Deutsche Apotheker-und Ärztebank (apoBank)

Aufwind trotz Hindernissen

Vor sechs Jahren stand die apoBank noch am Abgrund: In der Hochzeit der Finanzkrise 2008/2009 verzockten sich auch damalige Vorstände mit hochriskanten Anlagen. Mittlerweile hat sich der Wind gedreht und die Bank fährt wieder Gewinne ein. Die Verantwortlichen von damals wurden jüngst per Urteil von jeder Verantwortung juristisch frei gesprochen, die Bank verzichtete darauf, Revision gegen das Urteil einzulegen.

Von den finanziellen Rückschlägen der Vergangenheit weitestgehend erholt: Die apoBank kann wieder Flagge zeigen. Foto: [M]zm_apoBank

Leiten derzeit die Geschicke der Bank: Vorstandssprecher Herbert Pfennig, Foto: apoBank
Eckhard Lüdering (Ressort Risiko und Bankbetrieb), Foto: apoBank
Dr. Thomas Siekmann (Ressort Finanzen und Controlling), Foto: apoBank
Ulrich Sommer (Ressort Standesorganisationen und Großkunden) Foto: apoBank
und Harald Felzen (Ressort Privatkunden). Foto: apoBank

Der Plan des aktuellen Vorstands der apoBank, ihre ehemaligen Vorstände auf Schadensersatz zu verklagen – und so zumindest einen Teil der erlittenen Verluste wieder einzufahren – ging nicht auf. Im April dieses Jahres urteilte das Düsseldorfer Landgericht (LG), dass der Bank kein Schadensersatz von ihren Ex-Managern zustehe. Mit dem Urteil wies das LG die millionenschwere Schadenersatzforderung der apoBank ab. Das Institut mit Hauptsitz in Düsseldorf hatte fünf ehemalige Vorstands-Manager auf insgesamt 66 Millionen Euro verklagt, weil es die Ansicht vertrat, dass ihre Vorstände im Verlauf der weltweiten Finanzkrise 2008/2009 unverantwortlich agiert und Geld verbrannt hätten.

Frühere Verluste wirken bis heute nach

Hintergrund: Bis 2008 hatte die Bank 5,5 Milliarden Euro in hochriskante und wie sich alsbald herausstellen sollte, unrentable Finanzmodelle gesteckt. Eine Pleite wurde damals auch dadurch verhindert, dass der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken mit 640 Millionen Euro als Bürgschaft in die Bresche sprang. Zwar musste dieses Pfand nie eingelöst werden, doch die Auswirkungen der damaligen Geschäfte spürt die Bank bis heute: Noch Ende 2013 hatte die Bank rund 288 Millionen Euro Altlasten aus Risikopapieren.

Verantwortlich für den Verlust von Geld, Macht und Image seien die damaligen Hauptverantwortlichen gewesen, argumentierte die Bank vor Gericht, wo die Ex-Vorstandsmitglieder Günter Preuß, Günther Herion, Werner Albert Schuster, Gerhard Girner und Harald Wilsing unter Anklage standen. Die Manager hätten gegen das in der Satzung verankerte Spekulationsverbot verstoßen und keine ausreichende Risikoabwägung vorgenommen, so die Bank.

Die Beschuldigten beriefen sich indes auf ihren unternehmerischen Entscheidungsspielraum, den sie nicht überschritten hätten. Risiken seien für das Bankgeschäft charakteristisch und grundsätzlich zulässig. Der Eintritt der Finanzmarktkrise sei im Fall der kritisierten Anlagenentscheidung nicht vorhersehbar gewesen.

Das Landgericht gab den Managern recht. Sie hätten Investitionsentscheidungen mit der gebotenen Sorgfalt abgewogen, hieß es. Dass die Anlagen sich als Schrottpapiere entpuppten, beruhe auf den Auswirkungen der Finanzmarktkrise, nicht aber auf persönlichem Versagen. Der Misserfolg sei auf fehlende Liquidität der Märkte zurückzuführen.

Dies habe zum Preisverfall und letztlich bei der Bank zu Verlusten geführt.

Gericht bescheinigte korrektes Arbeiten

Ein derart massiver Preisverfall bei den bis dahin mit höchsten Rating ausgestatteten Anlagen sei auch bei sorgfältigster Prüfung nicht zu erwarten gewesen, hieß es weiter vom Gericht. Es bescheinigte den Ex-Managern „die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters“.

Das LG ging sogar noch weiter: Statt Schadensersatz zu erhalten, muss die Bank an Preuß, Girner und Herion noch Abfindungen, Ruhegeldzahlungen, Bonusforderungen und Versorgungsleistungen in Höhe von insgesamt 2,5 Millionen Euro zahlen. Allesamt für Leistungen, die die Bank einbehalten hatte und wogegen die Ex-Vorstände geklagt hatten.

„Nach intensiver Beratung“, so die apoBank in einer Mitteilung, habe der Aufsichtsrat beschlossen, keine Berufung gegen das Urteil einzulegen. Damit akzeptiert die Bank den Richterspruch mit allen Konsequenzen. Dies deutete die „Rheinische Post“ so: „Deren Vertreter konnten vermutlich nicht anders handeln. Sie müssen auch die Interessen der Mitglieder vertreten, und deshalb galt zumindest der Versuch, Geld zurückzubekommen, als zwingend.“

Zugewinn schafft Zuversicht

Tempi passati. Wenn am 27. Juni dieses Jahres in Frankfurt die Vertreterversammlung zusammenkommt, kann Vorstandssprecher Herbert Pfennig trotz des LG-Urteils Positives berichten: 2013 konnte die Bank den Jahresüberschuss erneut leicht steigern und zwar um 4,4 Prozent auf 47,4 Millionen Euro. „Mit der Entwicklung unseres Geschäfts im vergangenen Jahr sind wir insgesamt mehr als zufrieden“, so Pfennig. „Wir haben unsere Ziele erreicht, manche sogar übertroffen.“ Daher wird der Vorstand der Bank der Vertreterversammlung vorschlagen, erneut eine Dividende in Höhe von vier Prozent auszuschütten und die Rücklagen weiter zu stärken, so Pfennig. Die Bank habe ihr Risikoprofil verbessert und ihre Eigenkapitalsituation gestärkt. Da die Bank mit einer Bilanzsumme von 35 Milliarden Euro zu den so genannten signifikanten 124 europäischen Instituten zähle, falle sie ab November 2014 unter die direkte Aufsicht der Europäischen Zentralbank und müsse sich einer strengen Prüfung unterziehen. Pfennig: „Wir sind zuversichtlich, die Stresshürden zu überspringen.“


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