemplare, die in den Fünfzigern bis Ende der Siebzigerjahre die deutschen Wohnzimmer des wohl- habenden deutschen Mittelstands zierten. Feine Keshans oder Sarouks aus Persien, die damals viele Tausend Mark gekostet haben, liegen heute bei den Händlern auf Halde und sind für einen Bruchteil des ehemaligen Preises zu haben. Und wer diese einst so kostbaren Stücke verkaufen will, darf froh sein, wenn jemand sie als Geschenk annimmt. Sie sind einfach nicht mehr en vogue. Häufig werden sie auch zu großen Bündeln verpackt nach Indien geschickt. Dort werden sie zerschnitten, zu Patchworkteppichen zusammengenäht und hier als Designerteppiche wieder verkauft. Diese Teppiche, die der alten höfischen Knüpfkunst aus der Zeit des 16. und 17. Jahrhunderts nachempfunden sind, haben sich nie als Sammelgebiet geeignet.

Die Originale dagegen umso mehr. „Histo-rische Teppiche sind sehr teuer“, berichtet Detlef Maltzahn, Geschäftsführer des auf Teppichkunst spezialisierten Auktionshauses Rippon Boswell in Wiesbaden. Jüngstes und eindrucksvollstes Beispiel ist ein zwei Meter mal 2,7 Meter großer Perserteppich aus dem frühen 17. Jahrhundert. Der aus einer amerikanischen Sammlung stammende Clark-Sickle-Leaf-Teppich erzielte Anfang Juni dieses Jahres bei Sotheby’s in New York den Rekordpreis von sage und schreibe 33,8 Millionen Dollar.

Weniger tief in die Tasche greifen müssen Sammler, die sich für Dorf- und Stammesteppiche interessieren. Sie stammen häufig aus dem Gebiet der Kurden, dem Kaukasus, aber auch aus Usbekistan oder Tibet. Rolf Hirschberg, Inhaber der Galerie Teppichkunst Hirschberg in Köln, sagt: „Bei diesen Teppichen kommt es hauptsächlich auf die Farben an. Es müssen unbedingt Naturfarben sein. Und damit ein Teppich mich geradezu anspringt, muss er „magic“ sein.“ Wenn er auf Einkaufstour geht und der Händler ihm einen Stapel „netter“ Teppiche präsentiert, fragt er ihn nach den magischen Stücken. Die holt dieser dann von nebenan und nennt den dreifachen Preis. „Aber es lohnt sich“, schmunzelt Hirschberg, „der Funke springt auch auf die Kunden über. Auf diesen Teppichen bleibe ich nie sitzen.“ Die Muster dieser Teppiche sind meistens eher einfach. Manchmal – wie bei einem tibetischen Gebetsteppich – (Preis: 5 900 Euro) gibt es nur zwei Farbflächen in sehr intensiven Farben, die das Textilteil zur modernen Kunst erheben. Ein Berber- teppich aus Marokko (5 800 Euro) weist nur die Farbe Rot auf und zieht dennoch die Blicke magisch an. Vielfältig sind auch die gewebten Teppiche, Kelims genannt. Sie stammen häufig aus Persien, die Muster sind überwiegend geometrisch und die Farben eher gedämpft. Die Preise für gute Stücke beginnen je nach Größe bei 6 000 Euro.

Wertvolle japanische Miniaturskulpturen

Mit Netsuke kennen sich die vielen Tausend Leser des Bestsellers „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ bestens aus. In ihm beschreibt der Autor Edmund de Waal eindrucksvoll, wie er in den Besitz von 264 Netsuke gelangte. Diese japanischen Miniaturskulpturen dienten vom 17. bis zum 19. Jahrhundert dazu, am Gürtel des taschenlosen Kimonos wie ein Gegengewicht dafür zu sorgen, dass sich Rauchwaren, Medizin und Geld bequem tragen ließen. Sein Besitzer zog durch zwei versteckt gebohrte Löcher eine Schnur, die das Netsuke zum Beispiel mit einem Inro (Behälter) verband. Die häufig sehr aufwendig geschnitzten kleinen Kunstwerke aus Elfenbein oder Buchsbaumholz maßen kaum mehr als acht Zentimeter. „Reiche Kaufleute, die aus Tradition keine Schwerter tragen durften – diese waren den Samurai vorbehalten – demonstrierten mit den sehr aufwendig gearbeiteten Netsuke ihren Wohlstand“, weiß Hildegard Flachsmann, die in Kronberg eine Galerie für Asiatika führt.

