Editorial

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Auch eine Art der Prävention: Miteinander reden schafft Vertrauen und bewahrt davor, Angst zu entwickeln. Foto: Plainpicture-Erickson

Liebe Leserinnen und Leser,

über Angst lässt sich vieles sagen. Nur einige Beispiele: Sie gilt – in der Regel auch in Gesundheits- und Berufspolitik – als schlechter Berater; glaubt man selbst ernannten angstfreien Anglophilen, ist „Angst“ ein eher deutsches Phänomen; „Angst essen Seele auf“, lautet eine Botschaft des Regisseurs Rainer Werner Fassbinder aus einem seiner frühen Filme.

Wer also einschlägig sucht, findet Tiefsinniges und – je nach Standpunkt – auch beachtenswert Richtiges zum Thema. Trotzdem: Wer Angst hat, dem helfen kluge Betrachtungen in der Regel nicht weiter.

Betroffen sind nicht gerade wenige: Gut jeder fünfte Patient hat nach eigenem Bekunden „starke Angst“, wenn er zum Zahnarzt muss. Etwa fünf bis zehn Prozent, so führt die aktuelle zm-Titelgeschichte aus, reagieren sogar phobisch, wenn es um eine Zahnbehandlungg geht. Schon diese Zahlen suggerieren die immense Aufgabe, die die Zahnmedizin hier zu bewältigen hat.

Über die Gründe für diese Angst „vor dem Zahnarzt“ wurde immer wieder – nicht zuletrzt auch in den zm – gemutmaßt.

Die Erklärungen reichen vom lange zurückliegenden, aber traumatisierenden Schmerzerlebnis über archaisch getragene Ängste – „Wer lässt schon gerne andere an seinen Kopf?“ – bis zur schlichten Feststellung, dass ein Zahnarztbesuch nicht nur Vorsorge, sondern durchaus auch Reparatur bedeuten kann. Und die Vorstellung körperlicher Eingriffe birgt – nicht nur beim Zahnarzt – auch die Kraft, Angst zu erzeugen, unabhängig vom Fach des behandelnden Heilberufs.

Alternativen? Die gibt es, wie die Ausführungen in diesem Heft zeigen. Was im Zeitalter von Prävention und sprechender Zahnheilkunde nicht verwundert: Reden hilft! Die richtige Art der Kommunikation, sachliche, ausführliche Aufklärung und Achtsamkeit sind Instrumente, die bei richtiger Befassung Wege aus der Angst ebnen.

Wer Angst hat, lässt sich vorab erfragen, die Abgrenzung zur Phobie sogar messen. Aktives Zuhören lässt sich als Methode lernen. Und es ist nicht per se eine einseitige Anstrengung des Zahnarztes pro Patient, ist die Behandlung ängstlicher Patienten doch auch für den Zahnarzt eine besondere Belastung.

Hier geht es nicht um zeitintensives oder gar lästiges „Wir müssen reden!“. Erfolg hat, wer auf die Compliance solcher Patienten zählen kann: Wer zuhört, sich Zeit nimmt, wer über Diagnose und Behandlung aufklärt, wer seinen Patienten Kontrolle über die Behandlung lässt, wird wirklich helfen. Angstpatienten, die sich vertrauensvoll der Beratung durch den Zahnarzt öffnen statt auf den schlechten Berater Angst zu setzen, sind Beweis, dass „gesund“ zwar „im Mund beginnt“, aber weit darüber hinaus wirkt.

Mit besten Wünschen

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur