Hypertonie

Renale Denervierung als neue Therapieoption

Ein neues Verfahren zur Behandlung der Hypertonie macht derzeit von sich reden: Per renaler Denervierung, also durch Verödung von Nervenbahnen in den Nieren, kann auch bei ansonsten therapieresistenten Patienten eine effektive Blutdrucksenkung erwirkt werden.

Eine Denervation der Nierenarterien lässt bei vielen ansonsten therapieresistenten Hypertonikern den Blutdruck sinken. Foto: nerthuz/Fotolia.com

Renale Denervation – Verödung der Nervenbahnen in den Nieren Foto: Sebastian Kaulitzki/Fotolia.com
Bis zu zehn Prozent der Hypertoniker sprechen auf Medikamente nur unzureichend an. Foto: Photographee.eu/Fotolia.com

Die Mehrzahl der Menschen mit Bluthochdruck kann mit den etablierten Antihypertensiva effektiv behandelt werden. Bei etwa jedem zehnten Patienten aber ist auch mit einer Kombination mehrerer antihypertensiv wirksamer Substanzen keine adäquate Blutdruckkontrolle zu erwirken und das hohe kardiovaskuläre Risiko bleibt bestehen.

Therapie ohne Pillen: Baroreflex-Stimulation

Für diese Patienten gibt es mittlerweile zusätzlich zur medikamentösen Behandlung nicht-medikamentöse Therapiemöglichkeiten: Ein Verfahren zur Blutdrucksenkung ist dabei die Baroreflex-Stimulation, die bereits seit mehreren Jahren praktiziert wird. Dabei wird eine Elektrode auf einer der Karotiden implantiert und mit einem Schrittmacher verbunden. Dadurch wird die „Sollwertverstellung“ der Barorezeptor-Stimulation, die hohe Blutdruckwerte zur Folge hat, durchbrochen.

„Es ist Studien zufolge so eine über Jahre anhaltende Blutdrucksenkung von bis zu 53/30 mmHg zu erzielen“, berichtete Dr. Siegfried Eckert aus Bad Oeynhausen als Kongresspräsident bei der 37. Wissenschaftlichen Jahrestagung der Deutschen Hochdruckliga in Münster.

Dort wurde als weiteres, noch relativ neues nicht-medikamentöses Verfahren zur Blutdrucksenkung die renale Denervation vorgestellt. Dabei wird über einen Katheter, der ähnlich wie bei der Herzkatheteruntersuchung in lokaler Betäubung von der Leiste aus vorgeschoben wird, eine Verödung von Nervenbahnen des sympathischen Nervensystems in der Nierenarterie herbeigeführt. Diese Nerven sind für die Sympathikusaktivität und damit für die Blutdruckregulation von zentraler Bedeutung. Werden die zu den Nieren und von ihnen wegführenden Nerven durchtrennt, so kann mit einem einmaligen Eingriff eine langfristige Denervation und damit eine Blutdruckreduktion erwirkt werden.

Konkret wird dabei ein eigens hierzu entwickelter Katheter in der Leistengegend in die Oberschenkelarterie eingeführt und unter Röntgenkontrolle bis in die Nierenarterie geschoben. Durch eine Sonde an der Katheterspitze kann auf Knopfdruck das umgebende Gewebe auf 50 bis 70 Grad Celsius erhitzt werden. Dabei wird das Geflecht aus Nervenfasern in der Wand der Arterie zerstört, ohne dass die Funktion der Gefäßwand beeinträchtigt wird.

Die Denervation wird in den Nierenarterien beider Nieren vorgenommen, der gesamte Eingriff dauert etwa eine Stunde, der erzielte Effekt ist allerdings nicht sofort abzuschätzen. Vielmehr sinkt der Blutdruck nach der renalen Denervierung nach und nach, der tatsächliche Therapieerfolg ist erst nach einigen Monaten zu beurteilen.

Vielversprechende Behandlungsergebnisse

Es liegen inzwischen zwei kontrollierte Studien zur Effektivität und Sicherheit der renalen Denervation vor, wie in Münster dargelegt wurde. Die Ergebnisse sind vielversprechend: Innerhalb von vier Wochen nach dem einmaligen Eingriff war der Blutdruck der Patienten in der ersten Studie im Mittel um 14/10 mmHg niedriger als vor der Behandlung. Nach sechs Monaten resultierte eine Blutdruckreduktion von durchschnittlich 22/11 mmHg und nach einem Jahr von 27/17 mmHg.

Eine zweite Studie zeigte noch bessere Resultate und erzielte innerhalb von sechs Monaten eine Blutdrucksenkung von durchschnittlich 32/12 mmHg. Die Effekte sind anhaltend, wobei bisher Erfahrungen von bis zu drei Jahren vorliegen. Die weitere Beobachtung der Patienten zeigte, dass sich nach dem Eingriff hochdruckbedingte Organschäden an Herz, Gefäßen und Nieren zurückbilden. Allerdings gibt es auch einen Wermutstropfen: Bei rund jedem fünften mittels renaler Denervation behandelten Patienten blieb der erwartete Erfolg aus, die Blutdrucksenkung war auch nach Monaten nicht höher als systolisch 10 mmHg.

Noch kein Routineverfahren

Die Möglichkeit der renalen Denervierung hat dennoch bereits Niederschlag in den neuen Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Hypertonie gefunden und wird als Therapieoption bei ansonsten behandlungsresistentem Hochdruck empfohlen. Trotzdem hat das Verfahren praktisch noch einen experimentellen Charakter und ist keineswegs als Routineverfahren anzusehen.

Denn bislang fehlen noch Langzeitdaten zur Effektivität wie auch zur Sicherheit dieser neuen Option der Blutdrucksenkung.

Christine Vetter
Merkenicher Str. 224
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