Einigung über Minamata-Problematik

Internationales Abkommen zu Amalgam

Abbildung 2: Amalgamfüllung nach Legen und Politur Foto: Gottfried Schmalz
Abbildung 3: Seit 2001 werden von der UNEP Informationen zur Hg-Belastung der Umwelt veröffentlicht
Abbildung 4: Global gesehen emittiert Asien mehr Quecksilber in die Atmosphäre als irgendeine andere größere geografische Region. Die Emission durch Verbrennung fossiler Brennstoffe, größtenteils in Kohlekraftwerken, ist die größte Quelle anthropogener Quecksilberemission; allerdings sind Emissionen durch Goldgewinnung in kleinem Maßstab gegenwärtig eine wichtige und unterschätzte Quelle.

Konsequenzen für die zahnärztliche Praxis

Mindestens vier der in diesem Minamata-Abkommen für das Phase-down des Amalgams festgelegten künftigen neun Maßnahmen sind in Deutschland bereits heute erfüllt, wie

• die flächendeckende Kariesprävention,

• die Ausbildung der Studierenden und die Weiterbildung der Zahnärzte in der Verwendung von quecksilberfreien alternativen Werkstoffen,

• die Verwendung von verkapseltem Amalgam und

• die Installation von Amalgamabscheidern.

Weitere Verbesserungen sind sicherlich sinnvoll hinsichtlich einer mehr auf Risikogruppen ausgerichteten (Karies-)Prävention.

Bei der oben erwähnten Notwendigkeit, belastbare Zahlen zur Verwendung einzelner Werkstoffe in der zahnärztlichen Praxis zu generieren, kann es zu einem weiterhin erhöhten Verwaltungsaufwand kommen. Deshalb sollte ein Verfahren entwickelt werden, bei dem dieser Aufwand so gering wie möglich ist.

Eine fünfte Rahmenbedingung, nämlich die Förderung der Forschung, wird einhellig von allen Beteiligten unterstützt. Universitäten, Industrie und Politik sind aufgerufen, vermehrt Anstrengungen zur Entwicklung kostengünstiger neuer und quecksilberfreier Restorationswerkstoffe zu unternehmen. Dabei sind schon in einem frühen Entwicklungsstadium mögliche Gesundheitsschäden durch die verwendeten chemischen Substanzen, aber auch mögliche Auswirkungen auf die Umwelt zu beachten. Daneben müssen neue Methoden für eine klinisch prädiktive, aber auch in einem vertretbaren Zeitrahmen durchführbare Prüfung entwickelt werden. Alternativen zum Amalgam sind für bestimmte Indikationen heute durchaus verfügbar. In weiteren Studien ist abzuklären, unter welchen Bedingungen diese Werkstoffe bei welchen und gegebenenfalls mit welchen neuen Indikationen sie zu verwenden sind. Die heute platzgreifende Idee eines minimalinvasiven Vorgehens muss dabei berücksichtigt werden.

Insgesamt bleibt nach dem Minamata-Abkommen Amalgam auch für die Zahnheilkunde weiterhin verfügbar. Das gibt uns Zeit, und wir sollten diese nutzen, um Prävention und Forschung weiter voranzutreiben, mit dem Ziel einer insgesamt verbesserten Mundgesundheit der Patienten.

Das ändert nichts an der in den vergangenen Jahren bewährten Strategie, wonach der Zahnarzt im Einzelfall zusammen mit dem Patienten den jeweiligen Restorationswerkstoff nach den Vorgaben der wissenschaftlichen Fachgesellschaften und der Kostenträger bespricht und auswählt.

Prof. Dr. Gottfried Schmalz
Poliklinik für Zahnerhaltung und
Parodontologie 93042 Regensburg
Gottfried.Schmalz@klinik.uni-regensburg.de


Quellen: AMAP/UNEP. 2008. Technical Background  Report to the Global Atmospheric Mercury  Assessment.  AMAP/United Nations Environment Programme (UNEP) Chemicals Branch.

AMAP/UNEP. 2012. Technical Report, Global Emissions of Mercury to the Atmosphere (Draft). AMAP/UNEP Chemicals Branch.

Amalgam hat sich seit vielen Jahrzehnten bewährt und ist noch dazu preisgünstig. Doch die – quecksilberhaltige – Legierung hat nicht nur Befürworter.

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