Angebote für angehende Zahnmedizinstudierende

Erstkontakt mit dem Phantomkopf

Frühjahrszeit ist Orientierungszeit. Jedenfalls für Abiturienten, die sich auf die Suche nach dem geeigneten Studienfach begeben. Die Auswahl ist groß. Über 800 Studienfächer stehen zur Auswahl. Zahnmedizin kann an 30 Hochschulen im Land studiert werden. Ein Einblick in die Schnuppertage an der Universität Witten/Herdecke (UW/H). Dort kann man angeblich „anders“ studieren.

Im blauen Kasack-Oberteil: die Teilnehmer der Schnupperstudientage; im grünen Oberteil: Zahnmedizinstudenten aus höheren Semestern, die dem „Nachwuchs“ zur Seite stehen Fotos: zm

Gefühlt am Ziel: Das Arbeiten am Phantomkopf ist für viele Teilnehmer ein Höhepunkt im Rahmen der ganzen Veranstaltung. Hier bekommt man ein Gefühl für die spätere Behandlung am Patienten.
Aufzeichnungen aus der zahnmedizinischen Vorlesung mit Prof. Stefan Zimmer
Kam mit Vorkenntnissen: Konstantin Wiesner (20) aus Kassel ist Sohn eines Zahnarztes.
An der U/WH leitet Prof. Peter Cichon den Lehrstuhl für behindertenorientierte Zahnmedizin.
Prof. Stefan Zimmer gibt den Studenten einen Vorgeschmack auf die Vorlesungen. Fotos: zm

Das Foyer der UW/H ist lichtdurchflutet. Gelächter dringt durch den Raum. Etwa 50 Teilnehmer haben es geschafft, einen Platz für die Schnupperstudium-Tage Mitte April zu erhalten. Die Zahl der Bewerber lag weit höher.

Die Gäste werden von Zahnmedizinstudierenden aus höheren Semestern in Empfang genommen. Diese tragen grüne T-Shirts mit der Aufschrift „Verantwortungsträger“. Der Name ist Programm: Zwei Tage lang sollen die Älteren den Jüngeren bei allen erdenklichen Fragen zur Seite stehen. Auf der Agenda: präparieren und mikroskopieren, Bewerbungsprozesse an der UW/H, Finanzierungsmodelle, eine Video-Vorlesung zur Parodontologie/Implantologie und vor allem der Austausch mit Studierenden und Lehrkräften.

Die erste „zahnmedizinische Vorlesung“ hält Prof. Stefan Zimmer, der Leiter des Departments für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der UW/H. Etwa drei Viertel der Zuhörer haben eine „zahnmedizinische Vorgeschichte“, schätzt Zimmer anhand der erhobenen Hände im Raum. Das heißt, dass entweder ein Familienmitglied in einer Zahnarztpraxis arbeitet oder aber dass der Teilnehmer eine entsprechende Ausbildung durchlaufen hat. Zimmer referiert zu einem Klassiker: „Kariesprophylaxe und Karies- therapie“. Er löchert die interessierten Gäste mit Fragen: „Wie lange hat man Milchzähne?“, „Wie viele Zähne hat der Mensch?“, „Wie entsteht Karies?“, „Wie viele Bakterien leben im Mundraum?“ sind nur einige Beispiele. Die Teilnehmer diskutieren rege mit.

Nach der Vorlesung und einem Mittagessen folgt unmittelbar der nächste Höhepunkt: arbeiten am Phantomkopf. Eine praktische Tätigkeit, die Studierende über eine lange Zeit im ersten Teil des Studiums ableisten müssen, bevor sie dann nach dem Physikum endlich auch mit Patienten arbeiten dürfen. Die weißen Hosen haben sie selber mitgebracht. Das Kasack-Oberteil wurde von der UW/H gestellt. Und wie fühlt sich das an? „Interessant“, sagt eine Teilnehmerin, die gerade einen Sauger hält, während ihr Platzpartner im Gebiss des Phantomkopfes bohrt. Es sei gut, das mal ganz nah zu sehen, befinden beide.

Wenn schon der Vater Zahnarzt ist

Konstantin Wiesner ist der Sohn eines Zahnarztes. Der Zwanzigjährige aus der Nähe von Kassel hat sich ganz bewusst für einen Besuch an der UW/H entschieden. Das Umfeld sei familiär und das „Studium fundamentale“ ermögliche eine Aubildung in anderen Fächern. Wiesner interessiert sich neben der Zahnmedizin auch für Kunstgeschichte und Medizin. Zudem findet er gut, dass bei der Auswahl der Studenten an der UW/H nicht nur der Numerus clausus, sondern auch persönliche Werte entscheidend sind.

Pascal Sienna studiert bereits im vierten Semester Zahnmedizin und ist einer der Verantwortungsträger in grün. „Die Vorlesungen hier finden in einem Dialog statt.“ Das sei für ihn das Besondere an der UW/H und das spüre man Tag für Tag.

Keine Frage des Geldes

Die UW/H ist eine Privatuniversität. Da liegt diie Annahme nahe, dass sich nur derjenige einen Studienplatz leisten kann, der über die monetären Mittel verfügt. Ganz so ist es aber nicht.

Richtig ist: Die Studierenden leisten Finanzierungsbeiträge. Im Unterschied zur Gebühr orientieren diese sich aber nicht an einer in Anspruch genommenen Leistung, sondern an der finanziellen Leistungsfähigkeit und an der persönlichen Wertschätzung der Studierenden für ihre Universität. Was das bedeutet? Durch den „Umgekehrten Generationenvertrag“ hat jeder Studierende an der UW/H die Möglichkeit, seine Studienbeiträge erst nach dem Studium einkommensabhängig zu bezahlen. Das Besondere an diesem Modell: Wer später viel verdient, zahlt etwas mehr, wer später weniger verdient, zahlt entsprechend weniger oder sogar überhaupt nichts. In diesem Fall werden die Beiträge solidarisch von der Gemeinschaft getragen. Die Beiträge werden von der StudierendenGesellschaft Witten/Herdecke e.V. für die Uni erhoben. Das ist ein studentisch geführter Verein, der dieses System für die Zahlung der Studienbeiträge erfunden hat und anbietet.

Ob und für welchen Studienort sich die Teilnehmer dann letztlich entscheiden, hängt in erster Linie an den Vergaberichtlinien der ZVS.


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