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Zahnärztliche Händehygiene

In den vergangenen Jahren wurde auf dem Gebiet der zahnärztlichen Hygiene vor allem die Instrumentenaufbereitung, und hier Fragen der manuellen oder maschinellen Aufbereitung zahnärztlicher Übertragungsinstrumente, intensiv diskutiert. In allen anderen medizinischen Fachdisziplinen stand die Händehygiene im Vordergrund. Dabei stellen doch auch die Hände des Zahnarztes und dessen Assistenz die wichtigsten und am häufigsten (eigentlich immer) eingesetzten „Instrumente“ bei der Arbeit am Patienten dar.

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Abbildung 1: Aufeinander folgende Kontaktkulturen der nicht desinfizierten Fingerspitzen von Zeige-, Mittel- und Ringfinger der gleichen Hand. Fotos: Jatzwauk

Abbildung 2: Logo der Aktion „Saubere Hände“ Design: Praxis Page
Abbildung 3: Standard-Einreibemethode der hygienischen Händedesinfektion nach EN 1500 Foto: BODE Chemie GmbH
Abbildung 3: Standard-Einreibemethode der hygienischen Händedesinfektion nach EN 1500 Foto: BODE Chemie GmbH
Abbildung 3: Standard-Einreibemethode der hygienischen Händedesinfektion nach EN 1500 Foto: BODE Chemie GmbH
Abbildung 4: Training der Händedesinfektion durch den Einsatz fluoreszierender Testlösungen zur Händedesinfektion Foto: Jatzwauk

Hände gelten als die bedeutendsten Keimüberträger in der Medizin. Sie sind ständig mit der physiologischen (residenten) Hautflora des einzelnen Mitarbeiters kontaminiert. Diese Mikroorganismen werden ohne Händedesinfektion bei jedem Kontakt auf Haut oder Schleimhaut übertragen. Bei Einsatz von Kontaktkulturen     wird jeweils nur ein geringer Anteil der vorhandenen Mikroorganismen durch eine Kultur detektiert. (Abbildung 1).

Zusätzlich sind Hände (trotz des Tragens von Schutzhandschuhen) vorübergehend auch mit den Mikroorganismen der Umgebung, vor allem aber der Mundflora des Patienten sowie in dessen Blut persistierenden Viren kontaminiert (transiente Hautflora). Viren wurden in zahlreichen Studien an den Händen medizinischen Personals nachgewiesen. Eine derartige Kontamination der Hände kann durch Defekte an den Schutzhandschuhen sowie durch eine ungenügende Technik beim Ausziehen der Handschuhe hervorgerufen werden. Im akuten virämischen Stadium eines HBV-Carriers können pro Milliliter Blut etwa 5 x 108 infektiöse Einheiten enthalten sein. Das HCV-Virus ist im Blut eines infizierten Patienten immerhin noch in Konzentrationen von 104 bis 107 infektiösen Einheiten pro Milliliter nachweisbar. Bei diesen hohen Konzentrationen genügen kleinste Blutmengen, um Infektionen zu übertragen.

Es ist in der Humanmedizin durch zahlreiche Studien bewiesen, dass eine hygienische Händedesinfektion die Übertragung potenziell pathogener Erreger auf den Patienten und auf die Mitarbeiter verhindern kann und damit die Entstehung von Infektionen minimiert. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kann angenommen werden, dass der Händedesinfektion in der Zahnmedizin eine ebenso große Wertigkeit bei der Infektionsverhütung wie in anderen medizinischen Fachdisziplinen zukommt. Deshalb wird die Händehygiene durch das Robert Koch-Institut auch in dessen Empfehlung zur Hygiene in der Zahnmedizin in die Evidence-Kategorie IA (Basis der nachdrücklichen Empfehlung sind gut konzipierte experimentelle oder epidemiologische Studien) eingeordnet.

Die Weltgesundheitsorganisation hat in ihrer weltweiten Kampagne „Clean care is safer care“ die Verbreitung von effektiven Maßnahmen zur Händehygiene als eines von fünf vorrangigen Zielen zur Erhöhung der Patientensicherheit genannt. Bis heute haben sich weltweit über 100 Länder schriftlich zur Umsetzung verpflichtet.

In Deutschland wird seit dem 1. Januar 2008 die „Aktion saubere Hände“ unter der Schirmherrschaft des Bundesgesundheitsministeriums durchgeführt (Abbildung 2). Ziel ist es, die Händedesinfektion als entscheidenden hygienischen Qualitätsparameter fest in den klinischen Alltag zu integrieren (Tabelle 1).

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