Eine prospektive Studie zur anxiolytischen Wirkung

Mit Musik gegen die Angst

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Abbildung: Schematische Darstellung des Studienablaufs
Tabelle 1: signifikante Ergebnisse der Unterschiedstests der Messwerte unter Musikeinspielung (mM) vs. ohne Musikeinspielung (oM) für sämtliche Parameter und Messzeitpunkte (chronologisch sortiert nach Messzeitpunkten).
Tabelle 2: Maximale Punktdifferenzen der Messwerte mit vs. ohne Musikintervention und Reduktion der Mess-werte in Prozent der Messwerte ohne Musikintervention (oM)
Abbildung 2: Verlauf der Effektstärken der Musikwirkung auf die erfassten Parameter HAF, STAI-S (STATE), VAS Angst, VAS Schmerz und Pulsrate zu den Messzeitpunkten (MZ), n=90

Ergebnisse

Als Interventionsmedium fungierte Entspannungsmusik, die den Probanden über handelsübliche Ohrkanalhörer der Firma Sennheiser (Typ CX300) zugespielt wurde, die gleichzeitig die Ausblendung von Umgebungsgeräuschen sicherstellten. Hierbei hatte der Patient die Möglichkeit, selbst zwischen drei CDs auszuwählen, zwei Kompositionen von Martin Buntrock – Meer und Atlantic Symphony [Buntrock, 2003; Buntrock, 2007], deren anxiolytische Wirksamkeit im Rahmen einer experimentellen Untersuchung von Jöhren und Zimmermann [Jöhren und Zimmermann, 2002] bereits nachgewiesen wurde, sowie die CD „Cafe del Mar, Classic I“ (2002), deren anxiolytische Wirkung sich in der vorliegenden Studie erweisen sollte.

Bei allen drei CDs handelte es sich um Musik ähnlicher Stilrichtung mit langsamen instrumentalen Tönen und Rhythmen sowie einem Metrum von 60 Schlägen pro Minute. Die Lautstärke der Einspielung konnten die Probanden selbst regulieren.

Ein Vergleich der Gesamtsummen-Scores unter den beiden Bedingungen „Behandlung mit“ versus „ohne Musikeinspielung“ gewährleistete eine systematische und statistisch überprüfbare Bewertung der Wirksamkeit des Interventionsmediums Musik auf das Angstempfinden von Patienten. Die Daten wurden mit XLStat2011 ausgewertet und das übliche Signifikanzniveau von p = 0,05 wurde verwendet.

Ergebnisse

Insgesamt wurden 90 mittelängstliche Patienten (63 weiblich, 27 männlich) in die Studie aufgenommen.

Die Ergebnisse der Studie bestätigten einen anxiolytischen (p 0,0001), schmerzlindernden (p 0,0001) und die Herzfrequenz (p 0,0001) reduzierenden Effekt von Musik bei der Zahnbehandlung im Praxissetting. Von den 19 Messwerten, die innerhalb der sechs Behandlungszeitpunkte mit unterschiedlichen Verfahren erhoben wurden, verwiesen 14 auf eine durchgängig signifikant positive Wirkung von Musik auf das Angst- und Schmerzerleben sowie eine Verlangsamung der Pulsrate (Tabelle 1).

Darüber hinaus konnten im vorliegenden Cross-Over-Design keine konsistent signifikanten Unterschiede zwischen den Versuchsgruppen hinsichtlich des Musikeinsatzes in Phase 1 oder in Phase 2 ermittelt werden. Als auffälligstes Messergebnis im Vergleich der Behandlungsphasen zeigte der Musikeinsatz unmittelbar vor der Behandlung auf dem Zahnarztstuhl (MZ 2) den größten Effekt auf alle untersuchten Parameter:

• auf das Schmerzempfinden (Reduktion 28 Prozent, p 0,0001, Wilcoxon-Test),

• auf das Angstempfinden (17,3 Prozent, p 0,0001; t-Test), Parameter HAF (11,5 Prozent, p 0,0001; t-Test), Parameter State (8,8 Prozent, p 0,0001; t-Test)

• sowie auf die Pulsrate (6,2 Prozent, p 0,0001; t-Test) (Tabelle 2).

Dieser größte Effekt der Musikintervention zum Zeitpunkt unmittelbar vor der Behandlung (MZ 2) lässt sich auch anhand der Effektstärken verdeutlichen (Abbildung 2).

Eine allgemeine Verringerung des Ängstlichkeitsgrads durch Musik konnte nur tendenziell nachgewiesen werden.

Im Behandlungsverlauf zeigten die erfassten Angstparameter (HAF, VAS Angst / erinnerte Angst und STAI-S) eine gleichmäßigere Reaktion auf die Musikwirkung mit einem nur schwach signifikanten Unterschied bei der Zustandsangst zwischen Wartezimmer und Behandlungsstuhl, während bei der Schmerzempfindung die Musik im Behandlungsstuhl einen signifikant größeren Effekt zeigte als unmittelbar nach der Behandlung und einen Tag danach.

Während die Musik über den Behandlungszeitraum hinweg zu einer relativ konstanten Reduktion des Angstempfindens (zwischen 11,7 bis 17,3 Prozent) führte, wurden im Gegensatz dazu bei den Parametern Schmerzempfindung (zwischen 4 und 28 Prozent) und Pulsrate (zwischen 0,9 und 6,2 Prozent) starke Schwankungen ermittelt. Aber auch die Pulsrate – als durch die Angst beeinflusster physiologischer Parameter – wurde im Behandlungsstuhl durch die Musikeinspielung signifikant stärker reduziert als zum Beispiel einen Tag nach der Behandlung.

Insgesamt hatte die Musik in der präoperativen Phase der Behandlung eine größere Wirkung auf alle erfassten Parameter als danach.

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