Forbildungsteil 1/2014

Die digitalisierte Praxis

Die Zahnarztpraxis von früher ist längst out. Nicht nur die Turbine und ein voll automatisierter Stuhl haben Einzug gehalten, sondern auch jede Menge andere technische Neuheiten. Die revolutionärste der vergangenen Jahre ist nach wie vor die Möglichkeit der elektronischen Übertragung von Daten. Das hat Auswirkungen aufs Röntgen, auf die Abdrucknahme, aufs Erstellen von Restaurationen, auf die chirurgischen Maßnahmen und auf die gesamte Praxisarbeit nebst der bildlichen Dokumentation. Die fünf Beiträge dieses Fortbildungsteils gehen auf die wichtigsten Teilbereiche ein. Sie stellen vor, was es heute gibt, sprechen aber auch an, dass für eine Durchschnittspraxis nicht alles unbedingt so gelten muss.

Foto: ra2 studio – Fotolia.com

Die Dokumentation hat bei der Behandlung eines Patienten allein schon bezüglich der forensischen Anforderungen höchste Priorität. Neben der schriftlichen Dokumentation erfolgt sie immer häufiger mittels der Fotografie.

Dr. Wolfgang Bengel, Heiligenberg, bespricht die technischen Grundlagen der modernen Fotografie, der Beleuchtungstechnik sowie der Fotodokumentation und gibt eine Reihe von Anwendungsbeispielen, die relativ einfach und auch für den nicht nur Hobbyfotografen gut umsetzbar und für den Praxiseinsatz tauglich sind.

Mit dem Dritten sieht man besser: Das gilt auch für die dritte Dimension, wenn sie Einsatz in der Zahnarztpraxis findet.Prof. Dr. Ralf Schulze, Mainz, gibt einen Einblick in die Technik der digitalen Volumentomografie (DVT) und zeigt auf, in welchen Situationen diese der zweidimensionalen Bildgebung überlegen ist oder wann doch lieber die bewährte Bilddiagnostik herangezogen werden sollte. Er diskutiert, inwieweit es überhaupt für die Durchschnittspraxis sinnvoll ist, eine solch hohe Investition zu tätigen, oder ob man lieber auf Fachpraxen mit DVT-Gerät in der Umgebung zurückgreifen sollte.

PD Dr. Petra Güß, Freiburg, und Dr. Sebastian Horvarth, Jestetten, erörtern die digitale Behandlungsplanung und Datenerfassung von Präparationen und Bissregulationen mittels oralen Scannern. Sie geben einen Überblick über die Auswahl der auf dem Markt erhältlichen CAD/CAM-Systeme sowie über die hierbei verwendbaren Materialien und besprechen die einzelnen Indikationsbereiche im digitalen Workflow.

Auch in der Chirurgie haben Computer sowie rechnerunterstützte Verfahren längst Einzug gehalten. Dr. Dr. Majeed Rana, Prof. Dr. Dr. Horst Kokemüller und Prof. Dr. Dr. Nils Gellrich, Hannover, erklären die Geschichte sowie die Entwicklung der computerassistierten Chirurgie und zeigen ihre Anwendungsgebiete für die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie auf. Sie reichen von der Traumatologie über die orthognathe Chirurgie,bis hin zu komplizierten implan-tologischen Situationen und sind sogar in der Lage, bei komplexen Unterkiefer- Rekonstruktionen zum Beispiel nach einer umfangreichen Tumorexzision, dem Operateur unterstützend „zur Seite zu stehen“.

Alle in den oben beschriebenen Beiträgen erfassten digitalen Daten müssen in einer sinnvollen Struktur in der Praxis miteinander verknüpft sein. Dipl-Ing. Michael Köhl, Gießen, stellt hierfür Möglichkeiten vor, diskutiert Vor- und Nachteile. Er zeigt den Status quo der vernetzten Zahnarztpraxis auf und wirft einen Blick in die Zukunft. Datenschutz und Datensicherheit werden ebenso angesprochen wie aktuell verfügbare Systeme für Kliniken oder Großpraxen.