Patienten im Internet

Suche nach Gleichgesinnten

Partnerbörsen und Kleinanzeigen boomen schon seit Jahren im Internet. Mittlerweile sind auch immer mehr Gesundheitsdienste online. Doch was suchen die deutschen Gesundheits-Surfer im Netz? Eine neue Studie gibt Antworten.

Vielen Usern ist der Austausch mit anderen Patienten im Netz wichtig. Foto: dieKLEINERT-Bildarchiv

Positive Auswirkungen: Eine große Mehrheit der Teilnehmer gab an, durch das Gesundheits- Surfen besser mit ihrer Krankheit umgehen zu können. Grafik: zm / Quelle: E-Patienten-Studie 2014
Vor allem Menschen mit chronischen Erkrankungen suchen im Internet nach Informationen. Grafik: zm / Quelle: E-Patienten-Studie 2014

Rund 80 Prozent aller Menschen mit Internetzugang in den westlichen Industrieländern nutzen das Internet, um sich über Gesundheitsthemen zu informieren – das geht aus der E-Patienten-Studie 2014 in Deutschland hervor. Das entspricht in Deutschland einer Zahl von circa 40 Millionen Nutzern. Die Initiatoren der Studie sind Prof. Mike Friedrichsen, Geschäftsführer der Media Business GmbH Berlin, und Dr. Alexander Scharchinger, Inhaber von healthcare42.com.

Beide kritisieren, dass es in Deutschland bislang keine Forschung darüber gibt, wie sich das Gesundheits-Surfen auf die Patienten, auf ihr Verhalten oder gar auf den Gesundheitsmarkt auswirkt. Das Potenzial, die traditionellen Versorgungsstrukturen mit internetbasierten Innovationen zu verknüpfen, schätzen sie als groß ein.

Für die Studie wurden in den Monaten Februar und März 2014 anonyme und freiwillige Online-Befragungen auf 19 der größten Gesundheitsportale sowie Web- seiten von Krankenkassen und Kliniken geschaltet. 3 160 Teilnehmer mit einem Durchschnittsalter von 59 Jahren, haben den Fragebogen vollständig ausgefüllt, wobei am häufigsten ein Alter zwischen 44 und 74 Jahren angegeben wurde. Mehrheitlich sind die Gesundheits-Surfer nach eigenen Angaben chronisch Kranke (42,6 Prozent), gefolgt von Surfern mit akuten, nicht- chronischen Beschwerden (22,8 Prozent) sowie von Gesunden, aber Interessierten (20,6 Prozent) (siehe Grafik 1).

Zweitmeinung gefragt

Die am häufigsten genannten Erkrankungen, zu denen die Teilnehmer der Studie sich im Internet erkundigten sind Probleme mit dem Bewegungsapparat (30 Prozent), Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen (22,8 Prozent) sowie Stoffwechselerkrankungen (17,1 Prozent).

Als Hauptgrund für ihre Internetrecherche nannten die meisten Befragten (62,1 Prozent) ihr Informationsbedürfnis zu einer bestimmten Erkrankung, gefolgt von der Suche nach Ärzten, Kliniken oder anderen Einrichtungen (50,9 Prozent). Auch die Sehnsucht nach dem Austausch mit anderen Betroffenen treibt viele Patienten ins Netz (40 Prozent). Bemerkenswert ist laut den Autoren auch, dass immerhin 26 Prozent der Teilnehmer im Netz nach einer Zweitmeinung suchen.

Die Suche der meisten Nutzer (58 Prozent) beginnt mit einer Suchmaschine, beispielsweise Google. Als Suchwörter werden Diagnosen (37 Prozent), allgemeine gesundheitsbezogene Themen (26 Prozent) sowie Symptome (14 Prozent) eingegeben. Mobile Endgeräte werden für die Gesundheitssuche nur selten verwendet. Nur vier Prozent der Befragten gaben an, Gesundheits-Apps auf ihrem Smartphone zu nutzen.

Bewertungen gern gelesen

Zu den am häufigsten verwendeten Gesundheitsangeboten im Internet zählen, laut den Autoren der Studie, Verzeichnisse von Behandlungseinrichtungen, Ärzten, Medikamenten und Medizinprodukten (57 Prozent), deren Bewertungen (51 Prozent) und Medikamenten-Checks (35 Prozent). Auffällig sei, dass trotz der häufig thematisierten Datenschutzdebatten 18 Prozent der Teilnehmer erklärten, ihre eigenen Körper- oder Krankheitsdaten in internetbasierten Anwendungen freiwillig anzugeben. Die Befragten rufen demnach sowohl die Webseiten der traditionellen Akteure des Gesundheitswesens als auch die Webseiten der Verlags- und Medienhäuser, beispielsweise die „Apotheken Umschau“, Communities und Start-Ups auf.

Die Internetrecherchen scheinen zu helfen. Jedenfalls gaben fast 79 Prozent der Befragten an, durch die Internetrecherche ihre Krankheit besser verstehen zu können (siehe Grafik 2). Auch die anderen Auswirkungen könne man laut den Autoren der Studie als tendenziell positiv bezeichnen. Nicht nur das eigene Verhalten, sondern auch der Umgang mit dem Arzt sowie die Wirkung des Arztgesprächs würden offenbar von der Internetnutzung profitieren.

Dies äußere sich vor allem dadurch, dass Patienten, die sich vorher schlau gemacht haben, ihrem Arzt andere Fragen stellen würden (69,9 Prozent) und ihn auch besser verstehen könnten (53,9 Prozent). Und 33,6 Prozent der Befragten gaben an, infolge ihrer Gesundheitssuche im Internet einen anderen Arzt aufgesucht zu haben.

Die Autoren sehen in der Verknüpfung des Gesundheitswesens mit Gesundheitsanwendungen im freien Internet ein in Deutschland bisher noch kaum genutztes Potenzial, um die Patientenversorgung und die Informationsdienste zu optimieren. Die Aussage, dass sich 43 Prozent der Befragten eine internetbasierte Gesundheitsakte vorstellen könnten, ist eine Anregung, die Debatte der Gesundheitsakte auch von den Nutzern her zu evaluieren.


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