Häufig stellten die Skulpturen das Sternzeichen seines Besitzers dar. Aber auch volksnahe Glücksgötter oder lebendig geschilderte Alltagsszenen waren beliebte Motive. Leider machte der Einfluss westlicher Mode gegen Ende des 19. Jahrhunderts das Tragen der Netsuke überflüssig. Mit dem Handel gelangten die handlichen Kunstwerke nach Amerika und Europa. Dort fanden sie schnell Liebhaber, die sich die meisterhaft gearbeiteten Figuren in die Vitrine stellten. Patrizia Schmitz, die mit ihrem Mann zusammen eine Galerie in Köln betreibt, rät: „Die filigranen Gebilde sind mit Vorsicht zu behandeln. Vor allem Füße und Arme brechen leicht ab.“ Inzwischen haben auch Chinesen und Russen die Netsuke entdeckt. Dazu Expertin Flachsmann: „Es gibt kaum Nachschub. Die Russen kaufen auf Auktionen alles auf und treiben die Preise bis zum Dreifachen.“ Gute Netsuke mit echter Patina kosten ab 3 000 Euro. Außergewöhnliche Stücke erzielen auch 100  000 Euro. Schlichte und preiswerte Exemplare verkauft Händlerin Schmitz schon ab 200 Euro.

Sammelwürdig sind auch die kleinen Behältnisse für Medizin, die die Japaner mithilfe der Netsuke am Gürtel trugen. Diese Inros bestehen aus meistens vier aufeinander gesteckten Fächern, die mit einer Seidenschnur, die wiederum durch seitliche Schäfte läuft, zusammengehalten und mit dem Netsuke verbunden werden. Der Kern des Inros besteht meist aus Holz oder Elfenbein. Das Behältnis wird mit einem Grundlack versehen und zwar so, dass die Fächer luftdicht passen, sich aber dennoch leicht öffnen und schließen lassen. Der gesamte Korpus wird mit vielen Lackschichten bedeckt. Daraus hebt der Künstler reliefartige Bilder hervor, die zum Beispiel einen Drachen oder einen exotischen Fasan auf einem Zweig sitzend darstellen. Galeristin Flachsmann erzählt: „Beliebt waren auch Elefanten, die die Künstler aber in natura nie gesehen haben und nur von Zeichnungen her kannten. Da verwundert es nicht, dass die Tiere häufig Schlitzaugen hatten.“ Gute Inros sind signiert und kosten leicht 5 000 Euro und mehr.

Vom Modeschmuck mit eigener Note

Wer zu Weihnachten ein Geschenk sucht, das für weniger Geld zu haben ist aber dennoch etwas besonderes ist, sollte sich in den auf alten Modeschmuck spezialisierten Läden wie „Glanzstücke“ und „Art Décoratif“ (beide in Berlin) umschauen. Beide bieten ihre Schmuckstücke aber auch im Internet an. Martina Brown (Art décoratif) konzentriert sich auf Modeschmuck aus den Dreißigerjahren und später. Sie sagt: „Guter alter Modeschmuck kommt überwiegend aus den USA. Dort hatte er einen ganz anderen Stellenwert als hier. Galt er hier als „Dienstmädchenschmuck“, wurde er dort von allen Gesellschaftsschichten getragen.“ Die schönsten Stücke stammen aus den Dreißiger- bis Sechzigerjahren. Zu den besten Herstellern in den USA zählt Brown Firmen wie Trifari, Coro und Weiss. Typisch für Trifari sind Blütenketten aus Silber und vergoldetem Metall mit farbigen Straßsteinen und einem Trifari-Stempel versehen.

