61. Winterfortbildungskongress

Lernen in Braunlage – Vom Apex bis zur Krone

Mitte Januar fand in Braunlage die traditionelle Fortbildungsveranstaltung statt, zu der sich auch diesmal über 500 Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie zahnärztliches Fachpersonal im Tagungshotel „Maritim“ im verschneiten Oberharz in Braunlage eingefunden hatten. Galt es doch dieses Mal, viel Neues über Endodontie zu erfahren und Kniffs und Tricks den Experten abgucken zu dürfen.

Foto: Jörg Röver

„Die Endodontie ist die beste Maßnahme zur Zahnerhaltung. Die wurzelgefüllten Zähne sind damit ein besseres Implantat“, erklärt Kammerpräsident Dr. Sereny Foto: Jörg Röver

Dr. Michael Sereny (im Bild links) , Präsident der Zahnärztekammer Niedersachsen, streifte in seinem Grußwort obligatorisch auch die Ereignisse des vorangegangenen „Zahnarzt-Jahres“. So kam er auch auf den erst zum Jahresende beendigten Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung zu sprechen, in dem der Begriff Zahnarzt nur ein einziges Mal enthalten sei. Er kam zu dem Fazit, dass es vielleicht sogar besser gewesen wäre, wenn diese Verhandlungen noch länger gedauert hätten. Dann hätte das vielleicht auch für die Wirtschaft von Vorteil sein können. Er schloss mit den Worten: „Zur Zeit scheint ja ein standespolitisches Durcheinander mit neuen interessanten Koalitionen zu bestehen, bei denen ich auf der einen Seite Weitblick, auf der anderen Seite Ehrlichkeit vermisse.“

Als Themenschwerpunkt wählte Tagungs- leiter Prof. Dr. Thomas Attin (rechts), Zürich, dieses Jahr die „moderne Endodontologie – von A bis Z“. Elf Referenten besprachen die Thematik „vom Apex bis zur Krone“ in Vorträgen und vertieften diese dann nachmittags in Intensiv-Seminaren. Die Aussicht auf Erfolg kann durchaus gut sein, resümierte Prof. Dr. Edgar Schäfer, Münster. Entscheidend sei immer die sichere Diagnostik. So empfahl er durch eine gezielte Fragestellung schnell hinter die genaue Ursache des Schmerzes zu kommen. So deutet der Nachtschmerz und die Schmerzreaktion auf Wärme immer auf eine irreversible Pulpitis hin, meistens dauert die Symptomatik auch schon recht lange an, der Spontanschmerz signalisiert eher eine reversible Pulpitis.

Seine Tipps für den Praktiker: Beim Wärmetest mit Guttapercha vorher Vaseline auf den zu prüfenden Zahn applizieren! Auch erinnerte er daran, dass eine Eugenoleinlage bei Schwangeren und in der Stillzeit kontraindiziert sei. Und er ermahnte: „Fragen Sie immer, ob Ihr Patient einen Schrittmacher hat, wenn Sie den elektrischen Pulpatester anwenden!“ „Eine medikamentöse Einlage macht nur Sinn bei pulpaavitalen Zähnen mit Fistel und ausgeprägter Symptomatik“, postulierte der Fachmann.

Auch warnte er: „Kein Ledermix in den offenen Wurzelkanal“ und verriet seine Spezial-Rezeptur für die medikamentöse Einlage: „Ich rühre Kalziumhydroxid mit Leitungswasser und CHX an.“


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Im Zeitalter der Playstation und Couchpotatoes

Der Psychiater, Sportmediziner und Neurologe Prof. Dr. Volker Busch aus Regensburg (Mitte) erklärte in seinem Festvortrag, warum es möglich ist, mittels Sport das Hirn am „Arbeiten zu halten!“ So zeigte er, dass bei der Altersdemenz sowie bei Morbus Alzheimer diverse Areale des Gehirns, der präfrontale Cortex, zugrunde gehen, es aber durchaus möglich sei, Gehirnzellen zu regenerieren, wenn diese gewisse Bedingungen erhalten. „Und eine dieser Bedingungen ist Sport“, sagte der Spezialist. Er erklärte, warum Kinder heute im Zeitalter der Playstation und Couchpotatoes weit aus weniger intelligent seien als noch vor Jahrzehnten, als „man sich draußen aufhielt“. Busch: „Zwei bis drei mal pro Woche eine halbe Stunde Sport und möglichst auch noch eine Sportart, die die Koordination fördert! Das fördert die Neurogenese!“ Aber keine Stresssportart, denn Stress, also eine Cortisolausschüttung, hemme wiederum die Neubildung von Nervenzellen sowie ihre Vernetzung.

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