So kostet eine Glasblütenkette aus den Dreißigerjahren 320 Euro. Berühmt für ihre Duette-Broschen aus den Dreißigerjahren ist die Firma Coro. Sie lassen sich in mehrere Teile zerlegen. Ein schönes Exemplar, vergoldet mit emaillierten Blüten und Glascabouchons, „Coro Duette“ gestempelt, kostet 420 Euro. Produziert wurden die Schmuckstücke unlimitiert für eine Saison. Besonders aufwendig und auch eher selten sind die Ketten, Ohrclips und Broschen, die Elsa Schiaperelli passend zu ihrer Mode entworfen hat. Liebhaber zahlen gern die hohen Preise für den Schmuck der Italienerin, die ihr Handwerk mit künstlerischem Anspruch betrieb. So kostet ein Set aus Collier, Armband und Ohrclips, gefertigt aus Weißmetall und blauen Steinen, gestempelt „Schiaperelli“, stolze 2 100 Euro. Für Martina Brown heißt die wichtigste Regel für den Kauf: „Modeschmuck muss eigenständig sein. In dem Moment, wo er versucht, echten Schmuck zu imitieren, wird er tatsächlich zum Dienstmädchenschmuck.“

Wenn ein edler Tropfen im Glas lockt

Deutlich weniger zur Schau getragen als Colliers und Broschen werden Geschenke, die in Flaschen abgefüllt sind. Sie lagern im dunklen Keller, nicht zu feucht und nicht zu trocken, vibrationsfrei, bei nicht mehr als 18 Grad. Die Rede ist von Sammlerweinen, die wenn sie lange liegen, an Wert gewinnen. Sie auszusuchen erfordert viel Sachverstand und Geld. Infrage kommen fast ausschließlich die exquisiten Lagen der großen Chateaus im Südwesten Frankreichs. Zu den gehören Namen wie Lafite-Rothschild, Lafleur, Latour, Chateau d’Yquem, Cheval Blanc oder Pétrus.

Wer auf Nummer sicher gehen will, hält sich an die großen Lagen. Doch können End-verbraucher dort nicht einfach einkaufen. Die Winzer verkaufen die Rechte auf eine Weinlieferung über sogenannte Négociants, die sie an den Handel weitergeben. Bei diesem Subskriptionsgeschäft bezahlt man für einen Wein im Voraus, der noch längst nicht fertig ist. Probiert haben ihn vor der Abfüllung die berühmten Weinkritiker. Der bekannteste ist der Engländer Robert Parker. Er vergibt pro Wein bis zu 100 Punkte. Der Weinkenner und Sommelier Christoph Schönegge rät angehenden Sammlern: „Ein Investment-Wein sollte mindestens 90 Punkte haben, besser 95. Weine mit 100 Punkten gibt es nur wenige.“

Zwar hat Parker inzwischen Teile seines Unternehmens verkauft, doch das Burgund und das Bordelais bereist er weiterhin. Wer sich nicht auf einen Blindkauf einlassen will, findet im Fachhandel Weine aus den Toplagen. Die Preise bewegen sich zwischen ein paar Hundert und mehreren Tausend Euro. So kostet eine Flasche Chateau Lafleur Pommerol von 2009 bei weinart.de 1 309 Euro oder ein Chateau Margeaux 1. Cru classé von 2010 bei der CD Weinhandelsgesellschaft 1 050 Euro.

Internetvergleiche bieten sich an

Auch im Internet lassen sich Vergleiche anstellen. Einen guten Überblick über Preisentwicklungen geben die Auktionsergebnisse bei Steinfels Weinauktionen (www.steinfelswein.ch) in Zürich oder bei Christie’s und Sotheby’s in London. So begehrt die großen Rotweine auch sind, die Gefahr, dass der Wein am Ende nach Kork schmeckt, ist immer gegeben. Vielleicht erfährt sein Besitzer es ja auch nie, denn wer traut sich schon, einen Wein zu genießen, der ein paar Tausend Euro gekostet hat. Zu Weihnachten passt auch ein Glas Champagner, um anzustoßen.

Marlene Endruweit
Fachjournalistin für Wirtschaft
m.endruweit@netcologne.de

Diese japanischen, Inros genannten, kleinen Behältnisse hängen an den Netsukes und können kleine Kunstschätze sein.

Foto: [M] zm-VRD-Fotolia.com-picture alliance

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